Wege aus der Be­schleu­ni­gungs­fal­le

MOTIVATION I:

HBM Mai 2010

Vom Markt un­ter Druck ge­setzt, hal­sen Ma­na­ger ih­ren Un­ter­neh­men häu­fig mehr auf, als die­se ver­tra­gen: Im­mer schnel­ler steigt die Zahl der Pro­jek­te, Leis­tungs­vor­ga­ben wer­den er­höht, In­no­va­ti­ons­zy­klen ver­kürzt, neue Ma­na­ge­ment­lö­sun­gen und Or­ga­ni­sa­ti­ons­sys­te­me ein­ge­führt. Eine Zeit lang funk­tio­niert das pri­ma, aber all­zu oft möch­ten Fir­men­chefs das ra­san­te Tem­po zum Nor­mal­zu­stand ma­chen. Was als ein­ma­li­ger Leis­tungs­schub be­gann, wird zur chro­ni­schen Über­las­tung.
Mit schlim­men Fol­gen. Das hohe Tem­po de­mo­ti­viert die Mit­ar­bei­ter, und im­mer neue Ak­ti­vi­tä­ten ver­wäs­sern die Aus­rich­tung des Un­ter­neh­mens. Zu­rück blei­ben ver­wirr­te Kun­den und eine an­ge­schla­ge­ne Mar­ke. Wenn die Ma­na­ger mer­ken, dass et­was nicht stimmt, be­kämp­fen sie oft nur die Sym­pto­me, nicht die Ur­sa­che. So in­ter­pre­tie­ren sie etwa die feh­len­de Mo­ti­va­ti­on der Be­schäf­tig­ten als Faul­heit oder un­ge­recht­fer­tig­ten Pro­test, er­hö­hen den Druck und ma­chen al­les nur noch schlim­mer. Er­schöp­fung und Re­si­gna­ti­on durch­zie­hen all­mäh­lich das ge­sam­te Un­ter­neh­men, und die bes­ten Mit­ar­bei­ter wan­dern nach und nach ab. Wir be­zeich­nen die­ses Phä­no­men als Be­schleu­ni­gungs­fal­le.
Eine zu hohe Dreh­zahl scha­det dem Un­ter­neh­men in vie­ler­lei Hin­sicht. Un­se­re Un­ter­su­chun­gen zei­gen, dass Un­ter­neh­men, die im ro­ten Be­reich ar­bei­ten, un­ter an­de­rem bei Er­geb­nis, Ef­fi­zi­enz, Mit­ar­bei­ter­pro­duk­ti­vi­tät und -bin­dung schlech­ter ab­schnei­den als ihre Wett­be­wer­ber. Das Pro­blem ist weit ver­brei­tet, be­son­ders stark in Un­ter­neh­men, in de­nen un­auf­hör­lich die Kos­ten ge­senkt wer­den und Ma­na­ger rund um die Uhr er­reich­bar sein sol­len. Die Hälf­te der 92 Un­ter­neh­men, die wir 2009 un­ter die Lupe nah­men, war auf die eine oder an­de­re Art und Wei­se in die Be­schleu­ni­gungs­fal­le ge­tappt. Und die meis­ten wa­ren sich des­sen über­haupt nicht be­wusst. Das ist die schlech­te Nach­richt. Die gute ist, dass es einen Aus­weg gibt. Un­ter­neh­men kön­nen lang­fris­tig Hoch­leis­tung brin­gen, auch ohne die Mit­ar­bei­ter zu über­las­ten und die Kun­den zu ver­wir­ren. In die­sem Bei­trag zei­gen wir Füh­rungs­kräf­ten, wie sie das Be­schleu­ni­gungs­pro­blem er­ken­nen, ihr Un­ter­neh­men da­von be­frei­en und die Fir­men­kul­tur so ver­än­dern, dass die­ses Pro­blem künf­tig kein The­ma mehr ist.
Ist Ihr Un­ter­neh­men er­schöpft?
Um das Phä­no­men der Be­schleu­ni­gung zu ver­ste­hen, ha­ben wir in den ver­gan­ge­nen neun Jah­ren mehr als 600 Un­ter­neh­men un­ter­sucht. Un­se­re Er­geb­nis­se ma­chen auf er­nüch­tern­de Wei­se deut­lich, wie es in Un­ter­neh­men aus­sieht, die im ro­ten Be­reich ar­bei­ten (einen Schnell­test fin­den Sie im Kas­ten auf Sei­te 32). Bei Ar­beit­ge­bern, die nach un­se­rer De­fi­ni­ti­on voll­stän­dig in der Be­schleu­ni­gungs­fal­le ge­fan­gen wa­ren, sag­ten 60 Pro­zent der be­frag­ten Mit­ar­bei­ter, sie hät­ten nicht aus­rei­chend Res­sour­cen für ihre Ar­beit. Bei Un­ter­neh­men ohne Be­schleu­ni­gungs­pro­blem äu­ßer­ten dies nur 2 Pro­zent. Eine ähn­li­che Ver­tei­lung er­gab sich bei den Aus­sa­gen „Ich ar­bei­te stän­dig un­ter er­höh­tem Zeit­druck“ (80 zu 4 Pro­zent) und „Die Prio­ri­tä­ten mei­nes Un­ter­neh­mens än­dern sich häu­fig“ (75 zu 1 Pro­zent). In Sa­chen Ar­beits­be­las­tung ga­ben in voll­stän­dig ge­fan­ge­nen Un­ter­neh­men 83 Pro­zent der Be­frag­ten an, kein Licht am Ende des Tun­nels zu se­hen, in den an­de­ren wa­ren es nur 3 Pro­zent. Re­gel­mä­ßi­ge Er­ho­lungs­pha­sen ver­miss­ten in Pro­ble­mun­ter­neh­men 86 Pro­zent, in den an­de­ren Fir­men nur 6 Pro­zent der Be­frag­ten.
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