Mein Mitarbeiter, mein Patient

GESUNDHEITSMANAGEMENT:

HBM April 2011

Seit 1995 ist der An­teil rau­chen­der Mit­ar­bei­ter bei John­son & John­son (J&J) um mehr als zwei Drit­tel ge­sun­ken. Auch die An­zahl der Be­schäf­tig­ten, die an Blut­hoch­druck oder Be­we­gungs­man­gel lei­den, ging um mehr als die Hälf­te zu­rück. Das sind na­tür­lich be­ein­dru­cken­de Zah­len, aber soll­te das Ma­na­ge­ment ei­nes Un­ter­neh­mens sich wirk­lich um sol­che Din­ge küm­mern? Ja - denn mitt­ler­wei­le weiß man, dass sich eine um­fas­sen­de, stra­te­gisch klu­ge In­ves­ti­ti­on in die so­zia­le, psy­chi­sche und phy­si­sche Ge­sund­heit von Ar­beit­neh­mern tat­säch­lich aus­zahlt. Laut Schät­zun­gen des Top­ma­na­ge­ments von J&J konn­te das Un­ter­neh­men durch sol­che Ge­sund­heits­pro­gram­me im Lauf der ver­gan­ge­nen zehn Jah­re 250 Mil­lio­nen Dol­lar an Ge­sund­heits­aus­ga­ben ein­spa­ren; von 2002 bis 2008 sind für je­den in­ves­tier­ten Dol­lar 2,71 Dol­lar in die Kas­sen des Un­ter­neh­mens zu­rück­ge­flos­sen.
Ge­sund­heits­pro­gram­me gal­ten in der Ver­gan­gen­heit viel­fach als net­tes Ex­tra, aber nicht un­be­dingt als stra­te­gi­sche Not­wen­dig­keit. Doch neue wis­sen­schaft­li­che Er­kennt­nis­se wei­sen in eine ganz an­de­re Rich­tung. An­ge­sichts der Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen und staat­li­chen Zu­schüs­se, die im Rah­men der Re­form des Ge­sund­heits­we­sens in den USA zur­zeit ge­währt wer­den, kön­nen ame­ri­ka­ni­sche Fir­men mit­hil­fe sol­cher Pro­gram­me jetzt ihre enor­men Ge­sund­heits­aus­ga­ben re­du­zie­ren; denn die schie­ßen mit dem de­mo­gra­fisch be­dingt zu­neh­men­den Al­ter ih­rer Be­leg­schaft im­mer wei­ter in die Höhe.
Doch auch un­ab­hän­gig von staat­li­chen Sub­ven­tio­nen kos­ten ge­sun­de Mit­ar­bei­ter ein Un­ter­neh­men we­ni­ger als kran­ke. Das ha­ben Dr. Ri­chard Mi­la­ni und Dr. Carl La­vie be­wie­sen, in­dem sie eine nach dem Zu­falls­prin­zip aus­ge­wähl­te Stich­pro­be von 185 Mit­ar­bei­tern ei­nes Un­ter­neh­mens und de­ren Ehe­part­nern un­ter­such­ten. Die Pro­ban­den lit­ten zwar nicht an ei­ner aku­ten Herz­er­kran­kung, er­hiel­ten aber den­noch kar­dio­lo­gi­sche Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­men und Un­ter­stüt­zung bei Be­we­gungs­übun­gen von ei­nem Ex­per­ten­team. Von den Mit­ar­bei­tern, die zu Be­ginn der Un­ter­su­chung (auf­grund von Kri­te­ri­en wie Kör­per­fettan­teil, Blut­druck und Angst­zu­stän­den) in die Hoch­ri­si­ko­grup­pe ein­ge­stuft wor­den wa­ren, hat­ten 57 Pro­zent nach Ab­schluss des sechs­mo­na­ti­gen Pro­gramms den Sprung in die Grup­pe mit nied­ri­gem Ri­si­ko ge­schafft. Au­ßer­dem wa­ren die Kos­ten für die me­di­zi­ni­sche Be­hand­lung bei den Teil­neh­mern die­ses Pro­gramms im Ver­gleich zum Vor­jahr um 1421 Dol­lar pro Per­son ge­sun­ken. In der Kon­troll­grup­pe lie­ßen sich die­se Ver­bes­se­run­gen nicht be­ob­ach­ten. Mit je­dem in das Pro­gramm in­ves­tier­ten Dol­lar spar­te das Un­ter­neh­men Ge­sund­heits­kos­ten in Höhe von sechs Dol­lar.
Un­se­re ei­ge­nen Er­fah­run­gen wei­sen in die glei­che Rich­tung. Im Jahr 2001 rich­te­te das MD An­der­son Can­cer Cen­ter in sei­ner Ab­tei­lung für Mit­ar­bei­ter­ge­sund­heit eine neue Grup­pe für Ar­beits­un­fall­ver­sor­gung ein. Für die­se Ar­beit wa­ren ein Arzt und eine Pfle­ge­kraft als Fall­ma­na­ger zu­stän­dig. In­ner­halb von sechs Jah­ren gin­gen die Fehl­ta­ge in dem Un­ter­neh­men um 80 Pro­zent zu­rück und die Tage, die für die stu­fen­wei­se Wie­der­ein­glie­de­rung von Mit­ar­bei­tern ins Ar­beits­le­ben auf­ge­wendet wer­den muss­ten, um 64 Pro­zent. Ins­ge­samt be­lie­fen sich die Kos­ten­ein­spa­run­gen (An­zahl der ein­ge­spar­ten Fehl­ta­ge, mul­ti­pli­ziert mit den durch­schnitt­li­chen Ge­halt­s­ta­ri­fen der Mit­ar­bei­ter) auf 1,5 Mil­lio­nen Dol­lar. Die Bei­trä­ge für die Ar­beits­un­fall­ver­si­che­rung, die das Can­cer Cen­ter für sei­ne Mit­ar­bei­ter ab­ge­schlos­sen hat­te, san­ken um 50 Pro­zent.
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