Der teure Kampf gegen Pro­dukt­pi­ra­ten

FALLSTUDIE:

HBM Dezember 2008

Holz­split­ter flo­gen in alle Rich­tun­gen, als der Ramm­bock durch die ver­rie­gel­te Tür der La­ger­hal­le krach­te. Der Po­li­zei­kor­don, der das Ge­bäu­de um­stell­te, war­te­te an­ge­spannt, wäh­rend Hong­kongs Eli­te­s­pe­zi­al­ein­heit in die Hal­le stürm­te und et­was auf Kan­to­ne­sisch rief, das, wie Ted Dway­ne le­dig­lich ver­mu­ten konn­te, be­deu­te­te: „Hän­de hoch oder wir schie­ßen!“ und: „Po­li­zei!“
Dway­ne konn­te als Lei­ter des Kun­den­diens­tes von Brand Pro­tec­ti­on Ser­vices Li­mi­ted auf eine fast 20jährige Kar­rie­re in der Straf­ver­fol­gung und als Pri­va­ter­mitt­ler zu­rück­bli­cken. Er be­saß ge­nug Er­fah­rung, um die Fäl­scher der Pro­duk­te sei­ner Kun­den auf­zu­spü­ren und vor Ge­richt zu brin­gen. Seit fast ei­nem Jahr hat­te er an die­sem spe­zi­el­len Fall ge­ar­bei­tet, und nun war er in Hong­kong, um si­cher­zu­stel­len, dass die ver­deck­te Er­mitt­lung, die dar­auf ab­ziel­te, Ton­nen von Pro­dukt­fäl­schun­gen zu be­schlag­nah­men, rei­bungs­los ab­lief.
Ob­wohl die Ab­tei­lung für Wirt­schafts­kri­mi­na­li­tät der Hong­kon­ger Po­li­zei in den ver­gan­ge­nen Jah­ren deut­lich auf­ge­stockt wor­den war, dau­er­te es im­mer noch Mo­na­te oder so­gar Jah­re, bis Fäl­scher, die über den Stra­ßen­han­del hin­aus in großem Stil agier­ten, ver­folgt wur­den. Von Zeit zu Zeit griff die chi­ne­si­sche Er­mitt­lungs­be­hör­de da­bei auf Leu­te wie Dway­ne zu­rück, die auf ei­ge­ne Faust im Auf­trag von ge­schä­dig­ten Fir­men er­mit­tel­ten.
Der Ame­ri­ka­ner war bei sei­nen Re­cher­chen ei­nem Ring von Kri­mi­nel­len auf die Spur ge­kom­men. Der Fall hat­te mit ei­ner Raz­zia in ei­nem Ein­kaufs­zen­trum in Ge­or­gia be­gon­nen, bei der ein ge­hei­mes La­ger mit Por­te­mon­nai­es, Schu­hen und Uh­ren ent­deckt und Ware mit ei­nem Stra­ßen­ver­kaufs­wert von über zehn Mil­lio­nen Dol­lar si­cher­ge­stellt wor­den war. Dway­ne hat­te die Ban­de von dort bis zu ei­nem Tun­nel­la­by­rinth un­ter New Yorks Chi­na­town ver­folgt. Von da aus führ­te die Spur bis nach Hong­kong, zu die­ser am Was­ser ge­le­ge­nen und bis zur De­cke mit Ko­pi­en hoch­wer­ti­ger Mar­ken­wa­re ge­füll­ten La­ger­hal­le.
Die chi­ne­si­sche Po­li­zei war über sei­nen Hin­weis be­son­ders froh ge­we­sen, weil die Kis­ten mit der ge­fälsch­ten Ware nicht nur Klei­dung und Schmuck, son­dern auch Kos­me­ti­ka und Me­di­ka­men­te ent­hiel­ten, also Pro­duk­te, de­ren Fäl­schun­gen nicht nur einen wirt­schaft­li­chen Scha­den be­deu­te­ten, son­dern zu­gleich eine Ge­fahr für die Ge­sund­heit und das Le­ben der Men­schen dar­stell­ten.

Die lau­fen­de Er­mitt­lung war ein Er­folg, dach­te Dway­ne, wäh­rend er den Po­li­zei­ein­satz aus re­la­tiv si­che­rer Ent­fer­nung von ei­nem Haus auf der ge­gen­über­lie­gen­den Stra­ßen­sei­te aus be­ob­ach­te­te. Aber es han­del­te sich nur um die Spit­ze ei­nes Kra­ken­ar­mes. Hier ging es nicht um ir­gend­ei­ne Ma­schi­nen­hal­le in der Drit­ten Welt, in der Uh­re­ni­mi­ta­te her­ge­stellt wur­den, die so bil­lig wa­ren, dass sie ei­nem die Haut am Hand­ge­lenk grün färb­ten, son­dern um ein her­vor­ra­gend or­ga­ni­sier­tes in­ter­na­tio­na­les Syn­di­kat, das al­les von der Stra­ßen­kri­mi­na­li­tät bis hin zum in­ter­na­tio­na­len Ter­ro­ris­mus fi­nan­zier­te. Und Dway­ne wuss­te, dass der Kra­ken­arm, wenn er ab­ge­hackt wur­de, so­fort wie­der nach­wach­sen konn­te. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren war die Zahl von Be­schlag­nah­mun­gen wie die­ser welt­weit stark an­ge­stie­gen. In den Ver­ei­nig­ten Staa­ten hat­ten sie sich ver­dop­pelt, und den­noch schi­en sich das Pro­blem wei­ter dra­ma­tisch zu ver­schär­fen.
Jetzt kaufen
© Harvard Business Manager
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
Inhalt

Abbildungen und Diagramme

Bilder:
0
Infografiken:
0

Textumfang

Seiten:
10
Zeichen:
38.051
Nachdrucknummer:
200812110
Nachdrucke
Nachdrucke in Medien aller Art
Seitenpreise ab 360 Euro je nach Auflage

Nutzungsrechte im PDF-Format
Ohne Fotos und Illustrationen. Für die Verwendung bei betriebsinternen Fortbildungen, Kundenbroschüren, im Intranet und firmeninternen Pressespiegel: Preisberechnung pro Exemplar beziehungsweise pro Nutzer je nach Auflage.

Sonderdrucke
Möglich ab 500 Exemplaren, Preise auf Anfrage.
Ein Beispiel finden Sie hier.

Nachdrucke von Illustrationen
© Harvard Business Manager: Preise auf Anfrage

Alle Preise verstehen sich zuzüglich Mehrwertsteuer und gegebenenfalls Versandkosten.

Für Artikel mit Copyrightvermerk "Harvard Business School Publishing" gelten besondere urheberrechtliche Bedingungen, die wir Ihnen auf Anfrage gern erläutern.
Hier können Sie nach den Lizenz-Bedingungen fragen.

Alle Themen
ANZEIGE
Nach oben