Die Neuerfindung des Kapitalismus

VERANTWORTUNG:

HBM Februar 2011

Das Sys­tem des Ka­pi­ta­lis­mus steht mas­siv un­ter Druck. Im­mer stär­ker ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren der Ein­druck ent­stan­den, dass die Wirt­schaft zu gu­ten Tei­len für so­zia­le, öko­lo­gi­sche und öko­no­mi­sche Pro­ble­me ver­ant­wort­lich ist. Zu­neh­mend setzt sich die An­sicht durch, dass sie sich auf Kos­ten der Ge­mein­schaft be­rei­chert.
Und es kommt noch schlim­mer: Je stär­ker sich Un­ter­neh­men das Kon­zept der Cor­po­ra­te Re­spon­si­bi­li­ty zu ei­gen ma­chen, de­sto mehr wer­den sie für ge­sell­schaft­li­che Pro­ble­me ver­ant­wort­lich ge­macht. Das An­se­hen von Un­ter­neh­men ist so schlecht wie sel­ten zu­vor. Auch Po­li­ti­ker ver­lie­ren das Ver­trau­en in sie und be­schlie­ßen des­halb Maß­nah­men, die ihre Wett­be­wer­bs­fä­hig­keit ge­fähr­den und ihr Wachs­tumspo­ten­zi­al be­gren­zen. Die Wirt­schaft steckt in ei­nem Teu­fels­kreis.
Zu ei­nem großen Teil sind die Un­ter­neh­men da­für selbst ver­ant­wort­lich. Sie sind ge­fan­gen in ei­nem en­gen und über­hol­ten Ver­ständ­nis von Wert­schöp­fung, das in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten ent­stan­den ist: Sie op­ti­mie­ren ihre kurz­fris­ti­ge Fi­nanz­per­for­man­ce ohne Rück­sicht dar­auf, dass sich an den Märk­ten Bla­sen bil­den, und igno­rie­ren die wich­tigs­ten Be­dürf­nis­se ih­rer Kun­den und wei­te­re Fak­to­ren, die über ih­ren lang­fris­ti­gen Er­folg be­stim­men. Nur so lässt sich er­klä­ren, dass sie das Wohl­er­ge­hen ih­rer Kun­den, das Plün­dern für sie un­ver­zicht­ba­rer Res­sour­cen, die Über­le­bens­fä­hig­keit wich­ti­ger Zu­lie­fe­rer so­wie wirt­schaft­li­che Pro­ble­me in den Ge­mein­schaf­ten, in de­nen sie pro­du­zie­ren und ver­kau­fen, nicht be­ach­ten. Und wie sonst soll­ten sie auf die Idee ge­kom­men sein, dass die Ver­la­ge­rung von Ak­ti­vi­tä­ten an Stand­orte mit im­mer nied­ri­ge­ren Löh­nen eine nach­hal­ti­ge „Lö­sung“ für das Pro­blem der Kon­kur­renz­fä­hig­keit ist? Re­gie­run­gen und Bür­ger­or­ga­ni­sa­tio­nen ver­schär­fen das Pro­blem oft noch, in­dem sie ver­su­chen, so­zia­le Pro­ble­me auf Kos­ten der Un­ter­neh­men zu lö­sen. Der an­ge­nom­me­ne Ziel­kon­flikt zwi­schen wirt­schaft­li­cher Ef­fi­zi­enz und ge­sell­schaft­li­chem Fort­schritt wur­de in Jahr­zehn­ten po­li­ti­scher Ent­schei­dun­gen in­sti­tu­tio­na­li­siert.
In die­ser Si­tua­ti­on wird es für Un­ter­neh­men Zeit, sich an vor­ders­ter Front da­für ein­zu­set­zen, dass sich Wirt­schaft und Ge­sell­schaft wie­der nä­her­kom­men. Das Be­wusst­sein da­für ha­ben klu­ge Un­ter­neh­mens­len­ker und Vor­den­ker schon ent­wi­ckelt, und es sind be­reits viel­ver­spre­chen­de Ele­men­te ei­nes neu­en Mo­dells zu be­ob­ach­ten. Aber es gibt noch kei­nen Ge­sam­t­rah­men, der den un­ter­schied­li­chen Be­mü­hun­gen eine Rich­tung ge­ben könn­te. Statt­des­sen sind die meis­ten Un­ter­neh­men in ei­nem „So­ci­al Re­spon­si­bi­li­ty“-Den­ken ge­fan­gen, in dem ge­sell­schaft­li­che Fra­gen zwar am Rand, nicht aber im Kern eine Rol­le spie­len.
Die Lö­sung liegt im Prin­zip des Sha­red Va­lue (sie­he Kas­ten oben). Da­bei geht es dar­um, wirt­schaft­li­chen Wert auf eine Wei­se zu schaf­fen, die zu­gleich auch Wert für die Ge­sell­schaft schafft, in­dem de­ren Be­dürf­nis­se und Pro­ble­me be­rück­sich­tigt wer­den. Un­ter­neh­men müs­sen den ei­ge­nen Er­folg und ge­sell­schaft­li­chen Fort­schritt wie­der als zu­sam­men­ge­hö­rig be­grei­fen. Sha­red Va­lue ist nicht So­ci­al Re­spon­si­bi­li­ty, Phil­an­thro­pie oder gar Nach­hal­tig­keit, son­dern eine neue Me­tho­de, wirt­schaft­li­chen Er­folg an­zu­stre­ben. Es ist kei­ne Rand­ak­ti­vi­tät von Un­ter­neh­men, son­dern eine zen­tra­le Auf­ga­be. Un­se­rer An­sicht nach kann es die Grund­la­ge für die nächs­te große Trans­for­ma­ti­on im Ma­na­ge­ment-den­ken sein (sie­he Kas­ten Sei­te 62).
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