Was Risikomanager falsch machen

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HBM April 2009

Nun zäh­len die In­ves­to­ren ihre Ver­lus­te aus der Fi­nanz­kri­se zu­sam­men, und vie­le von ih­nen fra­gen sich: Wie konn­ten es die Ban­ken und Bro­ker an der Wall Street bloß so ver­mas­seln? Und was ist mit ih­ren kom­pli­zier­ten Fi­nanz­mo­del­len schief­ge­lau­fen? Be­reits im No­vem­ber 2007, noch be­vor die Kri­se wirk­lich an der Bör­se an­ge­kom­men war, schrieb ein Kom­men­ta­tor in der „Fi­nan­ci­al Ti­mes“: „Ganz of­fen­sicht­lich hat das Ri­si­ko­ma­na­ge­ment in wei­ten Tei­len der Wall Street kom­plett ver­sagt.“
Na­tür­lich sind Fi­nan­z­in­sti­tu­te auch dann nicht vor mas­si­ven Ver­lus­ten ge­feit, wenn sie ein ta­del­lo­ses Ri­si­ko­ma­na­ge­ment vor­wei­sen kön­nen - schließ­lich ist es ihr Ge­schäft, Ri­si­ken ein­zu­ge­hen. Doch soll­te es wirk­lich das Ri­si­ko­ma­na­ge­ment sein, das ver­sagt hat, dann lässt sich dies in der Re­gel auf einen von sechs grund­le­gen-den Feh­lern zu­rück­füh­ren. Fast alle von ih­nen wa­ren auch in der ak­tu­el­len Kri­se zu be­ob­ach­ten.
Manch­mal liegt das Pro­blem in den Da­ten oder Kenn­zah­len, auf die Ri­si­ko­ma­na­ger zu­rück­grei­fen. Manch­mal hat es da­mit zu tun, wie sie Ri­si­ken iden­ti­fi­zie­ren und im Un­ter­neh­men kom­mu­ni­zie­ren. Aber schon in gu­ten Zei­ten las­sen sich fi­nan­zi­el­le Ri­si­ken nur mit Mühe in den Griff be­kom­men. Auf den fol­gen­den Sei­ten wer­de ich da­her aus­führ­lich auf die sechs grund­le­gen­den Feh­ler im Ri­si­ko­ma­na­ge­ment ein­ge­hen.
Feh­ler 1: Auf his­to­ri­sche Da­ten bau­en
Ri­si­ko­mo­del­le be­ru­hen in der Re­gel auf Da­ten aus der Ver­gan­gen­heit, die auf die Ge­gen­wart hoch­ge­rech­net wer­den. Sie sol­len die Wahr­schein­lich­keit vor­her­sa­gen, mit der ein be­stimm­tes Ri­si­ko ein­tritt. Neh­men wir ein­mal an, Sie sei­en im Jahr 2006 Ri­si­ko­ma­na­ger bei ei­ner Bank und sorg­ten sich dar­um, dass 2007 die Im­mo­bi­li­en­prei­se ab­stür­zen könn­ten. Die Füh­rungs­rie­ge Ih­rer Bank wür­de dann von Ih­nen wis­sen wol­len, wie wahr­schein­lich ein sol­cher Ab­sturz ist und wel­che Ver­lus­te er aus­lö­sen wird. Dann müss­ten Ihre Vor­ge­setz­ten ent­schei­den, wie stark sich die Bank noch am Im­mo­bi­li­en­markt en­ga­gie­ren soll.
Als Ers­tes wür­den Sie sich die his­to­ri­schen Schwan­kun­gen der Im­mo­bi­li­en­prei­se an­schau­en und da­mit die durch­schnitt­li­che Preis­än­de­rung pro Jahr samt der Stan­dard­ab­wei­chung kal­ku­lie-ren - in der An­nah­me, dass sich da­mit die wei­te­re Ent­wick­lung an­nä­hernd be­rech­nen lässt. An­hand die­ser Da­ten wä­ren Sie ver­mut­lich zu drei Schlüs­sen ge­kom­men: 1. Die Im­mo­bi­li­en­prei­se ver­än­dern sich nach dem Zu­falls­prin­zip, ähn­lich wie bei ei­nem Münzwurf; 2. Preis­ver­än­de­run­gen der­sel­ben Grö­ßen­ord­nung nach oben wie nach un­ten sind glei­cher­ma­ßen wahr­schein­lich; 3. klei­ne Ver­än­de­run­gen sind viel wahr­schein­li­cher als große. Wenn alle die­se An­nah­men wahr wä­ren, dann lie­ßen sich die Ver­än­de­run­gen der Im­mo­bi­li­en­prei­se in ei­ner Wahr­schein­lich­keits­ver­tei­lung so dar­stel­len, dass eine Glo­cken­kur­ve ent­steht - mit der durch­schnitt­li­chen Ver­än­de­rung als höchs­tem Punkt. Auf der ho­ri­zon­ta­len Ach­se wür­de die Preis­ver­än­de­rung ge­mes­sen, auf der ver­ti­ka­len die je­wei­li­ge Ein­tritts­wahr­schein­lich­keit. Die Form der Glo­cke hängt da­bei von der Schwan­kungs­brei­te ab: Je hö­her sie ist, de­sto fla­cher und brei­ter wird die Kur­ve.
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