Die trauen sich was

UMSTEIGER:

HBM März 2010

Pro­to­kol­le: Brit­ta Dom­ke, Lo­thar Kuhn

Der Ent­wick­ler
Bo­ris Grundl (44) ist quer­schnitts­ge­lähmt - und viel­leicht ge­ra­de des­halb ein ge­frag­ter Ma­na­ge­ment­coach und Red­ner.
Ich habe mich in mei­nem Le­ben gleich zwei­mal neu er­fin­den müs­sen. Das ers­te Mal nach mei­nen Un­fall: Ich war Mit­te 20, ehr­gei­zi­ger Sport­stu­dent, er­folg­rei­cher Ten­nis­s­pie­ler, be­geis­ter­ter Trai­ner. Ich reis­te mit ei­nem Freund durch Me­xi­ko, wir ba­de­ten in ei­nem See im Dschun­gel, ich sprang von ei­nem Fel­sen - und als mich mein Freund im letz­ten Mo­ment aus dem Was­ser zog, wuss­te ich so­fort: Ich bin ge­lähmt. Seit­dem kann ich 90 Pro­zent mei­ner Mus­ku­la­tur nicht mehr be­we­gen. Mein bis­he­ri­ges Le­ben war vor­bei, all mei­ne Plä­ne hat­ten sich er­le­digt.
Statt­des­sen Kran­ken­haus, Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­men, der Roll­stuhl. An­fangs be­nö­tig­te ich 20 Mi­nu­ten, um einen So­cken an­zu­zie­hen. Ich muss­te ler­nen, mei­ne ein­ge­schränk­te Mo­bi­li­tät zu ak­zep­tie­ren. Ich habe dann die Ener­gie, die ich zu­vor in den Sport ge­steckt hat­te, auf mein Den­ken ge­lenkt. Was blieb mir auch üb­rig. Es war eine Rei­se in mich selbst. Ich muss­te mit mei­ner Be­hin­de­rung so gut wie mög­lich zu­recht­kom­men.
Doch das war ein lan­ger Pro­zess. Ich leb­te zwei Jah­re von So­zi­al­hil­fe. Ir­gend­wann habe ich be­grif­fen, dass ich mich auf die 10 Pro­zent mei­nes Kör­pers kon­zen­trie­ren muss, die ich noch be­we­gen kann, und mich nicht mit den 90 Pro­zent be­schäf­ti­gen, die ge­lähmt sind. Dann be­en­de­te ich an der Köl­ner Sport­hoch­schu­le als ers­ter Roll­stuhl­fah­rer ein Stu­di­um, spiel­te Roll­stuhl-Rug­by bei den Pa­ralym­pics und ar­bei­te­te als Han­dels­ver­tre­ter für einen Roll­stuhl­her­stel­ler. Heu­te schaf­fe ich es, mei­ne So­cken in zwei Mi­nu­ten an­zu­zie­hen, ich fah­re Auto, habe eine Frau und zwei Kin­der.
Das zwei­te Mal neu er­fin­den muss­te ich mich, als es mit mei­ner Kar­rie­re als Ma­na­ger nicht mehr wei­ter­ging. Ich hat­te mich im Ver­trieb all­mäh­lich nach oben ge­ar­bei­tet, trotz mei­ner kör­per­li­chen Ein­schrän­kun­gen. Das war nicht leicht ge­we­sen, denn wäh­rend mei­ne Kol­le­gen drei Kun­den be­such­ten, schaff­te ich in der­sel­ben Zeit nur einen. Also muss­te ich bei je­dem ein­zel­nen Be­such mehr be­wir­ken, Qua­li­tät statt Quan­ti­tät zähl­te. Ich habe schnell Kar­rie­re ge­macht, wur­de Pro­dukt­ma­na­ger, spä­ter Mar­ke­ting- und Ver­trie­bs­di­rek­tor in ei­nem Kon­zern.
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