Management mit System

OPERATIONS:

HBM Mai 2008

Kaum war die Conner Cor­po­ra­ti­on (Name ge­än­dert) er­folg­reich an die Bör­se ge­gan­gen, da kam das Un­ter­neh­men Schritt für Schritt vom Weg ab. Die Top­ma­na­ger tra­fen sich zwar ge­nau wie frü­her je­den Mo­nat zu ei­ner ein­tä­gi­gen Sit­zung, aber ihre kla­re Li­nie war da­hin.
Ei­gent­lich sah die Ta­ges­ord­nung der Ma­na­ge­ment­mee­tings so aus: ope­ra­ti­ve The­men am Vor­mit­tag, Stra­te­gie am Nach­mit­tag. Doch das Un­ter­neh­men wur­de mitt­ler­wei­le an Quar­tals­zie­len ge­mes­sen, und so dräng­ten ope­ra­ti­ve Pro­ble­me die Stra­te­gie im­mer mehr an den Rand. Es kam, wie es kom­men muss­te: Der Soll-Ist-Ver­gleich zeig­te schon bald, dass der Quar­tal­sum­satz ge­rin­ger und die Kos­ten hö­her aus­fie­len als er­war­tet. Die auf­ge­schreck­ten Ma­na­ger dis­ku­tier­ten stun­den­lang, wie sich das Pro­blem lö­sen lie­ße: Preis­po­li­tik än­dern, Ka­pa­zi­tät dros­seln, Per­so­nal in Ver­trieb und Ver­wal­tung ab­bau­en, Wer­be­ak­tio­nen star­ten. Ein Ma­na­ger merk­te an: „Wir ha­ben kei­ne Zeit für Stra­te­gi­en. Wenn wir un­se­re Quar­tals­zah­len nicht er­rei­chen, gibt es uns viel­leicht bald nicht mehr. Lang­fris­tig den­ken be­deu­tet für uns, kurz­fris­tig zu den­ken.“
So wie Conner geht es vie­len. So­gar bei ei­ni­gen re­nom­mier­ten bör­sen­no­tier­ten Kon­zer­nen do­mi­niert Gres­hams Ge­setz die Ma­na­ge­ment­sit­zun­gen. In der Wäh­rungs­theo­rie be­sagt die­ser Grund­satz, dass schlech­tes Geld das gute ver­drängt. Auf das Ma­na­ge­ment über­tra­gen be­deu­tet er, dass Dis­kus­sio­nen über schlech­te Ab­läu­fe so viel Raum ein­neh­men, dass für po­si­ti­ve stra­te­gi­sche Über­le­gun­gen kei­ne Zeit bleibt. Un­ter­neh­men, die in die­se Fal­le tap­pen, schlep­pen sich bald nur noch von ei­nem Quar­tal zum nächs­ten. Ihre Vor­ga­ben er­rei­chen sie nur mit Mühe, wenn über­haupt. Doch sie er­for­schen nicht, wie sie mit ei­ner ver­än­der­ten Stra­te­gie das Wachs­tum stei­gern könn­ten oder wa­rum das Un­ter­neh­men stän­dig sei­ne kurz­fris­ti­gen Fi­nanz­zie­le ver­fehlt. Ir­gend­wann be­gin­nen Ana­lys­ten, In­ves­to­ren und Auf­sichts­rä­te, die Krea­ti­vi­tät und das En­ga­ge­ment der Un­ter­neh­mens­füh­rung in­fra­ge zu stel­len.
Wir ha­ben je­doch die Er­fah­rung ge­macht, dass es nicht an in­kom­pe­tenten oder zu we­nig en­ga­gier­ten Ma­na­gern liegt, wenn ein Un­ter­neh­men sei­ne Zie­le ver­fehlt. Der wah­re Grund ist das Ver­sa­gen des Ma­na­ge­ment­sys­tems. Da­mit mei­nen wir das Zu­sam­men­spiel aus Pro­zes­sen und Werk­zeu­gen, mit de­nen ein Un­ter­neh­men sei­ne Stra­te­gie ent­wi­ckelt, in die Pra­xis um­setzt und die­se bei­den Ele­men­te über­wacht und ver­bes­sert. Das Span­nungs­ver­hält­nis zwi­schen Stra­te­gie und ope­ra­ti­vem Ge­schäft be­rei­tet vie­len Un­ter­neh­men Pro­ble­me: In den ver­gan­ge­nen 25 Jah­ren ha­ben zahl­rei­che Stu­di­en ge­zeigt, dass 60 bis 80 Pro­zent bei der Um­set­zung neu­er Stra­te­gi­en ihre ur­sprüng­lich avi­sier­ten Zie­le nicht er­rei­chen.
Ab­hil­fe kann ein ge­schlos­se­ner Ma­na­ge­ment­kreis­lauf schaf­fen (Kaplan und Nor­ton nen­nen ihn „Clo­sed-Loop Ma­na­ge­ment Sys­tem“- Anm. d. Red.; sie­he Gra­fik Sei­te 32). Der Kreis­lauf um­fasst fünf Pha­sen. In der ers­ten ent­wi­ckelt das Un­ter­neh­men sei­ne Stra­te­gie. Zu den Werk­zeu­gen, Pro­zes­sen und Kon­zep­ten, die sich da­für an­bie­ten, zäh­len Un­ter­neh­mens­lei­t­bild (Missi­on State­ment), Zu­kunfts­vi­si­on (Vi­si­on State­ment) und Wer­te­ka­ta­log (Va­lue State­ment). Bei der For­mu­lie­rung ei­ner Un­ter­neh­mens­stra­te­gie hel­fen auch SWOT-Ana­ly­se, Share­hol­der-Va­lue-Ma­na­ge­ment, die Po­si­tio­nie­rung des ei­ge­nen Un­ter­neh­mens im Markt und das Ana­ly­sie­ren der Kern­kom­pe­ten­zen.
Jetzt kaufen
© Harvard Business Manager
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
Inhalt

Abbildungen und Diagramme

Bilder:
0
Infografiken:
0

Textumfang

Seiten:
21
Zeichen:
67.810
Nachdrucknummer:
200805028
Nachdrucke
Nachdrucke in Medien aller Art
Seitenpreise ab 360 Euro je nach Auflage

Nutzungsrechte im PDF-Format
Ohne Fotos und Illustrationen. Für die Verwendung bei betriebsinternen Fortbildungen, Kundenbroschüren, im Intranet und firmeninternen Pressespiegel: Preisberechnung pro Exemplar beziehungsweise pro Nutzer je nach Auflage.

Sonderdrucke
Möglich ab 500 Exemplaren, Preise auf Anfrage.
Ein Beispiel finden Sie hier.

Nachdrucke von Illustrationen
© Harvard Business Manager: Preise auf Anfrage

Alle Preise verstehen sich zuzüglich Mehrwertsteuer und gegebenenfalls Versandkosten.

Für Artikel mit Copyrightvermerk "Harvard Business School Publishing" gelten besondere urheberrechtliche Bedingungen, die wir Ihnen auf Anfrage gern erläutern.
Hier können Sie nach den Lizenz-Bedingungen fragen.

Alle Themen
ANZEIGE
Nach oben