Stolz und Vorurteil

MANAGEMENTSTILE:

HBM August 2012

Es gibt we­ni­ge Men­schen, die die Gabe be­sit­zen, ei­nem den Spie­gel vor­zu­hal­ten und da­bei trotz­dem kein schlech­tes Ge­fühl zu ver­mit­teln. Fons Trom­penaars ist so je­mand. Der 60-jäh­ri­ge Öko­nom und Wis­sen­schaft­ler aus Ams­ter­dam hat es sich zur Le­bens­auf­ga­be ge­macht, die Ei­gen­hei­ten von Kul­tu­ren zu er­grün­den und Ma­na­gern auf der gan­zen Welt zu hel­fen, bes­ser über Staats- und Na­tio­na­li­täts­gren­zen hin­weg zu kom­mu­ni­zie­ren. Er ist über­zeugt, dass Men­schen nicht nur von ih­rem di­rek­ten Um­feld, son­dern auch von ih­rer Lan­des­zu­ge­hö­rig­keit maß­geb­lich be­ein­flusst und ge­prägt wer­den.
Geht das über­haupt noch? Sich in Zei­ten der Glo­ba­li­sie­rung, der sich vie­ler­orts ver­wi­schen­den Gren­zen, mul­ti­na­tio­na­len Kon­zer­ne, bi­na­tio­na­len Ehen und trans­na­tio­na­len Ge­mein­schaf­ten mit der Fra­ge zu be­schäf­ti­gen, ob es so et­was wie eine lan­des­s­pe­zi­fi­sche Art der Un­ter­neh­mens­füh­rung gibt? Ein ur­deut­sches Un­ter­neh­men wie Sie­mens ist heu­te in mehr als 190 Län­dern ver­tre­ten, hat nur noch ein knap­pes Drit­tel al­ler Jobs in Deutsch­land an­ge­sie­delt und mit Pe­ter Lö­scher einen Vor­stands­chef, der nicht die deut­sche, son­dern die ös­ter­rei­chi­sche Staats­bür­ger­schaft be­sitzt.
Ge­ra­de dar­in be­steht je­doch der Un­ter­schied zwi­schen Glo­ba­li­sie­rung und Ko­lo­ni­sie­rung: Nur weil in­ter­na­tio­na­le Ko­ope­ra­tio­nen mitt­ler­wei­le zum Stan­dar­dre­per­toire von Un­ter­neh­mern und Po­li­ti­kern ge­hö­ren, wer­den aus den Men­schen und Märk­ten in Ber­lin nicht die­sel­ben wie in Bar­ce­lo­na, ge­nau­so wie sich New York noch im­mer von Neu Del­hi un­ter­schei­det. Die Welt ist nicht fla­cher ge­wor­den, son­dern viel­fäl­ti­ger. Das macht die Sa­che kom­ple­xer, aber auch span­nen­der. Denn wer Un­ter­schie­de ak­zep­tiert, kann viel ler­nen, über an­de­re, aber vor al­lem auch über sich selbst.
Dass un­se­re Hei­mat den in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich nicht scheu­en muss, zeigt ein Blick in die Wirt­schafts­pres­se. Deutsch­land steht im Fo­kus - und das weit über die wie­der­keh­ren­de Kri­tik an An­ge­la Mer­kels Eu­ro­pa­po­li­tik hin­aus. Um nur ei­ni­ge der Ar­ti­kel der ver­gan­ge­nen Mo­na­te zu zi­tie­ren: Das bri­ti­sche Wo­chen­ma­ga­zin „The Eco­no­mist“, sonst eher welt­po­li­tisch un­ter­wegs, er­kor aus­ge­rech­net einen Mit­tel­ständ­ler aus Verl bei Gü­ters­loh, die Beck­hoff Au­to­ma­ti­on, we­gen sei­nes so­li­den Ge­schäfts­ge­ba­rens zum Vor­bild für eine neue Wirt­schafts­welt („What Ger­ma­ny of­fers the world“). Das US-Au­ßen­po­li­ti­k­jour­nal „For­eign Af­fairs“ staun­te über das deut­schen Er­folgs­mo­dell („The Se­crets of Germany's suc­cess: What Europe's ma­nu­fac­tu­ring po­wer­hou­se can te­ach Ame­ri­ca“). Und das in Deutsch­land ge­schei­ter­te, aber im ame­ri­ka­ni­schen Hei­mat­markt nach wie vor er­folg­rei­che Hoch­glanz­re­por­ta­ge-Ma­ga­zin „Va­ni­ty Fair“ schick­te Mi­cha­el Le­wis, einen US-ame­ri­ka­ni­schen Star­fi­nanz­schrei­ber, zu Re­cher­che­zwe­cken gleich auf eine mehr­tä­gi­ge Tour durch Deutsch­land („It's the eco­no­my, Dumm­kopf“), bei der die­ser lau­nig mit Jörg As­mus­sen, dem da­ma­li­gen Staats­se­kre­tär im Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um, par­lier­te, sich über die Über­macht an deut­schen Tou­ris­ten in deut­schen Städ­ten wun­der­te und stau­nend über die eng­li­schen Sprach­fer­tig­kei­ten der Deut­schen aus­ließ („The en­ti­re po­pu­la­ti­on seems to have ta­ken a to­tal-im­mer­si­on Ber­litz cour­se in the last few de­ca­des.“).
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