Kollektive Kreativität bei Pixar

TEAMWORK:

HBM Dezember 2008

Vor ein paar Jah­ren saß ich mit dem Chef ei­nes großen Film­stu­di­os beim Mit­tages­sen zu­sam­men. Er er­zähl­te mir, sein Haupt­pro­blem sei nicht etwa, gute Mit­ar­bei­ter zu fin­den, son­dern gute Ide­en. Seit die­ser Be­geg­nung fra­ge ich bei je­dem Vor­trag die Zu­hö­rer, ob sie sei­ner Mei­nung sei­en. Fast im­mer sind sie in ih­rem Vo­tum ge­spal­ten - sehr zu mei­nem Er­stau­nen, denn ich bin völ­lig an­de­rer An­sicht als der Lei­ter des Film­stu­di­os. Sei­ne Mei­nung be­ruht auf ei­ner Fehl­in­ter­pre­ta­ti­on des Krea­ti­vi­täts­be­griffs, die Be­deu­tung der Grund- idee bei der Ent­wick­lung ei­nes neu­en Pro­dukts wird da­bei über­be­wer­tet. Hin­ter sei­ner Aus­sa­ge steckt zu­dem eine gra­vie­ren­de Fehl­ein­schät­zung des Um­gangs mit grö­ße­ren Ri­si­ken bei der Pro­duk­ti­on bahn­bre­chen­der Ide­en.
Was Durch­brü­che - in tech­ni­scher wie in künst­le­ri­scher Hin­sicht - an­geht, kann Pi­xar auf eine ein­zig­ar­ti­ge Er­folgs­se­rie zu­rück­bli­cken. An­fang der 90er Jah­re gal­ten wir als füh­ren­der Tech­no­lo­gie­pio­nier auf dem Ge­biet der Com­pu­tera­ni­ma­ti­on. Ih­ren ers­ten Hö­he­punkt fan­den un­se­re jah­re­lan­gen For­schungs- und Ent­wick­lungs­ak­ti­vi­tä­ten 1995 in „Toy Sto­ry“, dem ers­ten voll­stän­dig am Com­pu­ter er­stell­ten abend­fül­len­den Ki­no­film. Seit­her ha­ben wir in 13 Jah­ren wei­te­re acht Fil­me pro­du­ziert („Das große Krab­beln“, „Toy Sto­ry 2“, „Die Mons­ter AG“, „Fin­det Nemo“, „Die Un­glaub- li­chen“, „Cars“, „Ra­ta­touil­le“ und „WALL·E“), al­le­samt Kas­sen­schla­ger. Im Ge­gen­satz zu den meis­ten Stu­di­os ha­ben wir nie Dreh­bü­cher oder Fil­mi­de­en von au­ßen ein­ge­kauft. Alle Ge­schich­ten, Sze­na­ri­os und Fi­gu­ren sind der Fan­ta­sie un­se­rer ei­ge­nen Künstl­er­ge­mein­schaft ent­sprun­gen. Und bei der Rea­li­sie­rung die­ser Fil­mi­de­en ha­ben wir im­mer wie­der die tech­no­lo­gi­schen Gren­zen der Com­pu­tera­ni­ma­ti­on ge­sprengt und uns so Dut­zen­de von Pa­ten­ten ge­si­chert.

Na­tür­lich wäre es un­klug von mir, zu be­haup­ten, wir wür­den nie­mals einen Flop lan­den. Aber mei­ner Mei­nung nach be­ruht un­ser Er­folg kei­nes­wegs in ers­ter Li­nie auf Glück. Viel­mehr sind un­se­re Grund­sät­ze und Me­tho­den im Um­gang mit krea­ti­ven Ta­len­ten und Ri­si­ken da­für ver­ant­wort­lich. Pi­xar ist im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes eine Ge­mein­schaft. Wir glau­ben an die po­si­ti­ve Wir­kung lang­fris­ti­ger Be­zie­hun­gen und tei­len ei­ni­ge Grund­auf­fas­sun­gen: Ta­len­te sind dünn ge­sät. Das Ma­na­ge­ment soll kei­nes­falls Ri­si­ken mei­den, son­dern die Vor­aus­set­zun­gen da­für schaf­fen, dass das Un­ter­neh­men mög­li­che Rück­schlä­ge ver­kraf­tet. Wer die Wahr­heit sagt, darf nichts zu be­fürch­ten ha­ben. Stets müs­sen wir un­se­re Ein­schät­zun­gen hin­ter­fra­gen und nach den Schwach­stel­len su­chen, die un­se­re Fir­men­kul­tur zer­stö­ren kön­nen.
In den ver­gan­ge­nen bei­den Jah­ren ha­ben wir un­se­re Grund­sät­ze und Me­tho­den auf die Pro­be stel­len kön­nen. Nach der Fu­si­on von Pi­xar und der Walt Dis­ney Com­pa­ny 2006 bat Dis­ney-CEO Bob Iger mich, un­se­ren Chief Crea­ti­ve Of­fi­cer John Las­se­ter und ei­ni­ge an­de­re Pi­xar-Ma­na­ger, ihm zu hel­fen, die Dis­ney Ani­ma­ti­on Stu­di­os aus der Kri­se zu füh­ren. Un­ser Er­folg ver­an­lass­te mich, mei­ne Ide­en zum Auf­bau ei­nes krea­ti­ven und dau­er­haft er­folg­rei­chen Un­ter­neh­mens wei­ter­zu­ge­ben.
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