Das Zeitalter des Kun­den­ka­pi­ta­lis­mus

WERTEMANAGEMENT I:

HBM März 2010

Der mo­der­ne Ka­pi­ta­lis­mus lässt sich in zwei große Epo­chen un­ter­tei­len: Die ers­te, der Ma­na­ger­ka­pi­ta­lis­mus, be­gann 1932. Zu der Zeit setz­te sich die Auf­fas­sung durch, dass Un­ter­neh­men von pro­fes­sio­nel­len Ma­na­gern ge­führt wer­den soll­ten - für die da­ma­li­ge Zeit eine re­vo­lu­tio­näre Idee. 1976 be­gann mit der zu­neh­men­den Fo­kus­sie­rung auf die Ak­tio­näre die zwei­te große Epo­che, der Share­hol­der-Va­lue-Ka­pi­ta­lis­mus. Des­sen Leit­ge­dan­ke be­sagt, dass der Da­seins­zweck je­des bör­sen­no­tier­ten Un­ter­neh­mens dar­in be­ste­hen müs­se, das Ver­mö­gen der Ak­tio­näre („Share­hol­der“) zu ma­xi­mie­ren. Ver­folgt ein Un­ter­neh­men die­ses Ziel, so die Theo­rie, pro­fi­tier­ten In­ves­to­ren und Ge­sell­schaft glei­cher­ma­ßen. Lei­der ist dies ein tra­gi­scher Irr­tum. Es ist an der Zeit, da­mit auf­zuräu­men und sich auf die drit­te Ära vor­zu­be­rei­ten: das Zeit­al­ter des Kun­den­ka­pi­ta­lis­mus.
Die ers­ten bei­den Epo­chen wur­den von zwei ein­fluss­rei­chen wis­sen­schaft­li­chen Ar­bei­ten ein­ge­läu­tet: 1932 ver­öf­fent­lich­ten Adolf A. Ber­le und Gar­di­ner C. Means ihr le­gen­däres Buch „The Mo­dern Cor­po­ra­ti­on and Pri­va­te Pro­per­ty“. Dar­in pro­pa­gier­ten sie die Tren­nung von Ma­na­ge­ment und Un­ter­neh­mens­ei­gen­tum. Von die­sem Zeit­punkt an do­mi­nier­ten in der Wirt­schaft nicht mehr die Rocke­fel­lers, Mel­lons, Car­ne­gies und Mor­gans die­ser Welt, die Ei­gen­tü­mer und CEO in ei­nem wa­ren. Für die Füh­rung von Un­ter­neh­men hol­te man sich von nun an Per­so­nal. So ent­stand eine neue Gat­tung von pro­fes­sio­nel­len Un­ter­neh­mens­chefs. Die­se Ent­wick­lung müs­se man kei­nes­wegs fürch­ten, er­klär­ten Ber­le und Means; sie sei Teil ei­ner neu­en Ära wirt­schaft­li­chen Wachs­tums (das al­ler­dings auf­grund der Welt­wirt­schafts­kri­se erst ein paar Jah­re spä­ter in Fahrt kam).
Zwar gab es nach wie vor Ei­gen­tü­mer, die ihr Un­ter­neh­men selbst führ­ten, aber die Re­gel war künf­tig der pro­fes­sio­nel­le, an­ge­stell­te Fir­men­chef. Un­ter­neh­mer durf­ten herz­lich gern wei­ter­hin Fir­men grün­den, wa­ren je­doch klug be­ra­ten, wenn sie die Füh­rung ab ei­ner ge­wis­sen Grö­ße bes­ser den Pro­fis über­lie­ßen, die zu­ver­läs­si­ger und we­ni­ger sprung­haft agier­ten.
Das Ende des Ma­na­ger­ka­pi­ta­lis­mus läu­te­ten dann 1976 Mi­cha­el C. Jen­sen und Wil­liam H. Meck­ling mit ih­rem Bei­trag „Theo­ry of the Firm: Ma­na­ge­ri­al Be­ha­vi­or, Agen­cy Costs and Ow­ner­ship Struc­ture“ ein, der zum meist­zi­tier­ten Wirt­schafts­ar­ti­kel al­ler Zei­ten wur­de. In der Ab­hand­lung, die im „Jour­nal of Fi­nan­ci­al Eco­no­mics“ er­schi­en, kri­ti­sier­ten Jen­sen und Meck­ling, dass pro­fes­sio­nel­le Ma­na­ger den Ei­gen­tü­mern ih­res Un­ter­neh­mens kaum Be­ach­tung schenk­ten und nur auf den ei­ge­nen Pro­fit be­dacht sei­en statt auf den der Ak­tio­näre. Dies scha­de nicht nur den In­ves­to­ren, son­dern auch der Volks­wirt­schaft ins­ge­samt, be­klag­ten die Au­to­ren. Ma­na­ger ver­schwen­de­ten die Res­sour­cen der Un­ter­neh­men und der Ge­sell­schaft, um ihre ei­ge­nen Schäf­chen ins Tro­ckene zu brin­gen.
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