Mit Komplexität leben lernen

MANAGEMENT:

HBM November 2011

Unter­neh­mens­füh­rung hat sich in den ver­gan­ge­nen 30 Jah­ren grund­le­gend ver­än­dert. Da­bei liegt der we­sent­li­che Un­ter­schied zu frü­her, so glau­ben wir mitt­ler­wei­le, in der Kom­ple­xi­tät, mit der Men­schen um­ge­hen müs­sen.
Kom­ple­xe Sys­te­me hat es na­tür­lich schon im­mer ge­ge­ben - und das Un­wäg­ba­re, Über­ra­schen­de und Un­er­war­te­te ist seit je­her Teil des Wirt­schafts­le­bens. Doch wäh­rend Kom­ple­xi­tät frü­her haupt­säch­lich in­ner­halb großer Sys­te­me, zum Bei­spiel in Städ­ten, zu fin­den war, be­trifft sie in­zwi­schen fast alle Aspek­te des Le­bens: un­se­re täg­li­chen Auf­ga­ben, die Lei­tung von Un­ter­neh­men, die Pro­duk­te, die wir ent­wi­ckeln. Zu­rück­zu­füh­ren ist die­se Kom­ple­xi­tät in ers­ter Li­nie auf die Re­vo­lu­ti­on der In­for­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten. Ur­sprüng­lich ei­gen­stän­di­ge Sys­te­me sind nun mit­ein­an­der ver­knüpft, ver­netzt und so­mit na­tur­ge­mäß kom­ple­xer (sie­he dazu den Kas­ten „Wie Kom­ple­xi­tät Ge­schäfts­mo­del­le sprengt“ ).
Kom­ple­xe Un­ter­neh­men sind deut­lich schwie­ri­ger zu lei­ten als sol­che, die bloß kom­pli­ziert sind. Es ist schwie­ri­ger, Vor­her­sa­gen zu tref­fen, da die Zu­sam­men­ar­beit kom­ple­xer Sys­te­me oft un­er­war­tet ver­läuft. Auch ist es schwie­ri­ger, Zu­sam­men­hän­ge zu be­grei­fen, da der Grad der Kom­ple­xi­tät mög­li­cher­wei­se un­se­re geis­ti­gen Fä­hig­kei­ten über­steigt. Und es ist schwie­ri­ger, ver­läss­lich zu pla­nen, da sich ein kom­ple­xes Sys­tem in Zu­kunft ganz an­ders ver­hal­ten kann als in der Ver­gan­gen­heit. In ei­nem kom­ple­xen Sys­tem sagt der Son­der­fall häu­fig mehr aus als das Durch­schnitt­li­che.
Er­schwe­rend kommt hin­zu, dass un­se­re Ana­ly­se­werk­zeu­ge mit die­ser Kom­ple­xi­tät nicht Schritt ge­hal­ten ha­ben. Ge­mein­sam wis­sen wir eine Men­ge über den Um­gang mit Kom­ple­xi­tät - doch die­ses Wis­sen ist in vie­len Fäl­len nicht zu den Ma­na­gern oder Busi­ness Schools durch­ge­drun­gen, an de­nen die Füh­rungs­kräf­te von mor­gen aus­ge­bil­det wer­den. Wie schaf­fen wir es, die­ses Wis­sen bes­ser zu ver­mit­teln?
Auf der Su­che nach Ant­wor­ten be­fas­sen wir uns zu­nächst ein­mal nä­her mit dem We­sen der Kom­ple­xi­tät, den Pro­ble­men, die sie mit sich bringt, und mög­li­chen Lö­sun­gen.

Kom­plex oder nur kom­pli­ziert?
Die Be­grif­fe „kom­pli­ziert“ und „kom­plex“ wer­den oft mit­ein­an­der ver­wech­selt. Für Ma­na­ger ist es je­doch wich­tig, den Un­ter­schied zu ken­nen. Wer ein kom­ple­xes Un­ter­neh­men so führt, als sei es le­dig­lich kom­pli­ziert, wird schwer­wie­gen­de und auch kost­spie­li­ge Feh­ler be­ge­hen.
Fan­gen wir zur Si­cher­heit mit ein­fa­chen Sys­te­men an. Die­se zeich­nen sich durch ge­rin­ge In­ter­ak­ti­on und zu­ver­läs­si­ge Vor­her­sag­bar­keit aus. Stel­len Sie sich beispiels­wei­se einen Licht­schal­ter vor: die im­mer glei­che Ak­ti­on bringt das im­mer glei­che Er­geb­nis - das Licht geht an oder aus.
Kom­pli­zier­te Sys­te­me ent­hal­ten vie­le be­weg­li­che Ele­men­te, funk­tio­nie­ren je­doch nach be­stimm­ten Mus­tern. Ein kom­pli­zier­tes Sys­tem ist zum Bei­spiel das Strom­netz, über das die Licht­quel­le mit Elek­tri­zi­tät ver­sorgt wird. Dar­in gibt es vie­le mög­li­che Wech­sel­be­zie­hun­gen, doch auch die­se fol­gen in der Re­gel ei­nem Mus­ter. Wie sich ein kom­pli­zier­tes Sys­tem ver­hal­ten wird, lässt sich zu­ver­läs­sig vor­her­sa­gen. Das Steu­ern ei­nes Ver­kehrs­flug­zeugs etwa be­steht aus kom­pli­zier­ten, aber vor­her­seh­ba­ren Schrit­ten und ist in­fol­ge­des­sen eine er­staun­lich si­che­re An­ge­le­gen­heit. Die Um­set­zung ei­nes Six-Sig­ma-Pro­zes­ses kann kom­pli­ziert sein, doch In­put, Me­tho­den und Out­put des Pro­zes­ses las­sen sich re­la­tiv leicht vor­her­sa­gen.
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