Ist der Job eine Nummer zu groß?

FALLSTUDIE:

HBM März 2010

Da­niel Sest­ak warf einen Blick auf den Zei­tungs­ar­ti­kel, des­sen Über­schrift er eben ge­le­sen hat­te, und merk­te, wie sich sei­ne Kopf­schmer­zen ver­schlim­mer­ten. „Nach dem plötz­li­chen Weg­gang von Nu­tri­Se­lect-Chef Mi­cha­el Bo­tolph stellt sich die Fra­ge, ob sein Nach­fol­ger das Zeug hat, das Un­ter­neh­men zu füh­ren“, war dort zu le­sen. „In­si­der arg­wöh­nen, dass der neue CEO, der 43-jäh­ri­ge Da­niel Sest­ak, nicht über ge­nü­gend vi­sio­näre Kraft und Er­fah­rung ver­fügt, um eine zu­kunfts­träch­ti­ge Stra­te­gie zu ent­wi­ckeln.“ Im wei­te­ren Ver­lauf ging der Ar­ti­kel de­tail­liert auf die fi­nan­zi­el­le Lage des Un­ter­neh­mens ein, die sich als deut­lich un­si­che­rer er­wies, als es bis­lang den An­schein er­weckt hat­te.
Ir­gend­je­mand bei Nu­tri­Se­lect hat­te sich of­fen­sicht­lich ent­schlos­sen, schmut­zi­ge Wä­sche in der Öf­fent­lich­keit zu wa­schen, an­statt sich di­rekt an Sest­ak zu wen­den. Eine In­tri­ge hat­te ihm ge­ra­de noch ge­fehlt. Ein der­art fei­ges Vor­ge­hen scha­de­te sei­ner Mei­nung nach auf lan­ge Sicht der Fir­ma.
Sest­ak war re­la­tiv un­ver­hofft im Chef­ses­sel von Nu­tri­Se­lect ge­lan­det. Mit sei­nem her­vor­ra­gen­den Stu­di­en­ab­schluss war es sei­ner­zeit kein Pro­blem ge­we­sen, einen Ein­stiegs­job zu be­kom­men. Der Le­bens­mit­tel­kon­zern Nu­tri­Se­lect stell­te Früh­stücks­flo­cken, Des­serts und Tief­kühl­pro­duk­te her, hier vor al­lem klei­ne Mahl­zei­ten für Sin­gle-Haus­hal­te. Als Sest­ak dort an­fing, galt die Le­bens­mit­tel­bran­che als deut­lich we­ni­ger vor­nehm als die Au­to­schmie­den oder die Stra­te­gie­be­ra­tun­gen, in die es vie­le sei­ner Kom­mi­li­to­nen ver­schla­gen hat­te. Sest­ak stör­te das nicht. Er hat­te er­kannt, dass der Bran­che in­ter­essan­te Ver­än­de­run­gen be­vor­stan­den. Das Ge­sund­heits­be­wusst­sein der Ziel­grup­pe von Nu­tri­Se­lect ge­wann an Be­deu­tung. Es gab in­zwi­schen so­gar eine Ver­brau­cher­or­ga­ni­sa­ti­on, die sich nur mit Le­bens­mit­tel­qua­li­tät aus­ein­an­der­setz­te und die einen Skan­dal nach dem an­de­ren auf­deck­te.
Bei Nu­tri­Se­lect war Sest­ak schnell auf­ge­stie­gen - er war in den High-Po­ten­ti­al-Kreis be­ru­fen wor­den und hat­te nach­ein­an­der Po­si­tio­nen in den Be­rei­chen Stra­te­gie, glo­ba­les Mar­ke­ting und Pro­dukt­ma­na­ge­ment be­klei­det.
Sest­ak setz­te sich viel mit den Trends in der Nah­rungs­mit­tel­in­dus­trie aus­ein­an­der. So war ihm klar ge­wor­den, dass das Un­ter­neh­men die Markt­füh­rer­schaft er­lan­gen konn­te, wenn es sich als se­ri­ö­ser An­bie­ter für Bio­pro­duk­te eta­blier­te. In­ner­halb von vier Jah­ren hat­te Sest­ak die Biospar­te des Un­ter­neh­mens vom Ni­schen­be­reich zu ei­ner äu­ßerst pro­fi­ta­blen Di­vi­si­on wei­ter­ent­wi­ckelt. Die­sem Er­folg war es zu ver­dan­ken, dass der Auf­sichts­rat vor ziem­lich ge­nau sechs Mo­na­ten be­spro­chen hat­te, ihn schritt­wei­se auf die Nach­fol­ge von Micha­el Bo­tolph vor­zu­be­rei­ten. Der ver­trau­li­che Plan des Auf­sichts­rats hat­te vor­ge­se­hen, dass Sest­ak von Bo­tolph wäh­rend ei­nes zwei­jäh­ri­gen Über­gangs­zeit­raums an die Auf­ga­ben her­an­ge­führt wer­den soll­te. So hät­te Sest­ak mehr als ge­nug Zeit ge­habt, im Wind­schat­ten von Bo­tolph in die Auf­ga­be hin­ein­zu­wach­sen, das Ver­trau­en der Mit­ar­bei­ter und des Auf­sichts­rats zu ge­win­nen.
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