Vater des Systemdenkens

VORDENKER:

HBM November 2011

Werk und Wir­kung

Sein Plan war es, eine Hoch­schu­le zu re­for­mie­ren - am Ende hat er mit sei­nem An­satz eine gan­ze Zunft zum Um­den­ken ge­bracht. „In wel­chem Ge­schäft be­fin­den wir uns wirk­lich?“, frag­te der St. Gal­ler Pro­fes­sor Hans Mar­tin Ul­rich Mit­te der 60er Jah­re. Die Fra­ge war zwar nicht brand­neu, Pe­ter Dru­cker hat­te sie in den USA ein paar Jah­re zu­vor sinn­ge­mäß for­mu­liert, den­noch wur­de sie in der hie­si­gen Wirt­schaft fast nie ge­stellt. Für eine aka­de­mi­sche In­sti­tu­ti­on war der Blick auf Wett­be­wer­ber und Kun­den ge­ra­de­zu re­vo­lu­tio­när; zu­mal St. Gal­len mit sei­nen rund 1100 Stu­den­ten da­mals eine eher be­schau­li­che Hoch­schu­le war.
Eine neue Leh­re Als Ant­wort auf sei­ne Fra­ge kam der Pro­fes­sor zu dem Schluss, nicht bloß Be­trie­bs­wir­te aus­bil­den zu wol­len - egal wie gut die Aus­bil­dung auch sein moch­te -, ihm schweb­te eine ech­te Ver­bes­se­rung vor, denn sein Ziel war, die Stu­den­ten auf ihre ver­ant­wor­tungs­vol­le Rol­le in den Un­ter­neh­men vor­zu­be­rei­ten. Er woll­te Füh­rungs­kräf­te aus­bil­den - mit­hil­fe ei­ner „sys­te­m­ori­en­tier­ten Ma­na­ge­ment­leh­re“. Da­mit leg­te er den Grund­stein für eine Ma­na­ge­ment­leh­re an eu­ro­päi­schen Hoch­schu­len. Heu­te, fast 50 Jah­re spä­ter, ist Wis­sen­schaft­lern wie Prak­ti­kern der Be­griff des Ma­na­gers ge­läu­fig. Der Ein­fluss der US-ame­ri­ka­ni­schen Hoch­schu­len und Un­ter­neh­men ist all­ge­gen­wär­tig. Da­mals war das noch an­ders. Es wa­ren Be­trie­bs­wir­te oder Kauf­leu­te, die die Be­trie­be be­herrsch­ten. Knut Blei­cher, eme­ri­tier­ter Pro­fes­sor in St. Gal­len, be­schrieb die Pio­nier­ar­beit sei­nes Vor­gän­gers ein­mal wie folgt: „Für mich war der theo­re­ti­sche An­satz von Hans Ul­rich fas­zi­nie­rend und ent­schei­dend: Er for­der­te die Ab­wen­dung von der tra­di­tio­nel­len Be­trach­tungs­wei­se und die Hin­wen­dung zu ei­ner mo­der­nen Ma­na­ge­ment­leh­re. Die Un­ter­neh­men nicht nur als An­ge­bots- und Nach­fra­ge­fak­tor zu be­trach­ten ist ein Quan­ten­sprung der Ent­wick­lung für eine Leh­re vom Ma­na­ge­ment.“ Mit sei­nem 1968 er­schie­ne­nen Haupt­werk „Die Un­ter­neh­mung als pro­duk­ti­ves so­zia­les Sys­tem“ schrieb Hans Ul­rich die neue Rich­tung in der be­trie­bs­wirt­schaft­li­chen For­schung und Leh­re fest, die sich deut­lich von der klas­si­schen BWL ab­grenzt. Die Idee, in Sys­te­men zu den­ken, ent­wi­ckel­te er aus der Sys­temt­heo­rie und der Ky­ber­ne­tik, was so viel wie Steu­er­manns­kunst be­deu­tet: Da­nach sind Fir­men kei­ne blo­ßen Wirt­schafts­sub­jek­te, son­dern In­sti­tu­tio­nen, die dy­na­misch agie­ren und in eine viel­schich­ti­ge Um­welt ein­ge­bun­den sind. Chefs sind kei­ne Ver­wal­ter, son­dern Pro­blem­lö­ser.
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