China gegen den Rest der Welt

GLOBALISIERUNG:

HBM April 2011

In Shang­hai gibt es meh­re­re Kir­chen, in de­nen ge­nau wie in an­de­ren Got­tes­häu­sern über­all in der Welt täg­lich Mes­sen ab­ge­hal­ten wer­den. Ver­ant­wort­lich ist da­für je­doch nicht etwa die rö­misch-ka­tho­li­sche Kir­che, denn die ist in Chi­na ver­bo­ten. Statt­des­sen steht da­hin­ter die vom staat­li­chen Amt für Re­li­gi­ons­an­ge­le­gen­hei­ten ge­grün­de­te Ka­tho­lisch-Pa­trio­ti­sche Ver­ei­ni­gung Chinas.
Das ist ty­pisch für Chi­na: Aus­län­di­sche Or­ga­ni­sa­tio­nen, sei­en es Kir­chen oder Un­ter­neh­men, wer­den to­le­riert, dür­fen aber nur un­ter Auf­sicht des Staa­tes ar­bei­ten. Sie kön­nen Ide­en ins Land brin­gen, wenn die­se Wert zu schaf­fen ver­spre­chen, aber sie müs­sen sich chi­ne­si­schen Zie­len un­ter­ord­nen. Wenn der Wert - oder auch das Ri­si­ko - be­son­ders hoch er­scheint, schafft die Re­gie­rung halb­staat­li­che Or­ga­ni­sa­tio­nen, die sie bes­ser kon­trol­lie­ren kann. Aus­län­der sind im­mer wie­der er­schro­cken über die­ses Vor­ge­hen. Aber ge­nau das ist die Her­an­ge­hens­wei­se der Leu­te, die sich vor­ge­nom­men ha­ben, ein mo­der­nes Chi­na zu schaf­fen.
61 Jah­re nach ih­rer Grün­dung zeigt die Volks­re­pu­blik Chi­na die Zu­ver­sicht ei­ner Na­ti­on, die ihre wirt­schaft­li­che Mid­li­fe-Cri­sis schon hin­ter sich hat. Aus der schwers­ten welt­wei­ten Re­zes­si­on in jün­ge­rer Ver­gan­gen­heit fast un­be­scha­det her­vor­ge­gan­gen, hat sie sich dar­an­ge­macht, ih­ren Sta­tus als eine der wich­tigs­ten Volks­wirt­schaf­ten der Welt zu­rück­zu­ge­win­nen. Die Tage der zwei­stel­li­gen Wachs­tums­ra­ten mö­gen vor­bei sein, aber von 2008 bis 2010 hat Chinas Wirt­schaft pro Jahr um durch­schnitt­lich 9 Pro­zent zu­ge­legt. Im Au­gust 2010 lös­te das Land Ja­pan als zweit­größ­te Volks­wirt­schaft der Welt ab, in die­sem Jahr dürf­te es vor den USA zum größ­ten Gü­ter­pro­du­zen­ten welt­weit wer­den. Da­mit wür­de Chi­na wie­der den Spit­zen­platz ein­neh­men, auf dem es laut His­to­ri­kern in der Zeit vor 1850 be­reits 1500 Jah­re lang ge­stan­den hat­te. Erst mit der zwei­ten in­dus­tri­el­len Re­vo­lu­ti­on muss­te es die Füh­rung an Groß­bri­tan­ni­en ab­ge­ben.
Wäh­rend Chi­na die welt­wei­ten Wirt­schafts­ranglis­ten er­klimmt, wol­len vie­le die Wahr­heit nicht se­hen. Sie glau­ben nicht, dass Chi­na rei­cher wer­den kann als die USA, de­ren Brut­to­in­land­s­pro­dukt (BIP) 2010 ins­ge­samt drei­mal so hoch und pro Kopf so­gar zehn­mal so hoch war. Eben­so wird be­zwei­felt, dass Chi­na die USA in ab­seh­ba­rer Zeit als wich­tigs­te Quel­le für neue Tech­no­lo­gi­en und an­de­re In­no­va­tio­nen ab­lö­sen kann. Aber fast un­be­merkt vom Rest der Welt hat Chi­na in den ver­gan­ge­nen Jah­ren eine neue Pha­se der Ent­wick­lung ein­ge­lei­tet: In al­ler Stil­le und ganz ge­zielt ver­schiebt das Land sei­nen Schwer­punkt von er­folg­rei­cher, aber bes­ten­falls mä­ßig fort­schritt­li­cher Pro­duk­ti­on hin zu ei­ner raf­fi­nier­ten Hight­ech-Wirt­schaft. Das ge­schieht, in­dem Chi­na west­li­che und ja­pa­ni­sche Un­ter­neh­men über­re­det, be­drängt oder so­gar er­presst.
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