So haben grüne Ge­schäfts­mo­del­le Erfolg

STRATEGIE:

HBM Dezember 2009

Wie kom­men wir von ei­ner auf fos­si­len Brenn­stof­fen ba­sie­ren­den Wirt­schaft zu ei­ner sau­be­ren, ei­ner so­ge­nann­ten Clean­tech-Wirt­schaft auf Grund­la­ge er­neu­er­ba­rer Ener­gi­en? Im Si­li­con Val­ley wim­melt es von Pro­jek­ten auf die­sem Ge­biet, und ehr­gei­zi­ge Ide­en aus der Po­li­tik ma­chen die Run­de. Die US-Re­gie­rung um Ba­rack Oba­ma will mehr als 100 Mil­li­ar­den Dol­lar für nach­hal­ti­ge Tech­nik be­reit­stel­len, Chi­na 200 Mil­li­ar­den, die G-20-Na­tio­nen zu­sam­men 400 Mil­li­ar­den. Al­lein in den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren ha­ben Wag­nis­ka­pi­tal­ge­ber welt­weit gut 20 Mil­li­ar­den Dol­lar in Clean­tech-Un­ter­neh­men in­ves­tiert.
Bis­lang al­ler­dings geht der Lö­wen­an­teil die­ser In­ves­ti­tio­nen in Un­ter­neh­men mit kon­ven­tio­nel­len Ge­schäfts­mo­del­len - sau­be­re Tech­nik soll in be­ste­hen­de Sys­te­me in­te­griert wer­den. Doch lei­der, so zeigt die Ge­schich­te, funk­tio­niert das meis­tens nicht. Es ist kei­ne Über­ra­schung, dass Start-ups Schwie­rig­kei­ten be­kom­men, wenn sie mit alt­ein­ge­ses­se­nen Spie­lern auf eta­blier­ten Märk­ten kon­kur­rie­ren müs­sen. Durch dis­rup­ti­ve Markt­kräf­te wird sau­be­re Tech­nik die fos­si­len Brenn­stof­fe mög­li­cher­wei­se in vie­len Jah­ren ab­lö­sen, so wie der PC die Groß­rech­ner ver­drängt hat (sie­he Kas­ten Sei­te 33). Wenn wir nicht so lan­ge war­ten wol­len, müs­sen wir ge­zielt einen grund­le­gen­den Wan­del in un­se­rer Ener­gie­ver­sor­gung an­sto­ßen.
Kei­ne Fra­ge: Das ist ein ehr­gei­zi­ges An­sin­nen, das Den­ken im ganz großen Rah­men er­for­dert. Der Schlüs­sel zum Er­folg, so glau­ben wir, liegt in ei­ner wich­ti­gen Er­kennt­nis. Bei ei­nem be­deut­sa­men Wan­del in der In­fra­struk­tur geht es nicht dar­um, Tech­nik durch an­de­re Tech­nik zu er­set­zen. Statt­des­sen tre­ten Sys­te­me an die Stel­le von Sys­te­men.
Vor­bild Edi­son
Vor etwa ei­nem Jahr­hun­dert, bei der Ein­füh­rung der Glüh­bir­ne, er­kann­te Tho­mas Edi­son die sys­te­mi­sche Na­tur tech­ni­scher Trans­for­ma­tio­nen. Ihm war klar, dass sei­ne Er­fin­dung - so in­no­va­tiv sie auch war - die Pe­tro­le­um­be­leuch­tung nicht aus ei­ge­ner Kraft wür­de ver­drän­gen kön­nen. Statt zu fra­gen „Wie löse ich das tech­ni­sche Pro­blem, eine Glüh­bir­ne zu er­fin­den?“, über­leg­te Edi­son, wie er Kun­den dazu brin­gen konn­te, von Pe­tro­le­um zu Strom zu wech­seln. Er ver­stand, dass elek­tri­sches Licht trotz sei­ner vie­len Vor­tei­le Pe­tro­le­um nur dann er­set­zen wür­de, wenn es ein ei­ge­nes, wirt­schaft­lich kon­kur­renz­fä­hi­ges Netz­werk da­für gab.
Wäh­rend also rund um die Welt vie­le Men­schen ver­such­ten, funk­ti­ons­fä­hi­ge Glüh­bir­nen zu ent­wi­ckeln, er­dach­te Edi­son ein voll funk­ti­ons­fä­hi­ges Sys­tem. Zu sei­ner tech­ni­schen Platt­form ge­hör­ten Ge­ne­ra­to­ren, Zäh­ler, Über­tra­gungs­lei­tun­gen und Tra­fo­sta­tio­nen; da­bei er­mit­tel­te er, wie die­se Kom­po­nen­ten tech­nisch zu­sam­men­wir­ken soll­ten und wie sie sich zu ei­nem pro­fi­ta­blen Ge­schäft kom­bi­nie­ren lie­ßen. Die Wis­sen­schaft­ler wa­ren bis da­hin meist da­von aus­ge­gan­gen, dass sich Glüh­fä­den mit ge­rin­gem Wi­der­stand am bes­ten für Glüh­bir­nen eig­ne­ten, weil bei ih­nen we­ni­ger Ener­gie in Form von Hit­ze ver­lo­ren ging. Edi­son aber war der An­sicht, dass elek­tri­sches Licht ge­gen­über Pe­tro­le­um­lam­pen nur dann kon­kur­renz­fä­hig war, wenn mög­lichst we­nig Kup­fer für die Stro­m­über­tra­gung be­nö­tigt wur­de. Um ge­nug Strom über dün­ne Dräh­te trans­por­tie­ren zu kön­nen, ist eine hin­rei­chend hohe Span­nung er­for­der­lich - und die wie­der­um ver­langt nach Glüh­fä­den mit ho­hem Wi­der­stand.
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