Wie managt man Recht und Moral?

FALLSTUDIE:

HBM September 2007

Hans Graf be­trat das Traditionscafé Sprüng­li am Zür­cher Pa­ra­de­platz. An die­sem schö­nen Früh­lings­tag woll­te er sich erst ein­mal et­was gön­nen, be­vor er sich wie­der in die Schlacht an sei­nem neu­en Ar­beits­platz stürz­te.
Seit vier Wo­chen be­klei­de­te er nun den Pos­ten des Chief-Com­plian­ce-Of­fi­cers bei der Spar­bank. Der Ver­wal­tungs­rats­vor­sit­zen­de Hans­jörg Rie­ger hat­te ihn von der Kanz­lei Klei­ner, Stark & Frank ab­ge­wor­ben. Com­plian­ce war der­zeit ein span­nen­des Feld, nicht nur für Ju­ris­ten wie Graf. Im Um­feld von Cor­po­ra­te-Go­ver­nance-Pro­ble­men und Kor­rup­ti­onss­kan­da­len in den ver­schie­dens­ten Bran­chen kam heu­te kaum noch ein Kon­zern ohne eine sol­che Funk­ti­on aus.
Lei­der wa­ren der Zu­schnitt und die hier­ar­chi­sche Po­si­ti­on die­ser Auf­ga­be in vie­len Un­ter­neh­men nicht ein­deu­tig. Je nach Ge­schäftstä­tig­keit setz­ten die Fir­men un­ter­schied­li­che Schwer­punk­te für ihre Com­plian­ce-Of­fi­cer. So wur­den sie zum Bei­spiel bei der Aus­wahl von Ge­schäfts­part­nern, im Qua­li­täts­ma­na­ge­ment oder bei der Kon­trol­le von Mob­bing und Dis­kri­mi­nie­rung ein­ge­setzt.
Hans Graf war vom Auf­sichts­rat sch­licht da­mit be­traut wor­den, da­für zu sor­gen, dass nie­mand in

der Bank durch sein Ge­schäfts­ge­ba­ren heu­te und künf­tig ge­setz­li­che oder ethi­sche Re­geln ver­letz­te. Eine Auf­ga­be, die ihn mehr in Trab hielt, als er an­fangs ge­dacht hat­te. Als er ge­ra­de einen Cappuc­ci­no be­stellt hat­te, be­merk­te er sei­nen Chef Vic­tor Am­rhein, der an ei­nem Eck­tisch saß.
Am­rhein, CEO und maß­geb­li­cher Ein­zelak­tio­när der Spar­bank, war da­für be­rüch­tigt, kei­nem Kon­flikt aus dem Wege zu ge­hen. Erst kürz­lich hat­te er den Vor­stand für das Kre­dit­ge­schäft we­gen per­sön­li­cher Dif­fe­ren­zen un­sanft aus dem Amt ent­fernt. Der Bank­chef ver­füg­te über ein weit­ge­fä­cher­tes Netz­werk an ein­fluss­rei­chen Kon­tak­ten. Sei­ne bis­he­ri­ge Kar­rie­re war steil berg­auf ver­lau­fen. Mit sei­nen 58 Jah­ren nann­te er ein be­trächt­li­ches Ak­ti­en­ver­mö­gen, eine Vil­la mit Blick auf den Zü­rich­see und ein Se­gel­boot sein Ei­gen.
Am­rhein schi­en sich hin­ter dem Wirt­schafts­teil der „Zür­cher All­ge­mei­nen“ ver­schanzt zu ha­ben. Graf hat­te al­ler­dings ein drin­gen­des An­lie­gen, das nicht war­ten konn­te. Mit raum­grei­fen­den Schrit­ten nä­her­te der groß ge­wach­se­ne Ju­rist sich dem Bank­chef. „Grüe­zi, Herr Am­rhein. Ich hof­fe, ich stö­re Sie nicht.“ Er rich­te­te einen scherz­haft-an­kla­gen­den Blick auf Am­rheins Tisch. „Wuss­te gar nicht, dass Sie der­ar­ti­ge Las­ter ha­ben.“ Ne­ben Am­rheins Es­pres­so­tas­se stand ein Tel­ler mit sechs Zimt- Lu­xem­bur­ger­li. Die­se Baiser­halb­ku­geln mit aro­ma­ti­sier­ter But­ter­cre­me­fül­lung wa­ren ech­te Ka­lo­ri­en­bom­ben.
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