„Kopieren zu verteufeln ist Heuchelei“

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HBM Oktober 2009

Mr. Doc­to­row, Ihr Kol­le­ge Fre­de­rik Pohl hat ein­mal ge­sagt, dass Science-Fic­ti­on-Au­to­ren nicht das Au­to­mo­bil vor­aus­sa­gen, son­dern den Ver­kehrs­stau.
DOC­TO­ROW Das ist wirk­lich eine sehr in­ter­essan­te Sicht­wei­se, die er da ein­nimmt; denn ich glau­be nicht, dass Science-Fic­ti­on-Au­to­ren die Zu­kunft vor­aus­sa­gen. In un­se­rem Gen­re ging es schon im­mer um die Ge­gen­wart, auch wenn sie in fu­tu­ris­ti­schem Ge­wand da­her­kommt. Wir ver­su­chen in un­se­ren Ge­schich­ten die Aus­wir­kun­gen der Tech­nik auf die Ge­sell­schaft (und um­ge­kehrt) zu the­ma­ti­sie­ren. Mary Shel­ley, die Au­to­rin von „Fran­ken­stein“, hat mit ih­rem Ro­man ja schließ­lich auch nicht pro­phe­zeit, dass wir in Zu­kunft Men­schen aus Lei­chen er­schaf­fen und mit ei­nem Blitz zum Le­ben er­we­cken wer­den. Sie woll­te uns viel­mehr sa­gen, dass wir ei­nes Ta­ges viel­leicht nicht mehr Meis­ter, son­dern Skla­ven un­se­rer ei­ge­nen Tech­nik sein könn­ten. Mit Zu­kunfts­vor­aus­sa­gen hat das ei­gent­lich nichts zu tun. Mary Shel­ley mach­te sich eher Sor­gen um die Ge­gen­wart.
Und was raubt Ih­nen in un­se­rer Ge­gen­wart den Schlaf?
DOC­TO­ROW Ich bin be­un­ru­higt dar­über, wie die Re­gie­run­gen Tech­nik im so­ge­nann­ten Krieg ge­gen den Ter­ro­ris­mus ein­set­zen. In mei­nem neues­ten Ro­man „Litt­le Bro­t­her“ geht es um jun­ge Ha­cker in San Fran­cis­co, die der US-Be­hör­de für Hei­mat­schutz den Krieg er­klä­ren, weil die­se nach ei­nem ter­ro­ris­ti­schen An­schlag auf die Stadt mit über­trie­ben schar­fen Über­wa­chungs­maß­nah­men ge­gen die Be­völ­ke­rung vor­geht. Die jun­gen Leu­te sind zu­fäl­lig zur falschen Zeit am falschen Ort, ge­ra­ten in Ver­dacht, Ter­ro­ris­ten zu sein, wer­den il­le­ga­ler­wei­se in­haf­tiert und ge­fol­tert. Das Buch ver­an­schau­licht Ka­pi­tel für Ka­pi­tel, was an den tech­ni­schen Sys­te­men, die wir ent­wi­ckelt ha­ben, al­les nicht stimmt, und zeigt, wie leicht ein Bür­ger die­se Tech­no­lo­gi­en au­ßer Ge­fecht set­zen kann. Der Ro­man will jun­ge Men­schen dazu er­mu­ti­gen, sich Kon­trol­le über die Tech­nik zu ver­schaf­fen, um für ihre Frei­heit im 21. Jahr­hun­dert zu kämp­fen.
In Ge­or­ge Or­wells Ro­man „1984“ ist die Haupt­fi­gur Win­ston am Ende ein ge­bro­che­ner Mann. Ihr w1n5t0n (Ha­cker-Schreib­wei­se für Win­ston) da­ge­gen geht sieg­reich aus sei­nem Kampf her­vor. Wa­rum die­se Ab­wei­chung von Or­well?
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