Googles holpriger Gang an die Börse

UNTERNEHMENSFÜHRUNG:

HBM September 2010

Es ist jetzt sechs Jah­re her, aber ich kann mich noch an je­des De­tail un­se­res Gangs an die Bör­se er­in­nern. Ins­ge­samt war es eine ein­zig­ar­ti­ge, eine „Goo­gley“-Er­fah­rung, die noch heu­te viel dar­über sagt, wer wir sind.
Ein Bör­sen­gang kann ein Un­ter­neh­men ver­än­dern. Vie­le Kom­men­ta­to­ren schie­nen sich denn auch si­cher zu sein, dass das Goo­gle-Ethos die­sen Pro­zess nicht über­le­ben wür­de. Ein Bör­sen­gang „wäre mit das Schlimms­te, was Goo­gle pas­sie­ren könn­te“, schrieb zum Bei­spiel der an­ge­se­he­ne Bran­chen­ex­per­te Dan­ny Sul­li­van, Her­aus­ge­ber des Newslet­ters „Search En­gi­ne Watch“. Was es nicht al­les für düs­te­re Be­fürch­tun­gen gab: Wir wür­den ge­spal­ten wer­den in Ha­ben­de und Ha­be­nicht­se, ab­hän­gig von der Zahl der Goo­gle-Ak­ti­en, die wir be­kämen. Die bes­ten Mit­ar­bei­ter wür­den ihre Ak­ti­en schnell zu Geld ma­chen und kün­di­gen. Beim Ver­such, der Wall Street zu ge­fal­len, wür­den wir un­se­re von vie­len ge­schätz­te Ob­jek­ti­vi­tät und Un­ab­hän­gig­keit ver­lie­ren. Die Vor­be­rei­tun­gen für den Bör­sen­gang wür­den uns vom Kern­ge­schäft ab­len­ken und uns un­se­ren tech­ni­schen Vor­sprung kos­ten. Der Te­nor der Be­fürch­tun­gen war im­mer wie­der, dass Goo­gle durch die Ver­wand­lung von ei­nem fle­xiblen jun­gen Start-up zu ei­nem rei­fen bör­sen­no­tier­ten Un­ter­neh­men den be­son­de­ren Geist ver­lie­ren wür­de, der es so in­no­va­tiv ge­macht hat­te.
Nichts da­von ist wirk­lich pas­siert. Im Kern sind wir noch im­mer das­sel­be Un­ter­neh­men wie da­mals. Nie­mand soll­te ei­nem ein­zel­nen Er­eig­nis zu viel Be­deu­tung bei­mes­sen, aber in mei­nen Au­gen ha­ben wir nicht zu­letzt des­halb so er­folg­reich un­se­re Wer­te be­wahrt, weil wir auch für den Bör­sen­gang eine un­ge­wöhn­li­che Stra­te­gie ge­wählt ha­ben. So war dem Bör­sen­pro­spekt ein „Brief von den Grün­dern“ bei­ge­legt. Lar­ry Page und Ser­gey Brin be­gan­nen ihn mit den Wor­ten „Goo­gle ist kein ge­wöhn­li­ches Un­ter­neh­men und soll das auch nicht wer­den.“ Sie warn­ten mög­li­che An­le­ger, dass wir in ris­kan­te Pro­jek­te in­ves­tie­ren wür­den, die ent­we­der ein vol­ler Er­folg wer­den könn­ten - oder sich nie aus­zah­len wür­den. Einen neu­en Weg zu ge­hen führt nicht im­mer zu den bes­ten Er­geb­nis­sen, und er kann ganz schön holp­rig sein. Goo­gles Bör­sen­gang war al­les an­de­re als sanft (sie­he Zeit­leis­te Sei­te 68/69).
Das Un­ter­neh­men war im Jahr 1998 ge­grün­det wor­den, ich selbst stieß drei Jah­re spä­ter dazu. Ob­wohl die Zahl der Be­schäf­tig­ten wie auch die Um­sät­ze stark wuch­sen, hat­ten wir es mit ei­nem Bör­sen­gang nicht be­son­ders ei­lig. Aber schon An­fang 2004 war es so weit, dass wir auf­grund un­se­rer Grö­ße - und weil un­se­re An­ge­stell­ten An­tei­le am wach­sen­den Un­ter­neh­men hat­ten - oh­ne­hin ver­pflich­tet wa­ren, zu­min­dest Fi­nanz­be­rich­te zu ver­öf­fent­li­chen. So will es das Wert­pa­pi­er­recht: So­bald nicht bör­sen­no­tier­te Un­ter­neh­men 500 Ak­tio­näre ha­ben, müs­sen sie über ihre Ge­schäf­te in­for­mie­ren - und zwar spä­tes­tens 120 Tage nach Ende des Jah­res, in dem die Schwel­le über­schrit­ten wur­de.
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