Vorsicht: Patenthaie

GEISTIGES EIGENTUM:

HBM August 2008

In Un­ter­neh­men, die sich auf For­schung und Ent­wick­lung (F&E) kon­zen­trie­ren, ist in der Re­gel ein grö­ße­rer Teil des Fir­men­werts in im­ma­te­ri­el­lem Ver­mö­gen in Form von Pa­ten­ten und an­de­rem geis­ti­gen Ei­gen­tum ge­bun­den. Die Ver­wal­tung die­ser Res­sour­cen wird in den ver­schie­de­nen Sek­to­ren je­weils un­ter­schied­lich ge­hand­habt. Phar­maun­ter­neh­men bei­spiels­wei­se kämp­fen mit har­ten Ban­da­gen. Sie set­zen al­les dar­an, um ein wich­ti­ges Pa­tent zu schüt­zen. Wenn man be­denkt, dass ein ein­zi­ges Pa­tent bis­wei­len ein gan­zes Pro­dukt ab­si­chern kann, ist dies nicht wei­ter ver­wun­der­lich. Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men da­ge­gen müs­sen mit­ein­an­der ko­ope­rie­ren, da ein kom­ple­xes Pro­dukt meh­re­re Tau­send Pa­ten­te um­fas­sen kann, die zum großen Teil an­de­ren Un­ter­neh­men ge­hö­ren. Die Pa­ten­te die­nen die­sen Fir­men als Wäh­rung.
In jün­ge­rer Zeit wur­den Tech­no­lo­gie-un­ter­neh­men von so­ge­nann­ten Pa­tent­hai­en an­ge­grif­fen. Das sind Fir­men, die vor der Öf­fent­lich­keit ver­bor­ge­ne Pa­ten­te be­sit­zen und aus dem Nichts auf­tau­chen, wenn die­se Schutz­rech­te ver­se­hent­lich ver­letzt wur­den - um dann mit Kla­gen zu dro­hen. Oft er­folgt ein sol­cher An­griff völ­lig un­ver­mit­telt von un­be­kann­ter Sei­te, und Un­ter­neh­men kön­nen ih­ren Geg­ner erst dann iden­ti­fi­zie­ren, wenn es für eine Re­ak­ti­on zu spät ist. Zu­dem ist ihre üb­li­che Ver­tei­di­gungs­li­nie, die auf den Kampf ge­gen greif­ba­re Mit­be­wer­ber aus­ge­rich­tet ist, für die­se Art des Gue­ril­la­kriegs völ­lig un­ge­eig­net.
Um Pa­tent­hai-An­grif­fen aus dem Weg zu ge­hen, müs­sen Fir­men mehr tun, als nur Rechts­mit­tel aus­zu­schöp­fen. Sie müs­sen auf­hö­ren, Pa­ten­te zur Kreuz­li­zen­zie­rung mit Kon­kur­ren­ten an­zu­häu­fen. Statt­des­sen müs­sen sie in­tel­li­gen­te­re, ein­fa­che­re Stan­dards er­ar­bei­ten so­wie Kom­po­nen­ten stär­ker mo­du­lar ge­stal­ten, frü­her mit der Kon­kur­renz ko­ope­rie­ren, da­für sor­gen, dass fir­men-in­ter­ne und -über­grei­fen­de Sach­grup­pen In­for­ma­tio­nen über An­grif­fe von Pa­tent­hai­en aus­tau­schen, so­wie auf­hö­ren, auch für klei­ne­re, we­ni­ger wich­ti­ge Er­fin­dun­gen Pa­ten­te an­zu­mel­den. Mit an­de­ren Wor­ten: Sie müs­sen ihre F&E-Pro­zes­se auf den Kopf stel­len.

Was ist ein Pa­tent­hai?
Da­mit kei­ne Miss­ver­ständ­nis­se auf­kom­men: Pa­tent­haie sind kei­ne Er­fin­der, die in ih­rem ei­ge­nen For­schungs­be­reich ak­tiv sind, ihre Er­geb­nis­se früh­zei­tig für an­de­re sicht­bar zum Ver­kauf oder zur Li­zen­zie­rung an­bie­ten und an­schlie­ßend ihre Rech­te bei vor­sätz­li­chen Pa­tent­ver­let­zun­gen ein­for­dern. Viel­mehr han­delt es sich hier­bei um Fir­men, die op­por­tu­nis­tisch oder ge­zielt von Zah­lun­gen der ver­klag­ten Un­ter­neh­men pro­fi­tie­ren, die un­be­ab­sich­tigt die Rech­te am geis­ti­gen Ei­gen­tum der Haie ver­let­zen. Und zwar nur aus dem ein­fa­chen Grund, dass ih­nen die Exis­tenz die­ser Rech­te nicht be­kannt war. Das Vor­ge­hen der Pa­tent­haie ist zwar ab­so­lut le­gal. Die Un­ter­neh­men müs­sen sich je­doch dar­über im Kla­ren sein, dass sie äu­ßerst ge­fähr­lich sind und großen Scha­den an­rich­ten kön­nen.
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