„Bei Männern wird kaum nach der Qualifikation gefragt“

GESPRÄCH:

HBM Juli 2009

Frau Schulz-Stre­low, in Nor­we­gen müs­sen Auf­sichts­rä­te bör­sen­no­tier­ter Un­ter­neh­men seit 2008 eine Frau­en­quo­te von 40 Pro­zent er­fül­len - was mitt­ler­wei­le lan­des­weit um­ge­setzt ist. Sie for­dern mit Ih­rem Ver­ein „Frau­en in die Auf­sichts­rä­te“ (Fi­dAR) für Deutsch­land eben­falls eine Quo­te, al­ler­dings nur von 25 Pro­zent. Fehlt Ih­nen der Mut zu mehr?
SCHULZ-STRE­LOW Na­tür­lich ist un­se­re lang­fris­ti­ge Vi­si­on die pa­ri­tä­ti­sche Be­set­zung, also ein An­teil von je­weils 50 Pro­zent Frau­en und Män­nern in Auf­sichts­rä­ten. Aber ich den­ke lie­ber in mach­ba­ren Schrit­ten als in Vi­sio­nen, die ich wahr­schein­lich nicht mehr er­le­ben wer­de. Und weil ich gern ir­gend­wann die Früch­te mei­ner Ar­beit se­hen möch­te, sind 25 Pro­zent der ers­te not­wen­di­ge und mach­ba­re Schritt. Au­ßer­dem klingt das nicht so er­schre­ckend wie 40 Pro­zent.
Sie wol­len die Män­ner also mit Ih­rer For­de­rung nicht all­zu sehr er­schre­cken?
SCHULZ-STRE­LOW Ja, denn wir brau­chen auch die Män­ner auf un­se­rer Sei­te. Bei den Fi­dAR-Dis­kus­si­ons­run­den im vo­ri­gen Jahr wa­ren aus­schließ­lich Frau­en an­we­send. Heu­te la­den wir be­wusst auch Män­ner dazu ein.
In­ter­essan­ter­wei­se war es in Nor­we­gen ein Mann, Wirt­schafts­mi­nis­ter Ans­gar Ga­bri­el­sen, der hand­streich­ar­tig die Frau­en­quo­te ver­kün­de­te, ohne lan­ge dar­über zu dis­ku­tie­ren. Brau­chen wir in Deutsch­land wo­mög­lich auch so einen Pau­ken­schlag - und so einen Mann?
SCHULZ-STRE­LOW Wa­rum nicht? Wenn ein Mann das for­dert, hat das er­fah­rungs­ge­mäß eine ganz an­de­re Wir­kung, als wenn sich bei­spiels­wei­se Frau von der Leyen für die Quo­te ein­setz­te. Das wür­de ganz schnell die Träg­heit aus der po­li­ti­schen Dis­kus­si­on neh­men. Na­tür­lich gäbe es eine Men­ge Rei­bung, wenn die Un­ter­neh­men das Ge­setz um­set­zen müss­ten. Aber wir müss­ten nicht dau­ernd die grund­sätz­li­che Not­wen­dig­keit ei­ner Quo­te er­klä­ren. Wenn wir dar­auf war­ten, dass sich Ver­än­de­run­gen or­ga­nisch ent­wi­ckeln, dau­ert es ein­fach un­end­lich lan­ge.
Jetzt kaufen
© Harvard Business Manager
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
Inhalt

Abbildungen und Diagramme

Bilder:
0
Infografiken:
0

Textumfang

Seiten:
4
Zeichen:
15.192
Nachdrucknummer:
200907010
Nachdrucke
Nachdrucke in Medien aller Art
Seitenpreise ab 360 Euro je nach Auflage

Nutzungsrechte im PDF-Format
Ohne Fotos und Illustrationen. Für die Verwendung bei betriebsinternen Fortbildungen, Kundenbroschüren, im Intranet und firmeninternen Pressespiegel: Preisberechnung pro Exemplar beziehungsweise pro Nutzer je nach Auflage.

Sonderdrucke
Möglich ab 500 Exemplaren, Preise auf Anfrage.
Ein Beispiel finden Sie hier.

Nachdrucke von Illustrationen
© Harvard Business Manager: Preise auf Anfrage

Alle Preise verstehen sich zuzüglich Mehrwertsteuer und gegebenenfalls Versandkosten.

Für Artikel mit Copyrightvermerk "Harvard Business School Publishing" gelten besondere urheberrechtliche Bedingungen, die wir Ihnen auf Anfrage gern erläutern.
Hier können Sie nach den Lizenz-Bedingungen fragen.

Alle Themen
ANZEIGE
Nach oben