Der gelungene Pakt zwischen Geld und Gewissen

ENTWICKLUNGSLÄNDER:

HBM Juli 2007

An­fang 2005 tra­fen wir uns mit dem Auf­sichts­rats­chef ei­ner der welt­größ­ten Ban­ken und un­ter­hiel­ten uns mit ihm über un­ter­neh­me­ri­sche Mög­lich­kei­ten, Arme zu un­ter­stüt­zen. „Ob wir da­bei Ge­winn ma­chen, ist uns egal“, sag­te der Ban­ker knapp. „Der Ge­dan­ke, aus Men­schen Pro­fit zu schla­gen, die we­ni­ger als einen Dol­lar pro Tag ver­die­nen, hat schon et­was Ge­schmack­lo­ses“, mein­te er, ne­ben sei­nem Vor­stands­chef sit­zend. Er kam auf einen Punkt zu spre­chen, der, ohne dass wir es ge­plant hat­ten, zum Haupt­the­ma un­se­rer Un­ter­hal­tung wur­de: Die Bank woll­te ein Pro­gramm auf die Bei­ne stel­len und dann wei­ter aus­bau­en, mit dem Grund­schu­len in ei­nem be­stimm­ten Ent­wick­lungs­land un­ter­stützt wer­den kön­nen. Wir wa­ren über­rascht, dass sich ein Ban­ker den Kopf über ein Pro­blem zer­bricht, das in der Re­gel eher den Ver­ant­wort­li­chen in ge­mein­nüt­zi­gen Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen (NGOs) schlaflo­se Näch­te be­rei­tet.
Eine Wo­che spä­ter ver­brach­ten wir einen Tag mit Ver­tre­tern von drei re­la­tiv klei­nen NGOs in In­di­en. Eine da­von ist auf In­fra­struk­tur­ent­wick­lung und den Wie­der­auf­bau nach Ka­ta­stro­phen

spe­zia­li­siert, die zwei­te kon­zen­triert sich auf den An­bau und die Her­stel­lung von Na­tur­heil­mit­teln, die drit­te schließ­lich un­ter­stützt und berät Un­ter­neh­men in länd­li­chen Ge­gen­den. Zu­sätz­lich be­trei­ben die drei NGOs ge­mein­sam meh­re­re In­itia­ti­ven, bei de­nen rund 50 000 Frau­en ihr Geld spa­ren und Kre­di­te auf­neh­men kön­nen.
Die Or­ga­ni­sa­tio­nen und ihre Be­ra­ter, von de­nen ei­ni­ge aus dem Ma­na­ge­ment ei­nes welt­weit tä­ti­gen Kon­zerns kom­men, ba­ten uns um Hil­fe bei der Ent­schei­dung, wel­che Art von Un­ter­neh­men sie am bes­ten auf­bau­en sol­len. In den Be­rei­chen Bau­we­sen, Kon­sum­gü­ter, Fi­nanz- und Ver­si­che­rungs­dienst­leis­tun­gen so­wie im Ge­sund­heits­sek­tor hat­ten sie be­reits Markt­for­schung be­trie­ben und das Ge­schäfts­po­ten­zi­al aus­ge­lo­tet. Letzt­lich ent­schie­den sich die drei Or­ga­ni­sa­tio­nen da­für, Ver­si­che­rungs­pro­duk­te, Le­bens­mit­tel und sa­ni­täre Ein­rich­tun­gen für Men­schen an­zu­bie­ten, die rund 50 Cent pro Tag ver­die­nen. Wir wa­ren be­ein­druckt, wie stark der Wunsch und die Be­reit­schaft der NGOs wa­ren, Men­schen vor Ort an­zu­wer­ben, um Pro­duk­te her­stel­len und auf dem Markt ver­kau­fen zu kön­nen - ganz im Sti­le klas­si­scher Un­ter­neh­mer.
Wir sind da­von über­zeugt, dass die­se bei­den Be­geg­nun­gen mehr als nur einen zu­fäl­li­gen Rol­len­tausch zei­gen. Sie sym­bo­li­sie­ren eine dau­er­haf­te Ver­schie­bung der Tä­tig­kei­ten von Kon­zer­nen und so­zia­len Or­ga­ni­sa­tio­nen, viel­leicht so­gar eine Ver­än­de­rung der ge­gen­sei­ti­gen Wahr­neh­mung die­ser bei­den Grup­pen. Die­se Be­haup­tung mag ver­blüf­fend klin­gen. Seit den Pro­tes­ten von Glo­ba­li­sie­rungs­geg­nern in Se­att­le und Da­vos Ende der 90er Jah­re ha­ben vie­le den Ein­druck, dass die Kluft zwi­schen Pri­vat­wirt­schaft und Zi­vil­ge­sell­schaft, wie die NGOs auch be­zeich­net wer­den, grö­ßer wird. Im­mer mehr Re­gie­run­gen las­sen trotz der Pro­tes­te zi­vil­ge­sell­schaft­li­cher Grup­pen aus­län­di­sche Di­rek­tin­ves­ti­tio­nen ins Land und trei­ben die Pri­va­ti­sie­rung vor­an. Un­ter­des­sen sind Un­ter­neh­men, be­son­ders in­ter­na­tio­na­le Groß­kon­zer­ne aus dem Wes­ten, in ein schlech­tes Licht ge­ra­ten. Skan­da­le wie der Bi­lanz­be­trug bei En­ron, In­si­der­han­del bei Word­com oder Pro­ble­me mit der Un­ter­neh­mensauf­sicht bei Hew­lett-Packard ha­ben das Ver­trau­en der Ge­sell­schaft in die mo­der­nen Kon­zer­ne er­schüt­tert, ganz zu schwei­gen von den Kon­tro­ver­sen bei Nike, Shell oder McDonald's um so­zia­le so­wie ge­sund­heits- und um­welt­be­zo­ge­ne The­men.
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