„Leistung zählt, nicht Herkunft“

GESPRÄCH:

HBM März 2009

Herr Schie­fen­hö­vel, der mo­der­ne Men­sch hält sich gern zu­gu­te, be­son­ders fle­xi­bel zu sein, sich schnell an neue Jobs und Auf­ga­ben an­pas­sen zu kön­nen - an­ders als un­se­re Vor­fah­ren, die an ih­ren Tra­di­tio­nen fest­hiel­ten. Was ist da Wunsch und was Wirk­lich­keit?
Schie­fen­hö­vel Ich habe mich fast mein ge­sam­tes Le­ben als Wis­sen­schaft­ler mit Stam­mes­ge­sell­schaf­ten be­schäf­tigt, mit Men­schen, die im Hin­blick auf ihre ma­te­ri­el­le Kul­tur oft noch in der Stein­zeit leb­ten, als wir sie das ers­te Mal be­such­ten. Die­se Men­schen sind eben­so an­pas­sungs­fä­hig wie wir. Sie ha­ben es ge­schafft, sich in­ner­halb ei­ner Ge­ne­ra­ti­on aus der Stein­zeit in die Mo­der­ne zu ka­ta­pul­tie­ren. Sie ha­ben da­bei Ver­än­de­run­gen ge­meis­tert, die wir uns kaum vor­stel­len kön­nen.
Als wir 1974 im Hoch­land von Neu­gui­nea - in ei­nem der letz­ten da­mals noch nicht kar­tier­ten Ge­bie­te der Erde - auf die Eipo stie­ßen, leb­ten die­se Men­schen fast völ­lig iso­liert. Sie kann­ten kein Ei­sen, kein Rad, kei­ne Schrift und ver­speis­ten ge­le­gent­lich be­sieg­te Geg­ner, um ihre Fein­de auf die­se Wei­se end­gül­tig zu ver­nich­ten. Au­ßer ei­ni­gen we­ni­gen christ­li­chen Missio­na­ren wa­ren wir, zwei Eth­no­lo­gen, ein Lin­guist und mei­ne Frau als Den­talan­thro­po­lo­gin, die ers­ten Wei­ßen, mit de­nen sie Kon­takt hat­ten.
Die ers­te Schu­le in die­sem Ge­biet ha­ben Missio­na­re dann un­ge­fähr 1985 ge­baut. Heu­te stu­die­ren die Kin­der der Kan­ni­ba­len So­zi­al- und Po­li­tik­wis­sen­schaf­ten. Ei­ner von ih­nen ist Eli­te-stu­dent in Ja­kar­ta, die Re­gie­rung will ihn jetzt nach Ka­li­for­ni­en schi­cken. Sie sind bil­dungs­be­ses­sen. Sie wis­sen ganz ge­nau: Es gibt nur einen Weg nach vorn.
Hat­ten die Eipo nicht auch Glück, dass zu­fäl­lig eine Grup­pe deut­scher For­scher zu ih­nen ge­kom­men ist und ih­nen auf ih­rem Weg in die Neu­zeit ge­hol­fen hat?
Schie­fen­hö­vel Sie ha­ben nicht ganz un­recht, wir ha­ben die Rol­le der un­be­tei­lig­ten Wis­sen­schaft­ler nicht durch­hal­ten kön­nen. Nach­dem wir ei­ni­ge Zeit bei ih­nen ge­lebt, Kran­ke be­han­delt und ihre bis da­hin gänz­lich un­be­kann­te Spra­che er­lernt hat­ten, ge­wan­nen sie an­schei­nend Ver­trau­en zu mir. Sie ha­ben mich dann mit ei­ner sehr ein­dring­li­chen Ze­re­mo­nie am Män­ner­haus ver­pflich­tet, ih­nen zu hel­fen. Sie sag­ten: Ihr ward die ers­ten, die zu uns ka­men und ge­blie­ben sind. Ihr habt uns ge­fun­den. Wir soll­ten nicht an­de­re Stäm­men un­ter­stüt­zen, son­dern nur für sie da sein. Ich wur­de so et­was wie ihr Coach. Wir ha­ben ih­nen die ers­ten in­do­ne­si­schen Wör­ter bei­gebracht, von un­se­rer Welt er­zählt und den Kon­takt nie ab­rei­ßen las­sen.
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