Weniger arbeiten - mehr leisten

WORK-LIFE-BALANCE:

HBM Januar 2010

Für die meis­ten mo­der­nen Wis­sens­ar­bei­ter ist es selbst­ver­ständ­lich ge­wor­den, der Ar­beit al­ler­höchs­te Prio­ri­tät ein­zuräu­men. Vor al­lem Ma­na­ger, In­vest­ment­ban­ker und Un­ter­neh­mens­be­ra­ter sind über­zeugt da­von, dass ein All­zeit-be­reit-Ar­beitsethos un­er­läss­lich ist, wenn sie und ihr Un­ter­neh­men Er­folg ha­ben wol­len.
Die Zah­len spre­chen für sich: Laut ei­ner Um­fra­ge, die wir im Jahr 2008 un­ter 1000 sol­cher Mit­ar­bei­ter durch­führ­ten, ar­bei­ten 94 Pro­zent min­des­tens 50 Stun­den pro Wo­che. Fast die Hälf­te der Be­frag­ten brach­te es so­gar auf mehr als 65 Wo­chen­stun­den. Und da­bei sind die 20 bis 25 Stun­den pro Wo­che noch nicht ein­ge­rech­net, in de­nen die meis­ten von ih­nen ihre Black­ber­rys che­cken, wenn sie nicht im Büro sind. Au­ßer­dem ga­ben die Be­frag­ten an, fast im­mer in­ner­halb ei­ner Stun­de auf die Nach­richt ei­nes Kol­le­gen oder Kli­en­ten zu ant­wor­ten.
Trotz­dem kön­nen Be­ra­ter und an­de­re An­ge­hö­ri­ge der so­ge­nann­ten Pro­fes­sio­nal Ser­vice Firms (also auch In­vest­ment­ban­ker, Wirt­schafts­prü­fer, An­wäl­te und IT-Ex­per­ten) höchs­te An­for­de­run­gen an die Qua­li­tät ih­rer Ar­beit er­fül­len und sich da­bei re­gel­mä­ßi­ge, un­un­ter­bro­che­ne Aus­zei­ten gön­nen. Das zei­gen un­se­re For­schun­gen der ver­gan­ge­nen vier Jah­re in meh­re­ren nord­ame­ri­ka­ni­schen Bü­ros der Un­ter­neh­mens­be­ra­tung Bo­ston Con­sul­ting Group (BCG). Man muss die kol­lek­ti­ve Über­zeu­gung, dass alle Mit­ar­bei­ter stän­dig ver­füg­bar zu sein ha­ben, nur ein­mal in­fra­ge stel­len. Dann zeigt sich sehr rasch, dass die Be­ra­ter sich nicht nur re­gel­mä­ßig frei­neh­men kön­nen, son­dern dass auch die Qua­li­tät ih­rer Ar­beit da­von pro­fi­tiert. Un­se­re Ex­pe­ri­men­te mit ge­plan­ten Aus­zei­ten stie­ßen einen of­fe­ne­ren Dia­log un­ter den Team­kol­le­gen an, was an sich schon von Vor­teil ist. Aber nicht nur das: Die ver­bes­ser­te Kom­mu­ni­ka­ti­on setz­te auch neue, ef­fi­zi­en­te­re und ef­fek­ti­ve­re Ar­beitspro­zes­se in Gang.
Wir be­zeich­nen die vor­her ge­nau fest­ge­leg­ten Zeit­span­nen, die Be­ra­ter sich frei­neh­men muss­ten, als „ge­plan­te Aus­zei­ten“. Die­se kom­men noch zu der Zeit hin­zu, die sie in Pha­sen mit ge­rin­ge­rem Ar­beits­an­fall schon im­mer frei­ge­nom­men ha­ben. Wir leg­ten die ge­plan­ten Aus­zei­ten zu Be­ginn ei­nes Pro­jekts fest und for­der­ten die Mit­ar­bei­ter dazu auf, sich die­se Zei­ten hun­dert­pro­zen­tig frei­zu­hal­ten - sie durf­ten also we­der ihre E-Mails ab­ru­fen noch ih­ren An­ruf­be­ant­wor­ter ab­hö­ren. Die­ses Kon­zept war vie­len Be­ra­tern so fremd, dass wir ei­ni­ge förm­lich dazu zwin­gen muss­ten, sich an ihre Aus­zei­ten zu hal­ten, vor al­lem wenn die­se in Pha­sen ho­her Ar­beits­in­ten­si­tät fie­len. Letzt­end­lich be­gan­nen die Be­ra­ter ihre ge­plan­ten Aus­zei­ten je­doch zu ge­nie­ßen und freu­ten sich dar­auf - vor al­lem als sich her­aus­stell­te, dass da­von auch die Qua­li­tät ih­rer Ar­beit pro­fi­tier­te.
Als die Fol­gen der Re­zes­si­on BCG schmerz­haft tra­fen, hat­ten wir dort schon über zehn mehr­mo­na­ti­ge Aus­zei­t­ex­pe­ri­men­te ge­lei­tet. In die­ser Zeit des wirt­schaft­li­chen Zu­sam­men­bruchs stan­den die Mit­ar­bei­ter von Pro­fes­sio­nal Ser­vice Firms un­ter noch grö­ße­rem Zeit­druck als sonst. Dies be­stä­tigt auch eine un­se­rer Stu­di­en, für die wir kürz­lich 250 Men­schen aus die­ser Be­rufs­grup­pe be­fragt ha­ben: 66 Pro­zent der Um­fra­ge­teil­neh­mer be­rich­te­ten von ver­mehr­tem Druck in ih­rem Ar­beit­sall­tag; bei 36 Pro­zent war so­gar ein deut­lich hö­he­rer Druck zu spü­ren.
Jetzt kaufen
© Harvard Business Manager
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
Inhalt

Abbildungen und Diagramme

Bilder:
0
Infografiken:
0

Textumfang

Seiten:
12
Zeichen:
43.551
Nachdrucknummer:
201001024
Nachdrucke
Nachdrucke in Medien aller Art
Seitenpreise ab 360 Euro je nach Auflage

Nutzungsrechte im PDF-Format
Ohne Fotos und Illustrationen. Für die Verwendung bei betriebsinternen Fortbildungen, Kundenbroschüren, im Intranet und firmeninternen Pressespiegel: Preisberechnung pro Exemplar beziehungsweise pro Nutzer je nach Auflage.

Sonderdrucke
Möglich ab 500 Exemplaren, Preise auf Anfrage.
Ein Beispiel finden Sie hier.

Nachdrucke von Illustrationen
© Harvard Business Manager: Preise auf Anfrage

Alle Preise verstehen sich zuzüglich Mehrwertsteuer und gegebenenfalls Versandkosten.

Für Artikel mit Copyrightvermerk "Harvard Business School Publishing" gelten besondere urheberrechtliche Bedingungen, die wir Ihnen auf Anfrage gern erläutern.
Hier können Sie nach den Lizenz-Bedingungen fragen.

Alle Themen
ANZEIGE
Nach oben