„Wir überschätzen uns“

PSYCHOLOGIE:

HBM August 2011

Do­mi­ni­que Strauss-Kahn, Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg, Gui­do Wes­ter­wel­le - sie alle ha­ben in jüngs­ter Zeit auf spek­ta­ku­lä­re Art Macht und Ein­fluss ver­lo­ren. Sie ver­tre­ten die The­se, dass Pro­mi­nen­te ih­ren Er­folg meist selbst rui­nie­ren. Wie das?
SCHOLL Men­schen stre­ben hohe Po­si­tio­nen an, um Macht und Geld zu er­lan­gen. Bei­des er­mög­licht ih­nen, an­ge­neh­me Din­ge im Le­ben zu er­rei­chen und sich zu­gleich un­ab­hän­gig von an­de­ren zu ma­chen. Wir Psy­cho­lo­gen nen­nen Geld und Macht se­kun­däre Ver­stär­ker: Durch eine ein­fluss­rei­che und gut be­zahl­te Po­si­ti­on kann ich mir pri­mä­re Gü­ter wie Häu­ser, An­se­hen, gute Kon­tak­te, schö­ne Ge­gen­stän­de oder gute Rechts­an­wäl­te be­schaf­fen. Man kann Schwie­rig­kei­ten da­mit an­ders über­ste­hen. Das ist er­stre­bens­wert und fühlt sich gut an. An­de­rer­seits ist eine sol­che Po­si­ti­on sehr ver­füh­re­risch, weil Macht leicht zum per­sön­li­chen Vor­teil miss­braucht wird und zum Selbst­zweck ge­rät. Dann wer­den Si­tua­tio­nen ge­sucht, um wei­te­re Macht zu be­kom­men und sie zu ver­tei­di­gen.
Wir alle ge­ra­ten im­mer wie­der in ein Di­lem­ma: Soll ich die In­ter­es­sen an­de­rer ver­let­zen, wenn es mir nützt, oder soll ich auch im bes­ten Sin­ne an­de­rer agie­ren? Das wird teil­wei­se zu­un­guns­ten an­de­rer ent­schie­den; Mäch­ti­ge han­deln so häu­fi­ger, weil sie Kon­trol­le und Re­ak­tio­nen an­de­rer we­ni­ger fürch­ten müs­sen. Sie ma­chen den Feh­ler, ihre Macht zu miss­brau­chen, in dem sie mo­ra­li­sche Gren­zen, Aspek­te der Ge­rech­tig­keit oder der Fair­ness ver­let­zen und an­de­ren Scha­den zu­fü­gen.

Glau­ben Mäch­ti­ge, sie könn­ten es sich auf­grund ih­res Am­tes leis­ten, frei nach dem Prin­zip „Der Zweck hei­ligt die Mit­tel“ zu ent­schei­den?
SCHOLL Glaubt man den The­sen des US-Macht- und Ma­na­ge­ment­for­schers Jeffrey Pfef­fer, der ab und zu einen skru­pel­lo­sen Um­gang mit der Macht für not­wen­dig hält: Ja. Pfef­fer hat trotz al­ler Pro­vo­ka­ti­on in ei­ner Hin­sicht recht: Mit raf­fi­nier­ter Macht­nut­zung kommt man leich­ter nach oben. Doch die Macht ver­mit­telt hoch­ran­gi­gen Per­so­nen die Il­lu­si­on, Din­ge bes­ser als an­de­re im Griff zu ha­ben und die Rea­li­tät bes­ser ein­schät­zen zu kön­nen. Das ist je­doch ein Irr­glau­be. Es kommt statt­des­sen ver­mehrt zu Rea­li­täts­ver­zer­run­gen, ei­ner­seits durch be­schö­ni­gen­de Selbst­recht­fer­ti­gun­gen; an­de­rer­seits, weil sie sich in der Macht­po­si­ti­on we­ni­ger mit ernst zu neh­men­der Kri­tik aus­ein­an­der­set­zen müs­sen und von Un­ter­le­ge­nen wie Geg­nern nichts mehr ler­nen. All un­se­re Stu­di­en ha­ben im­mer wie­der ge­zeigt: Wer sei­ne Macht ge­gen die In­ter­es­sen an­de­rer ein­setzt, lernt we­ni­ger, als wenn bei­der­sei­ti­ge In­ter­es­sen ge­gen­sei­tig re­spek­tiert wer­den .
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