Der twitternde CEO

KOMMUNIKATION:

HBM April 2011

Es war vier Uhr mor­gens vor etwa ei­nem Jahr, als das Te­le­fon klin­gel­te. Ich war auf Ge­schäfts­rei­se im Aus­land, und die ers­te Per­son, die mich an je­nem Mor­gen er­reich­te, war Best Buys Vice Pre­si­dent of Ope­ra­ti­ons. Sie war nicht die letz­te. Das Te­le­fon stand nicht mehr still, und alle An­ru­fer wa­ren in Pa­nik. Die ver­meint­li­che Kri­se, der es zu be­geg­nen galt, hat­te mit mei­nem Twit­ter-Ac­count zu tun. Ich twit­te­re über al­les Mög­li­che, von mei­nen Er­fah­run­gen in Best-Buy-Lä­den über mei­ne Kin­der bis hin zu den Ba­se­ball-Stars der Min­ne­so­ta Twins. Aber an je­nem Mor­gen be­ka­men mei­ne Kol­le­gen und mei­ne da­mals rund 5000 Twit­ter-Fol­lower - mitt­ler­wei­le sind es über 8000 - et­was Un­ge­wöhn­li­ches von mir zu le­sen: „Ich hat­te in letz­ter Zeit jede Men­ge groß­ar­ti­gen Sex, und ich sage Ih­nen auch wa­rum.“ Da­nach folg­te ein Link zu ei­ner We­b­si­te, auf der wohl Po­tenz­pil­len an­ge­bo­ten wur­den. Mein Twit­ter-Kon­to war ge­hackt wor­den.
Die An­ge­le­gen­heit war pein­lich und är­ger­lich. Ich fühl­te mich in mei­ner Pri­vat­sphä­re ver­letzt. Ich hat­te - wie vie­le Men­schen - im­mer ein Kenn­wort be­nutzt, das ich mir ein­fach mer­ken konn­te, weil es auf et­was aus mei­nem Le­ben ba­sier­te. Wer sich Zu­gang zu mei­nem Kon­to ver­schafft hat, ha­ben wir nie her­aus­ge­fun­den, aber es dürf­te auf je­den Fall das letz­te Mal ge­we­sen sein: Nach­dem mir mein Team für In­for­ma­ti­ons­tech­nik (IT) wich­ti­ge Tipps ge­ge­ben hat, ver­wen­de ich jetzt nur noch sorg­fäl­tig kon­stru­ier­te, kryp­ti­sche Kenn­wör­ter, die ich alle drei Wo­chen än­dere. Nie­mand ist gern ein Si­cher­heits­fa­na­ti­ker, aber so kann ich mich wei­ter im In­ter­net be­we­gen.
Der Hacke­r­an­griff war nicht mei­ne ein­zi­ge ne­ga­ti­ve Er­fah­rung mit so­zia­len Me­di­en. Trotz­dem ist mir noch nie in den Sinn ge­kom­men, sie nicht mehr zu nut­zen. Das ist der sprin­gen­de Punkt: So­ci­al Me­dia ist nichts, was ein Ma­na­ger nur ein­mal kurz aus­pro­bie­ren soll­te. Es geht nicht, dass Sie es nur dann ein­set­zen, wenn die Din­ge gut lau­fen. Sie müs­sen so­wohl mit Re­gen als auch mit Son­ne klar­kom­men. Und ich bin über­zeugt, dass die Vor­tei­le die Nach­tei­le über­wie­gen. Ich ver­brin­ge viel Zeit auf Twit­ter und Fa­ce­book und ler­ne dort eine Men­ge. Ich habe di­rek­ten Kon­takt zu Kun­den und Be­schäf­tig­ten. Ich ver­fol­ge Trends und lese Nach­rich­ten, die mir sonst ent­gin­gen. Au­ßer­dem bin ich über­zeugt, dass Best Buy dort sein muss, wo die Kun­den sind. Und das schließt heu­te auch so­zia­le Netz­wer­ke mit ein.
Vie­le CEOs se­hen das an­ders. Sie wür­den sich wun­dern, wie vie­le mei­ner Be­kann­ten - Men­schen, die große Un­ter­neh­men in der gan­zen Welt lei­ten - so­zia­le Netz­wer­ke für eine Mo­de­er­schei­nung hal­ten. Vie­le von ih­nen mei­nen, dass auf Twit­ter und Fa­ce­book nur nutz­lo­ses Ge­schwätz zu fin­den ist. Das stimmt nicht. Wenn ein Un­ter­neh­men oder auch nur des­sen Chef nicht in so­zia­len Netz­wer­ken ver­tre­ten ist, läuft es Ge­fahr, aus der öf­fent­li­chen Dis­kus­si­on zu ver­schwin­den. Das kann mei­nes Er­ach­tens lang­fris­tig töd­lich sein.
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