„Qualität kann jeder erkennen“

INTERVIEW:

HBM April 2010

Herr Fahr­ner, für 20 Euro be­kommt man eine Fla­sche gu­ten Wein. Wie viel bes­ser ist ein Wein für 2000 Euro?
FAHR­NER Große Wei­ne ha­ben na­tür­lich einen wirt­schaft­li­chen Wert. Ich ken­ne einen Samm­ler, der den Er­lös aus dem Ver­kauf sei­nes Un­ter­neh­mens in Wein sehr ge­winn­brin­gend in­ves­tiert hat. Es mag auch den einen oder an­de­ren ge­ben, der sich einen teu­ren Wein nur des­halb in den Kel­ler legt, um an­de­re zu be­ein­dru­cken.
Aber der wah­re Reiz ei­nes groß­ar­ti­gen Weins ist doch ein ganz an­de­rer. Für je­den, der ein­mal die Ge­le­gen­heit hat­te, einen sol­chen zu kos­ten - es muss nicht im­mer gleich ein 1961er Bor­deaux sein -, ist dies ein ein­ma­li-ges Er­leb­nis. Et­was, das sich tief in die Fest­plat­te ein­brennt. Die Leu­te er­in­nern sich noch Jah­re spä­ter an das Ge­fühl auf der Zun­ge.
Also ist der Rum­mel um die­se Wei­ne durch­aus ge­recht­fer­tigt?
FAHR­NER Es wird manch­mal zu viel Ge­ha­be um Wein ge­macht. Wein möch­te gar nicht in die­se Ecke ge­stellt wer­den. Wein möch­te Men­schen be­glei­ten bei Hö­he­punk­ten und Tief­punk­ten. Wein möch­te Le­bens­freu­de ge­ben, das ist das Wich­tigs­te. Und Ge­nuss hängt zum Glück kei­nes­falls nur vom Preis ei­nes Weins ab, son­dern von vie­len Fak­to­ren, zum Bei­spiel vom An­lass, von der Um­ge­bung, von der Stim­mung. Ein Pro­sec­co auf ei­ner Gar­ten­par­ty ist si­cher viel pas­sen­der als ein Jahr­gang­scham­pa­gner. Ein ba­di­scher oder Pfäl­zer Grau­bur­gun­der an ei­nem Som­mer­abend kann un­über­treff­lich sein.
Qua­li­tät und Ge­nuss sind also zwei ver­schie­de­ne Din­ge?
FAHR­NER Ge­nau. Ge­nuss wird in ers­ter Li­nie von den Sin­nen de­fi­niert. Der Gau­men und die Nase wer­den mit Aro­mas­tof­fen ge­flu­tet, die den mensch­li­chen Geist in einen an­de­ren Zu­stand ver­set­zen. Ein gu­ter Wein ver­zau­bert. Ich wür­de nicht sa­gen, dass er die Sin­ne be­freit, aber er lenkt den Fo­kus auf et­was an­de­res und er­mög­licht da­durch Re­ge­ne­ra­ti­on. Es ist ein sub­jek­ti­ves, in­di­vi­du­el­les Er­leb­nis.
Die Qua­li­tät ei­nes Weins lässt sich also nicht ob­jek­tiv de­fi­nie­ren?
FAHR­NER Ja und nein. Qua­li­tät im Wein­bau wird si­cher ganz an­ders de­fi­niert als in den Qua­li­täts­ma­na­ge­ment-sys­te­men an­de­rer In­dus­trie­zwei­ge, weil es letzt­lich kei­ne Norm gibt. Wenn ein Wein die amt­li­che Qua­li­täts­prü­fung durch­lau­fen hat, kön­nen Sie ihn mit Si­cher­heit trin­ken, ohne ge­sund­heit­li­che Schä­den da­von­zu­tra­gen. Ob er ein Ge­nuss ist, muss je­der für sich selbst ent­schei­den.
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