Management ist keine Profession

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HBM September 2010

In der ge­gen­wär­ti­gen Wirt­schafts­kri­se müs­sen sich Busi­ness Schools viel Kri­tik ge­fal­len las­sen. Der wohl häu­figs­te Vor­wurf lau­tet: In den Stu­dien­gän­gen wird den Un­ter­neh­mens­lei­tern von mor­gen nicht die not­wen­di­ge ge­sell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung ver­mit­telt. Die Fa­kul­tä­ten ha­ben dar­auf mit Maß­nah­men rea­giert, die zu ei­ner grö­ße­ren Pro­fes­sio­na­li­sie­rung füh­ren sol­len. In der Juli-Aus­ga­be 2009 des Har­vard Busi­ness Ma­na­gers ar­gu­men­tiert Joel Po­dolny, frü­he­rer De­kan der Yale School of Ma­na­ge­ment: „Eine Tä­tig­keit darf sich erst dann als Be­rufs­stand, als Pro­fes­si­on, be­zeich­nen, wenn für die Men­schen, die sie aus­üben, ei­ni­ge Ver­hal­tens­re­geln und Idea­le gel­ten - etwa ein un­par­tei­ischer Be­ra­ter zu sein, kei­nen Scha­den an­zu­rich­ten oder dem All­ge­mein­wohl zu die­nen. Eben­so wird eine Busi­ness School erst dann pro­fes­sio­nell, wenn sie ih­ren Ab­sol­ven­ten der­ar­ti­ge Idea­le ver­mit­telt.“
Po­dolny sym­pa­thi­siert in sei­nem Bei­trag mit den Pro­fes­so­ren Ra­kesh Khura­na und Ni­tin Nohria von der Har­vard Busi­ness School (HBS). Die­se plä­dier­ten im Har­vard Busi­ness Ma­na­ger vom Ja­nu­ar 2009 da­für, das Ma­na­ge­ment in die Rie­ge der Pro­fes­sio­nen auf­zu­neh­men: „Für ech­te Pro­fes­sio­nen wie zum Bei­spiel Ärz­te gilt ein Ver­hal­tens­ko­dex. Die Be­deu­tung und die Kon­se­quen­zen die­ses Ko­dex wer­den den Mit­glie­dern des ent­spre­chen­den Be­rufs­stands im Rah­men der Aus­bil­dung ver­mit­telt.“ Den­noch hät­ten Ma­na­ger, so die Au­to­ren, im Ge­gen­satz zu Ärz­ten und An­wäl­ten kei­ne „uni­ver­sel­len und durch­setz­ba­ren Stan­des­re­geln zu be­fol­gen“.
Die­se For­de­run­gen nach ei­ner Pro­fes­sio­na­li­sie­rung sind al­les an­de­re als neu. In der ers­ten Aus­ga­be der „Har­vard Busi­ness Re­view“ (HBR) aus dem Jahr 1922 schrieb HBS-Pro­fes­sor John Gur­ney Cal­lan: „Das Füh­ren ei­nes Un­ter­neh­mens kann (...) als Pro­fes­si­on be­zeich­net wer­den, und es ist da­von aus­zu­ge­hen, dass wir viel Zeit in die Über­le­gun­gen zur Aus­bil­dung der Un­ter­neh­mens­lei­ter der nächs­ten Ge­ne­ra­ti­on ste­cken wer­den.“
A. La­wrence Lo­well, der Prä­si­dent der Har­vard Uni­ver­si­ty, ging in sei­nem für die HBR ver­fass­ten Bei­trag „The Pro­fes­si­on of Busi­ness“ („Un­ter­neh­mens­füh­rung als Pro­fes­si­on“; ge­än­der­te Fas­sung sei­ner Rede vor neu­en Stu­den­ten der HBS) aus dem Jahr 1923 so­gar noch wei­ter. Aus sei­ner Sicht wur­de die Har­vard Busi­ness School ge­grün­det, um Ma­na­ge­ment als ei­gen­stän­di­ge Pro­fes­si­on zu eta­blie­ren.
Ich mei­ne aber, dass das Ma­na­ge­ment kein ei­ge­ner Be­rufs­stand ist und auch nie­mals sein wird. Da­her las­sen sich Busi­ness Schools auch nicht mit an­de­ren Ein­rich­tun­gen ver­glei­chen, an de­nen etwa Ärz­te oder Ju­ris­ten aus­ge­bil­det wer­den. Dar­über hin­aus führt die­ser Weg der Ma­na­ge­raus­bil­dung zu un­an­ge­mes­se­nen Ana­ly­sen und falschen Vor­schrif­ten. Trotz­dem sind pro­fes­sio­nel­le Stan­dards und ethi­sche Grund­sät­ze wün­schens­wert, und der Sta­tus als Pro­fes­si­on gilt si­cher als at­trak­tiv. Wer­fen wir zu­erst einen Blick auf die Be­deu­tung des Be­griffs.
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