„Beten hilft mir, gut zu führen“

ETHIK:

HBM Juli 2011

Herr Ru­sche, der Ka­pi­ta­lis­mus steckt in der Kri­se. Maß­lo­sig­keit, Gier und feh­len­de Ver­ant­wor­tung ge­gen­über der Ge­sell­schaft ha­ben das Ver­trau­en der Men­schen in die Wirt­schaft er­schüt­tert. Wor­an krankt das Sys­tem?
Ru­sche Der Ver­lust an Glaub­wür­dig­keit, den wir mo­men­tan er­le­ben, hat vor al­lem et­was mit Fehl­ent­wick­lun­gen auf der Ma­kro-Ebe­ne zu tun - also mit den markt­wirt­schaft­li­chen Re­geln, de­nen wir un­ter­lie­gen. Neh­men Sie etwa die Fi­nanz­märk­te, die bis­her nur re­la­tiv la­schen Re­geln un­ter­lie­gen. Wenn wir die so­zia­le Markt­wirt­schaft neu be­le­ben wol­len, müs­sen die Eli­ten in Po­li­tik und Un­ter­neh­men sich wie­der dar­auf be­sin­nen, dass es in der Wirt­schaft um mehr als nur rei­nes Pro­fit­stre­ben geht.

In un­ru­hi­gen Zei­ten wird gern der Ruf nach mehr Wer­ten laut. Ein Un­ter- neh­men exis­tiert aber qua De­fi­ni­ti­on aus ei­nem er­wer­bs­wirt­schaft­li­chen Zweck. Ist es für die Wirt­schaft über­haupt ra­tio­nal, Mo­ral und Ge­winn­stre­ben in Ein­klang zu brin­gen?
Ru­sche Das ist eine Fra­ge der De­fi­ni­ti­on. Der So­zio­lo­ge Max We­ber un­ter­schei­det zwi­schen Wer­tra­tio­na­li­tät und Zweck­ra­tio­na­li­tät. Ich kann ent­we­der mein Han­deln an mei­nen Wer­ten ori­en­tie­ren oder es auf einen Zweck aus­rich­ten. Die deut­sche Be­trie­bs­wirt­schafts­leh­re hat sich klar fest­ge­legt. Ihr geht es nur um einen Zweck: die Ge­winn­ma­xi­mie­rung. Den Ma­na­gern bleibt dann nur fest­zu­le­gen, mit wel­chen Mit­teln sie die­ses Ziel er­rei­chen.
Das ist eine sehr ver­eng­te Sicht von Wirt­schaft und letzt­lich auch vom Men­schen. Ich bin über­zeugt, dass nie­mand da­mit zu­frie­den ist, im­mer nur über die Wahl der rich­ti­gen Mit­tel nach­zu­den­ken. Men­schen wol­len ge­stal­ten, und zwar auch nach ih­ren ganz per­sön­li­chen Wert­vor­stel­lun­gen.

Wer­te sind Mo­den und ge­sell­schaft­li­chen Ein­flüs­sen un­ter­wor­fen. Ein Ziel hat je­doch, ein­mal de­fi­niert, Be­stand. Wäre es im Zeit­al­ter der Glo­ba­li­sie­rung nicht ein­fa­cher, bei der Zweck­ra­tio­na­li­tät von Max We­ber zu blei­ben?
Ru­sche Ein­fa­cher viel­leicht, aber nicht un­be­dingt be­frie­di­gen­der. Die Ge­win­n­ori­en­tie­rung hat letzt­lich den Tur­bo­ka­pi­ta­lis­mus her­vor­ge­bracht. Au­ßer­dem ist es gar nicht so schwie-rig, ge­mein­sa­me Wer­te zu de­fi­nie­ren. Es gibt durch­aus uni­ver­sel­le Wer­te.
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