Führung neu definieren

UNTERNEHMENSKULTUR:

HBM Oktober 2009

Hin­ter der ak­tu­el­len Wirt­schafts­kri­se ver­birgt sich eine wei­te­re Kri­se von noch grö­ße­rem Aus­maß: der Ver­lust des Ge­mein­schafts­sinns in Un­ter­neh­men. Im­mer sel­te­ner füh­len sich die Mit­ar­bei­ter et­was Grö­ße­rem zu­ge­hö­rig und set­zen sich da­für ein. Durch ein Ma­na­ge­ment, das ins­be­son­de­re in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten jahr­zehn­te­lang auf kurz­fris­ti­ge Ge­win­ne aus­ge­rich­tet war, wur­de der Po­si­ti­on des CEOs ein über­trie­ben ho­her Stel­len­wert zu­ge­wie­sen, wäh­rend an­de­re Be­schäf­tig­te im Un­ter­neh­men zu aus­tausch­ba­ren Fi­gu­ren her­ab­ge­wür­digt wur­den - zu Hu­m­anres­sour­cen, die je­der­zeit bei Ein­bruch des Ak­ti­en­kur­ses „ab­ge­baut“ wer­den konn­ten. Die Fol­ge die­ser Ein­stel­lung wa­ren un­über­leg­te, leicht­fer­ti­ge Ver­hal­tens­wei­sen, die letzt­lich die Welt­wirt­schaft zu Fall brach­ten.
Doch nun ist es mit staat­li­chen Kon­junk­tur­pro­gram­men und der Ret­tung der größ­ten und am här­tes­ten be­trof­fe­nen Kon­zer­ne al­lein nicht ge­tan. Un­ter­neh­men müs­sen ihre Mit­ar­bei­ter wie­der für sich ein­neh­men. So­wohl in der Un­ter­neh­mens- als auch in der Per­so­nal­füh­rung ist ein Um­den­ken er­for­der­lich.
Das Sub­pri­me-Hy­po­the­ken­pro­blem ist hier­für das bes­te Bei­spiel. Wie konn­te es über­haupt erst ent­ste­hen? Und wes­halb konn­te es auf so vie­le erst­klas­si­ge Fi­nan­z­in­sti­tu­te über­grei­fen? Die Ant­wor­ten schei­nen auf der Hand zu lie­gen. Jene, die die­se Hy­po­the­ken an­prie­sen, woll­ten da­durch mög­lichst schnell die Um­sät­ze in die Höhe trei­ben, um selbst mög­lichst hohe Prä­mi­en zu kas­sie­ren - ohne Rück­sicht auf die Kon­se­quen­zen. Und die Fi­nan­z­in­sti­tu­te, die die Hy­po­the­ken er­war­ben, un­ter­stan­den kei­nem ver­nünf­ti­gen Ma­na­ge­ment. Vie­le ih­rer Ma­na­ger hat­ten sich einen mitt­ler­wei­le in den USA weit­ver­brei­te­ten Füh­rungs­stil an­ge­eig­net: Sie sa­ßen in ih­ren Bü­ros und ver­kün­de­ten die Zie­le, die an­de­re in ih­rem Na­men er­rei­chen soll­ten, an­statt selbst ak­tiv zu wer­den und zur Ver­bes­se­rung der Un­ter­neh­mens­leis­tung bei­zu­tra­gen. Die Ma­na­ger wuss­ten nicht, was vor sich ging, und die Mit­ar­bei­ter küm­mer­ten sich nicht dar­um. Welch ein gran­dio­ses Ver­sa­gen des Ma­na­ge­ments.
Die­ses Ver­sa­gen war über­all in der Pri­vat­wirt­schaft und im öf­fent­li­chen Sek­tor zu be­ob­ach­ten, wenn auch in un­ter­schied­li­chem Aus­maß. Heu­te herrscht vie­ler­orts die Über­zeu­gung vor, dass Füh­rung, im Sin­ne von Lea­der­ship, nicht nur los­ge­löst von Ma­na­ge­ment zu be­trach­ten sei, son­dern dass sie auch et­was Hö­he­res sei als Ma­na­ge­ment. Die­se Sicht­wei­se hat je­doch le­dig­lich zur Fol­ge, dass Men­schen in Füh­rungs­po­si­tio­nen iso­liert wer­den, wo­durch wie­der­um der Ge­mein­schafts­sinn im Un­ter­neh­men un­ter­gra­ben wird.
Ge­mein­schaf­ten in Ak­ti­on
In­di­vi­dua­lis­mus ist eine schö­ne Idee. Er schafft An­rei­ze, för­dert Füh­rer­schaft und er­mu­tigt zur Wei­ter­ent­wick­lung - al­ler­dings nicht ohne das Zu­tun wei­te­rer Fak­to­ren. Wir sind so­zia­le We­sen, die sich ohne ein über­ge­ord­ne­tes So­zi­al­ge­fü­ge nicht ef­fek­tiv ent­fal­ten kön­nen. Das ist mit dem Be­griff Ge­mein­schaft ge­meint: der so­zia­le Kitt, der uns zum Woh­le des großen Gan­zen zu­sam­men­hält. Den­ken Sie nur an die enor­me Ener­gie, die durch das in Ba­rack Oba­mas Wahl­kam­pa­gne herr­schen­de, sehr star­ke Ge­mein­schafts­ge­fühl frei­ge­setzt wur­de.
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