Das Klinsmann-Projekt

CHANGE-MANAGEMENT:

HBM Juni 2008

Der 23. Juni 2004 soll­te kein gu­ter Tag für den deut­schen Fuß­ball wer­den: Die Na­tio­nal­mann­schaft muss­te an die­sem Mitt­woch das Spiel ge­gen Tsche­chi­en un­be­dingt ge­win­nen, um noch ins Vier­tel­fi­na­le der Eu­ro­pa­meis­ter­schaft ein­zu­zie­hen. Das Team war in den Vor­run­den­spie­len ge­gen die Nie­der­lan­de und ge­gen Lett­land je­weils nicht über ein Un­ent­schie­den hin­aus­ge­kom­men. Ei­gent­lich stan­den die Chan­cen für die Deut­schen gut. Denn die Tsche­chen wa­ren be­reits qua­li­fi­ziert und tra­ten nur mit ih­rer B-Mann­schaft an.
Doch auch ge­gen die tsche­chi­schen Er­satz­spie­ler woll­te den Deut­schen kein Sieg ge­lin­gen. Im Ge­gen­teil, nach de­so­la­ter Leis­tung un­ter­lag das Team mit 1:2 ei­ner in al­len Be­lan­gen über­le­ge­nen tsche­chi­schen Mann­schaft. Die in­ter­na­tio­na­le Pres­se fäll­te nach die­ser Nie­der­la­ge ein ver­nich­ten­des Ur­teil: Mit Alt­her­ren-Fuß­ball ohne Char­me und Tem­po sei die deut­sche Elf zu Recht schon in der Vor­run­de aus­ge­schie­den. Mehr noch: Ex­per­ten wie Fach­pres­se stell­ten den ge­sam­ten Deut­schen Fuß­ball Bund (DFB) in­fra­ge. Über die Jah­re hat­te sich der mit über ei­ner Mil­li­on Mit­glie­dern größ­te Sport­ver­band der Welt zu ei­nem trä­gen, ver­krus­te­ten Ko­loss mit ver­al­te­ten Struk­tu­ren ent­wi­ckelt.
Fast ex­akt zwei Jah­re spä­ter, am 8. Juli 2006, wird die deut­sche Na­tio­nal­mann­schaft mit ei­nem fu­rio­sen 3:1-Sieg über Por­tu­gal bei der Welt­meis­ter­schaft Drit­ter. Durch die Art, wie die Mann­schaft wäh­rend der ge­sam­ten WM auf­trat, wa­ren auch die letz­ten Zweif­ler da­von über­zeugt, dass Deutsch­land wie­der zur Welt­spit­ze des Fuß­balls zähl­te. Die­sel­be Mann­schaft, die der eu­ro­päi­sche Fuß­ball­ver­band Uefa zwei Jah­re zu­vor noch in ei­ner Stu­die als „zu lang­sam und nicht ab­wechs­lungs­reich“ ab­qua­li­fi­ziert hat­te, be­geis­ter­te wäh­rend der ge­sam­ten WM mit of­fen­si­vem, ri­si­ko­rei­chem Tem­po­fuß­ball und prä­sen­tier­te sich da­bei durch­wegs sym­pa­thisch. Die Eu­pho­rie um die Mann­schaft wuchs von Spiel zu Spiel, und am Ende kam über eine hal­be Mil­li­on Men­schen nach Ber­lin, um auf der Fan­mei­le am Bran­den­bur­ger Tor zu fei­ern. Welch ein Sieg ge­gen die un­zäh­li­gen Kri­ti­ker und Tra­di­tio­na­lis­ten im Lan­de. Bin­nen zwei Jah­ren hat­ten Jür­gen Klins­mann als Bun­des­trai­ner, Joa­chim Löw als Co­trai­ner und Oli­ver Bier­hoff als Team­ma­na­ger der Mann­schaft aus der De­fen­si­ve ge­hol­fen und den DFB zu großen Tei­len re­for­miert. Da­bei hat­te am An­fang, im Som­mer 2004, noch so vie­les ge­gen das neue Füh­rungs­trio ge­spro­chen: die Skep­sis vie­ler DFB-Funk­tio­näre, die Me­di­en, die Bun­des­li­ga­ver­ei­ne und die Mehr­zahl der Deut­schen - und nicht zu­letzt die Qua­li­tät der vor­han­de­nen Spie­ler.
Uns als Wis­sen­schaft­ler in­ter­es­sier­te, wie in­ner­halb von zwei Jah­ren die­ser enor­me Wan­del mög­lich wur­de und wie sich ein un­in­spi­rier­tes, de­fen­si­ves und ver­ängs­tig­tes Team mit ei­nem ver­staub­ten und bü­ro­kra­ti­schen DFB im Hin­ter­grund zu solch mo­der­nen, fle­xiblen und of­fe­nen Struk­tu­ren ent­wi­ckel­te. Was wa­ren die Stell­he­bel für die­ses er­folg­rei­che Change-Ma­na­ge­ment? Um das zu ver­ste­hen, ha­ben wir Stra­te­gie, Or­ga­ni­sa­ti­on und Füh­rungs­prin­zi­pi­en der Na­tio­nal­mann­schaft und des DFB un­ter­sucht. Wir ha­ben eine um­fas­sen­de Do­ku­men­ten- und Vi­deo­ana­ly­se durch­ge­führt und auf die­ser Grund­la­ge mehr­mals die Schlüs­sel­per­so­nen aus den ver­schie­de­nen Be­rei­chen (Spie­ler, Trai­ner, Ma­na­ge­ment, Be­treu­er und Pres­se) in­ter­viewt. Die so ge­won­ne­nen Da­ten fass­ten wir in ei­ner Fall­stu­die zu­sam­men, ana­ly­sier­ten die­se theo­rie­ge­lei­tet und gli­chen sie mit den neue­ren Er­kennt­nis­sen aus Stra­te­gie-, Change- und Füh­rungs­li­te­ra­tur ab. Die Er­geb­nis­se stell­ten wir an­schlie­ßend den Ent­schei­dungs­trä­gern vor; in Work­shops mit Ex­per­ten ha­ben wir sie wei­ter ver­tieft und ver­voll­stän­digt. Nach Ab­schluss un­se­rer über zwei­jäh­ri­gen For­schungs­ar­beit sind wir über­zeugt, dass von dem ex­zel­len­ten und nach­hal­ti­gen Change-Ma­na­ge­ment der Ver­ant­wort­li­chen um Klins­mann auch Füh­rungs­kräf­te in der Wirt­schaft ler­nen kön­nen.
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