Werden die Mitarbeiter gerecht beurteilt?

FALLSTUDIE:

HBM September 2010

Komm her­ein", sag­te Jo­han­nes Min­gus. Er schloss die Tür hin­ter Do­ris Schu­ler. Es war der spä­te Nach­mit­tag des 10. Ja­nu­ar. Min­gus' Büro war spär­lich mö­bliert, ohne per­sön­li­che Ge­gen­stän­de. Auf sei­nem Schreib­tisch la­gen nur we­ni­ge Un­ter­la­gen. Doch die Abend­son­ne, die ge­ra­de un­ter­ging, tauch­te die­sen nüch­ter­nen Ort in ein ro­man­ti­sches Licht. Min­gus, des­sen Ge­sichts­aus­druck nicht zu die­ser Stim­mung pass­te, bot Schu­ler einen Platz am Be­su­cher­tisch an.
„Um of­fen zu sein: Es gibt ein ziem­lich un­an­ge­neh­mes Pro­blem. John ist mit den Be­ur­tei­lun­gen dei­ner Mit­ar­bei­ter nicht ein­ver­stan­den. Er sagt, sie wür­den ein­fach zu gut aus­fal­len - vor al­lem im Ver­gleich zu den noch aus­ste­hen­den Be­wer­tun­gen von Moon.“
Schu­ler war sich nicht si­cher, ob sie rich­tig ge­hört hat­te. „Kannst du mir das bit­te nä­her er­klä­ren? Was meinst du mit 'zu gut' - oder bes­ser ge­sagt, was meint John da­mit?“
John Hicks war CEO des IT-Dienst­leis­ters Core AG in Mün­chen, der vier Mo­na­te zu­vor mit dem ame­ri­ka­ni­schen IT-Dienst­leis­ter Moon fu­sio­niert hat­te. Ge­mein­sam, so war die Hoff­nung, wür­den die bei­den Un­ter­neh­men im in­ter­na­tio­na­len Wett­be­werb be­ste­hen und sich einen großen Teil des Mark­tes für Busi­ness Pro­cess Out­sour­cing und Ap­pli­ka­ti­ons­ma­na­ge­ment si­chern kön­nen - ge­ra­de auch in den USA.
Hicks hat­te frü­her selbst bei Core als Ver­trie­bs­lei­ter ge­ar­bei­tet, be­vor er in die Ge­schäfts­lei­tung von Moon ge­wech­selt war. Nach vier Jah­ren in Phil­adel­phia war er mit der Fu­si­on wie­der zu Core zu­rück­ge­kom­men - dies­mal als CEO des Un­ter­neh­mens. Sei­ne Be­ru­fung war von den Me­di­en sehr po­si­tiv kom­men­tiert wor­den. Den Jour­na­lis­ten schi­en die hemds­är­me­li­ge Art des Deutsch-Ame­ri­ka­ners mit den blau­en Au­gen und dem schnit­ti­gen Bürs­ten­schnitt zu ge­fal­len, und sie gin­gen of­fen­bar da­von aus, dass er das fu­sio­nier­te Un­ter­neh­men in eine er­folg­rei­che Zu­kunft füh­ren wür­de.
Do­ris Schu­ler war zu­stän­dig für Ap­pli­ka­ti­ons- und Out­sour­cing-Pro­jek­te im Be­reich Hu­man Re­sources. Jo­han­nes Min­gus, der die Ge­samt­ver­ant­wor­tung für die Be­rei­che Ap­pli­ka­tio­nen und Busi­ness Pro­cess Out­sour-cing für Lo­gis­tik, Fi­nan­zen und Hu­man Re­sources trug, war ihr di­rek­ter Vor­ge­setz­ter.
Die Ver­ant­wor­tung für die funk­tio­na­len Be­rei­che war aber in ge­wis­ser Wei­se for­ma­ler Na­tur. Kri­ti­sche Ser­vice­pro­jek­te für Groß­kun­den be­tra­fen häu­fig meh­re­re Be­rei­che und Soft­wa­re­mo­du­le. Die Pro­jekt­teams wur­den fle­xi­bel aus Mit­ar­bei­tern al­ler Teams von Core zu­sam­men­ge­stellt und ihre Lei­tung der am bes­ten ge­eig­ne­ten und ver­füg­ba­ren Füh­rungs­kraft un­ter­halb der Ebe­ne von Jo­han­nes Min­gus über­tra­gen.
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