Sechs Regeln für effektive Prognosen

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HBM Oktober 2007

Auf Cock­tail­par­tys bit­ten mich die Gäs­te oft um Ak­ti­en­tipps, und sie wol­len na­tür­lich wis­sen, wie zu­ver­läs­sig mei­ne Pro­gno­sen bis­her wa­ren. Ihr An­lie­gen of­fen­bart die weit­ver­brei­te­te, je­doch grund­sätz­lich falsche An­nah­me, dass Pro­gno­s­ti­ker et­was vor­her­sa­gen. Ge­nau das tun wir na­tür­lich nicht: Vor­her­sa­gen sind nur in ei­ner Welt mög­lich, in wel­cher der Lauf der Din­ge vor­be­stimmt ist und kei­ne wie auch im­mer ge-ar­te­ten Maß­nah­men in der Ge­gen­wart das zu­künf­ti­ge Er­geb­nis be­ein­flus­sen kön­nen. Eine sol­che Welt ist Ge­gen­stand von My­then und Aber­glau­be. Die Welt, in der wir le­ben, ist je­doch eine völ­lig an­de­re. Kaum et­was ist ge­wiss, nichts ist vor­be­stimmt, und un­ser Han­deln in der Ge­gen­wart wirkt sich auf den Lauf der Din­ge aus - auf oft­mals gra­vie­ren­de, un­er­war­te­te Wei­se.
Die Rol­le des Zu­kunfts­for­schers in der rea­len Welt un­ter­schei­det sich er­heb­lich von je­ner des Se­hers in der My­tho­lo­gie. Des­sen Vor­her­sa­ge zielt auf Ge­wiss­hei­ten in der Zu­kunft ab. Bei der Pro­gno­se da­ge­gen geht es um ge­gen­wär­ti­ge ver­bor­ge­ne Strö­mun­gen, die mög­li­che Rich­tungs­än­de­run­gen für Un­ter­neh­men, die Ge­sell­schaft oder die Welt im All­ge­mei­nen si­gna­li­sie­ren. Die Pro­gno­se ver­sucht in ers­ter Li­nie, die ge­sam­te Band­brei­te der Mög­lich­kei­ten zu er­mit­teln, und soll nicht eine be­grenz­te An­zahl trü­ge­ri­scher Ge­wiss­hei­ten lie­fern.
Ob sich eine be­stimm­te Pro­gno­se als rich­tig er­weist, ist nur ein Aspekt des Gan­zen - selbst eine de­fek­te Uhr zeigt zwei­mal am Tag die rich­ti­ge Zeit an. Vor al­lem hat der Trend­for­scher die Auf­ga­be, Un­wäg­bar­kei­ten zu kar­tie­ren. Denn in ei­ner Welt, in der un­ser ge­gen­wär­ti­ges Han­deln Aus­wir­kun­gen auf die Zu­kunft hat, be­deu­tet Un­ge­wiss­heit gleich­zei­tig eine Chan­ce.
Im Ge­gen­satz zur Vor­her­sa­ge folgt eine Pro­gno­se ei­ner ge­wis­sen Lo­gik. Da­durch tritt die Pro­gno­se aus dem Schat­ten­reich des Aber­glau­bens her­aus. Der Zu­kunfts­for­scher muss in der Lage sein, die­se Lo­gik zu ar­ti­ku­lie­ren und zu ver­tei­di­gen. Dar­über hin­aus soll­te der Nut­zer der Pro­gno­se ge­nug über den Pro­gno­se­pro­zess und die zu­grun­de lie­gen­de Lo­gik wis­sen, um de­ren Qua­li­tät selbst­stän­dig ein­schät­zen und um die dar­in auf­ge­zeig­ten Chan­cen und Ri­si­ken rich­tig ein­ord­nen zu kön­nen. Der klu­ge Nut­zer ei­ner Pro­gno­se ver­harrt nicht in der Rol­le des gut-gläu­bi­gen, un­be­tei­lig­ten Zu­schau­ers, son­dern ent­wi­ckelt sich zum ak­ti­ven Teil­neh­mer und vor al­lem Kri­ti­ker.
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