Sind wir zu lustig für die Krise

FALLSTUDIE:

HBM Mai 2009

Ro­man Stö­ver, der Chef des Ser­vice­teams der Tair Soft­wa­re AG, be­trat an ei­nem son­ni­gen Mon­tag­mor­gen das Groß­raum­bü­ro, in des­sen lin­ker hin­te­rer Ecke, di­rekt am Fens­ter, sein Schreib­tisch stand. „Hi, Chef. Auch schon da?“, be­grüß­te ihn Ar­min Bur­lau in leicht frot­zeln­dem Ton.
Stö­ver war heu­te un­ge­fähr eine Stun­de spä­ter dran als sonst, we­gen ei­nes Ter­mins beim Arzt. Ob­wohl er erst 35 Jah­re alt war, plag­ten ihn in letz­ter Zeit hart­nä­cki­ge Rücken­schmer­zen.
Ar­min Bur­lau war ei­ner von Stö­vers bes­ten Mit­ar­bei­tern, aber auch ei­ner der ei­gen­wil­ligs­ten. Stö­ver warf einen Blick auf Bur­laus Schreib­tisch. Der war über­sät mit Schlumpf­fi­gu­ren, so­gar rund um den Bild­schirm hat­te Stö­ver ei­ni­ge be­son­ders un­ge­wöhn­li­che Samm­ler­stücke be­fes­tigt. Ne­ben sei­nem Dienst-Lap­top hat­te er noch sein ei­ge­nes Ap­p­le-iBook ste­hen. Dort lie­fen ir­gend­wel­che Pro­gram­me. Hof­fent­lich kei­ne il­le­ga­len Mu­sik-Dow­n­loads. Bur­lau moch­te Tran­ce-Mu­sik. In sei­nem lin­ken Ohr steck­te der Stöp­sel ei­nes Kopf­hö­rers, und der iPod auf dem Tisch war mit Si­cher­heit das neues­te, bun­tes­te Mo­dell, das auf dem Markt zu fin­den war.
Bur­lau ar­bei­te­te schon sehr lan­ge in Stö­vers Team und ge­hör­te zum Ur­ge­stein von Tair. Sei­ne un­kon­ven­tio­nel­le Art zu den­ken, sein schar­fer Ver­stand und sein schier un­er­schöpf­li­ches Fach­wis­sen hat­ten dem Un­ter­neh­men seit der Grün­dung vor zwölf Jah­ren vie­le Mil­lio­nen Euro Um­satz ein­ge­bracht. Da­für be­han­del­te er alle, auch sei­nen Chef, meist mit ei­ner be­tont lus­ti­gen Form von Her­ab­las­sung und schramm­te da­mit manch­mal knapp am Af­front vor­bei. Bis­her hat­te Stö­ver es für die bes­te Stra­te­gie ge­hal­ten, ihm eben­falls mit Hu­mor zu be­geg­nen.
Stö­ver über­leg­te, wie er ohne über­trie­be­nes Chef­ge­ha­be auf die Be­mer­kung über sein ver­spä­te­tes Ein­tref­fen rea­gie­ren soll­te. „Tja“, sag­te er lä­chelnd und zog eine Au­gen­braue hoch, „da­für kriegst du es ja lei­der eher sel­ten mit, wenn ich abends gehe.“ Bur­lau dreh­te sich dar­auf­hin auf sei­nem Bü­ro­stuhl um, hin zu den Kol­le­gen im Groß­raum­bü­ro, und be­gann lauthals zu la­chen, als hät­te Stö­ver den Witz sei­nes Le­bens ge­macht. Die an­de­ren fie­len in das La­chen mit ein und am Ende ki­cher­te und glucks­te das gan­ze Team.
Noch fünf Jah­re zu­vor war fast nie­mand abends vor acht Uhr nach Hau­se ge­gan­gen. Es war nor­mal ge­we­sen, dass vie­le Mit­ar­bei­ter noch um zehn Uhr abends am Schreib­tisch sa­ßen, und es war eben­so nor­mal ge­we­sen, mor­gens erst ge­gen zehn Uhr zu er­schei­nen. Heu­te ka­men die meis­ten Mit­ar­bei­ter pünkt­lich zwi­schen acht und neun, ver­lie­ßen aber auch spä­tes­tens um sechs, halb sie­ben das Büro. In­so­fern war Tair mitt­ler­wei­le ein ganz nor­ma­les Un­ter­neh­men. Viel­leicht so­gar zu nor­mal, dach­te Stö­ver.
„Was war denn an mei­ner Be­mer­kung so ko­misch?“, frag­te Stö­ver er­staunt. „Na ja, ei­gent­lich gar nichts“, sag­te Bur­lau. „Wir sind nur gut drauf. Un­ser neu­es Ser­vice­pro­jekt läuft su­per. Oder, Jür­gen?“ Jür­gen Storz warf einen Schaum­stoff­ball in Bur­laus Rich­tung. „Ja, per­fekt. Wir gön­nen uns nur ge­ra­de eine klei­ne krea­ti­ve Aus­zeit.“ Plötz­lich flo­gen Pa­pier­ku­geln durch den Raum. Ein lau­tes La­chen war von Gre­gor Mül­ler zu ver­neh­men, der ganz hin­ten rechts am Fens­ter saß. Er amü­sier­te sich köst­lich über den neu­en Klin­gel­ton sei­nes Kol­le­gen, des­sen Han­dy mi­au­te wie eine Kat­ze.
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