Feng-shui aus der Provinz

KOLUMNE

HBM Februar 2011

Alle sind neu­er­dings so po­si­tiv, da will ich heu­te mal nör­geln und dar­le­gen, was mir so auf die Ner­ven geht. Un­ter an­de­rem: Ran­kings über krea­ti­ve Städ­te ne­bst den ent­spre­chend selbst­zu­frie­de­nen Kom­men­ta­ren der ört­li­chen Ho­no­ra­tio­ren; Vor­trags­red­ner, die sich vor­geb­lich über An­g­li­zis­men mo­kie­ren, dann aber lis­tig mit der For­mu­lie­rung „ … wie das jetzt auf Neu­deutsch heißt“ den­noch ihre Rede da­mit auf­pols­tern; Ge­sprächs­part­ner, die ihre ge­spiel­te Auf­merk­sam­keit da­durch un­ter­strei­chen, dass sie bei je­der zwei­ten For­mu­lie­rung die­ses sich in­fla­tio­när ver­brei­ten­de und af­fig ge­dehn­te „okee­e­ei­ij“ aus­sto­ßen; Mee­tings über die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kul­tur im Un­ter­neh­men, die mit dem Vor­schlag en­den, dass man eine neue Ver­trau­ens­kul­tur auf­bau­en müss­te; Mee­tings, in de­nen es um den Auf­bau ei­ner Ver­trau­ens­kul­tur im Un­ter­neh­men geht und die mit dem Vor­schlag en­den, eine pro­duk­ti­ve Streit­kul­tur auf­zu­bau­en; Leit­bild-Slo­gans und Mit­tei­lun­gen, die Zah­len be­nut­zen, ins­be­son­de­re 2 und 4, ein­zi­ge Aus­nah­me wäre „T42?“ als Ein­la­dung ei­ner klu­gen Ge­sprächs­part­ne­rin, eine Pau­se ein­zu­le­gen; Be­wer­bungs­ver­fah­ren, in de­nen „Quer­den­ker“ ge­sucht wer­den, die dann aber in As­sess­ment­cen­tern auf ihre Skill-Ma­na­ge­ment-Kenn­zahl­taug­lich­keit ge­prüft wer­den; Ar­beits­grup­pen, die un­ta­len­tier­te Skiz­zen auf Pack­pa­pier als das Er­geb­nis ei­ner „Brown Pa­per Ses­si­on“ adeln; Power-Point-Ka­rao­ke mit Charts im Hin­ter­grund, auf de­nen ge­nau jene Sät­ze ste­hen, die der Vor­tra­gen­de ge­ra­de zum Bes­ten gibt, al­ler­dings viel lang­sa­mer, als die Zu­hö­rer die­se Sät­ze selbst le­sen, und das auch noch mit dem Rücken zum Pu­bli­kum; Ti­tel wie „Nach der Kri­se ist vor der Kri­se“ oder „Nach dem Crash ist vor dem Boom“, über­haupt alle Bü­cher mit dem ab­ge­wetz­ten Wort­spiel, dass nach et­was im­mer auch vor et­was ist, das wis­sen wir selbst, nach­her; Ex­per­ten, die über Chi­na und In­di­en re­den, aber nie über Shang­hai und Ban­ga­lo­re hin­aus­ge­kom­men sind; noch mehr Talks­hows mit den satt­sam be­kann­ten Schwa­dro­neu­ren, die of­fen­bar zu je­dem auch nur er­denk­li­chen The­ma wort­reich nichts zu sa­gen ha­ben; Sät­ze, die mit den Wor­ten „in Zei­ten …“ be­gin­nen und wahl­wei­se mit „… der Glo­ba­li­sie­rung“, „… der Kri­se“ wei­ter­ge­hen; Ana­ly­sen, die uns eine Wis­sens­öko­no­mie pro­phe­zei­en, ohne zu sa­gen, was das ei­gent­lich ist, die­ses „Wis­sen“; die In­fla­ti­on der „Stress­tests“; Se­mi­na­re über Busi­ness-Feng-Shui auf der Grund­la­ge vor­geb-lich Tau­sen­der Jah­re fernöst­li­cher Er­fah­run­gen, dar­ge­bo­ten von Coachs aus der deut­schen Pro­vinz; die Wer­be­un­ter­la­gen in den Spei­se­wa­gen der Deut­schen Bahn, von de­nen mich ein­dring­lich Fern­seh­kö­che be­gu­cken …
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