Die neuen Spieler im globalen Wettbewerb

WELTWIRTSCHAFT:

HBM Oktober 2009

Der Wett­be­werb in den Schwel­len­län­dern hat sich intensiviert:Westliche Un­ter­neh­men müs­sen wei­ter­hin in den Schwel­len­län­dern in­ves­tie­ren:
WELT­WIRT­SCHAFT: Von Anand P. Ra­man
Der ein­fluss­rei­che ame­ri­ka­ni­sche His­to­ri­ker Fre­de­rick Jack­son Tur­ner er­klär­te im Jahr 1893, dass eine Gren­ze nicht ein­fach nur eine De­mar­ka­ti­ons­li­nie sei; sie ste­he viel­mehr auch für die An­pas­sungs­pro­zes­se, die den Men­schen und ih­ren In­sti­tu­tio­nen durch ihre Ver­schie­bun­gen auf­ge­zwun­gen wür­den. Der da­mals jun­ge Pro­fes­sor aus Wis­con­sin be­schrieb da­mit die Rol­le, wel­che die Gren­ze drei Jahr­hun­der­te lang bei der Ent­ste­hung der ame­ri­ka­ni­schen Na­ti­on ge­spielt hat, aber sei­ne The­se trifft auch auf die mo­der­ne Wirt­schaft zu. Weil die Ent­wick­lungs­län­der ihre Wirt­schaft für aus­län­di­sche An­bie­ter ge­öff­net ha­ben, ha­ben sich im Lauf der ver­gan­ge­nen drei Jahr­zehn­te die Gren­zen der Un­ter­neh­mens­welt stän­dig ver­än­dert. Als Fol­ge da­von hat­ten mul­ti­na­tio­na­le Un­ter­neh­men un­kon­trol­lier­tes Wachs­tum, in­ten­si­ven Wett­be­werb, zu­neh­men­de Kom­ple­xi­tät und einen stän­di­gen Wan­del zu be­wäl­ti­gen.
Zwar ha­ben die west­li­chen Un­ter­neh­men dar­aus ge­lernt, aber den­noch wa­ren sie kaum auf die der­zei­ti­ge große Re­zes­si­on und de­ren Aus­wir­kun­gen auf die Glo­ba­li­sie­rung vor­be­rei­tet. Der welt­wei­te Ab­schwung scha­det den In­dus­trie­staa­ten mehr als den Schwel­len­län­dern. Doch nicht nur das: Er hat für die Schwel­len­län­der auch an­ders­ar­ti­ge Fol­gen und ver­än­dert ihre welt­wirt­schaft­li­che Rol­le grund­le­gend. Wenn die Tal­fahrt be­en­det sein wird, wird sich die Gren­ze er­neut auf un­er­war­te­te Wei­se ver­scho­ben ha­ben.
Die Kri­se er­zwingt Ver­än­de­run­gen auf drei Ebe­nen. Ers­tens ge­win­nen die Märk­te in den Ent­wick­lungs­län­dern an Ge­wicht. Den Wid­rig­kei­ten trot­zend, wer­den sie 2009 al­ler Wahr­schein­lich­keit nach um ins­ge­samt 1,6 Pro­zent wach­sen. Die­se Pro­gno­se er­gibt sich, wenn man den Wachs­tums­schät­zun­gen des In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds vom April 2009 folgt, die sich für Chi­na auf 6,5 Pro­zent, für In­di­en auf 4,5 Pro­zent und für den Na­hen Os­ten auf 2,5 Pro­zent be­lau­fen. Zwar hat sich das Wachs­tum­stem­po der Wirt­schaft in den Schwel­len­län­dern er­heb­lich ver­lang­samt - im Jahr 2008 hat­te es noch ful­mi­nan­te 6,1 Pro­zent be­tra­gen -, doch an­ge­sichts der Vor­aus­sa­ge des IWF, dass die ent­wi­ckel­ten Öko­no­mi­en 2009 um 3,8 Pro­zent schrump­fen wer­den, ist es nach wie vor be­mer­kens­wert. „Die Schwel­len­län­der wer­den nach der Re­zes­si­on einen grö­ße­ren An­teil an der welt­wei­ten Pro­duk­ti­on be­strei­ten als zu­vor“, schluss­fol­gert An­to­i­ne van Agt­ma­el, Lei­ter der In­vest­ment­fir­ma Emer­ging Mar­kets Ma­na­ge­ment. „Das wird sie noch at­trak­ti­ver ma­chen.“
Zwei­tens ge­stal­ten die Re­gie­run­gen das Pro­fil der wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung um, in­dem sie das Wachs­tum durch geld- und fis­kal­po­li­ti­sche Maß­nah­men schü­ren. Das gilt vor al­lem für die chi­ne­si­sche Re­gie­rung und ihr im No­vem­ber 2008 an­ge­kün­dig­tes 586 Mil­li­ar­den US-Dol­lar schwe­res Pa­ket zur An­kur­be­lung der Wirt­schaft. Mit die­sem Pro­gramm be­ein­flusst der chi­ne­si­sche Staat die Nach­fra­ge und das An­ge­bot in zehn Bran­chen, die ins­ge­samt 50 Pro­zent zum chi­ne­si­schen Brut­to­in­land­s­pro­dukt bei­steu­ern. Bei­spiels­wei­se um­fas­sen die im März 2009 be­schlos­se­nen För­der­maß­nah­men der Re­gie­rung für die Au­to­mo­bil­in­dus­trie eine 50-pro­zen­ti­ge Sen­kung der Um­satz­steu­er auf Fahr­zeu­ge mit ei­nem Hub­raum von we­ni­ger als 1600 Ku­bik­zen­ti­me­tern, was die Nach­fra­ge nach klei­nen und ver­brauchs­ar­men Fahr­zeu­gen an­re­gen soll. Her­stel­ler, die sol­che Fahr­zeu­ge nicht an­bie­ten oder die sich ge­ne­rell auf die Pro­duk­ti­on grö­ße­rer Au­to­mo­bi­le kon­zen­trie­ren, ge­ra­ten da­durch ins Hin­ter­tref­fen.
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