So wappnen Sie sich gegen Gefahren

RISIKOMANAGEMENT:

HBM April 2007

Am 1. Fe­bru­ar 2003 er­leb­ten Mil­lio­nen ent­setz­ter Zu­schau­er vor den Fern­seh­schir­men in al­ler Welt mit, wie die Raum­fäh­re Co­lum­bia zer­barst, als sie wie­der in die Er­dat­mo­sphä­re ein­trat. Sie­ben Astro­nau­ten fan­den den Tod. Eine ge­naue­re Un­ter­su­chung der Ka­ta­stro­phe ent­hüll­te die Ur­sa­che: Be­reits beim Start hat­te sich ein großes Stück des Iso­lier­schut­zes aus Hart­schaum vom Au­ßen­tank des Shutt­les ge­löst und die Un­ter­sei­te der lin­ken Trag­flä­che be­schä­digt. 16 Tage spä­ter führ­te das zu dem Un­fall.
Ei­ni­ge der Kri­ti­ker be­män­gel­ten da­mals, die un­ter zi­vi­ler Lei­tung ste­hen­de Welt­raum­be­hör­de Nasa habe es ver­säumt, wäh­rend des Flugs der Raum­fäh­re ener­gisch auf die Be­schä­di­gung durch das Iso­lier­ma­te­ri­al zu rea­gie­ren. Dar­in zei­ge sich, wie ver­ant­wor­tungs­los und in­kom­pe­tent die zu­stän­di­gen Ma­na­ger sei­en. Die Er­geb­nis­se un­se­rer Nach­for­schun­gen le­gen je­doch nahe, dass die Nasa ei­nem na­tür­li­chen, wenn auch ver­häng­nis­vol­len Ver­hal­tens­mus­ter folg­te, das in vie­len an­de­ren Or­ga­ni­sa­tio­nen und Un­ter­neh­men weit ver­brei­tet ist.
Der Scha­den durch das Iso­lier­ma­te­ri­al ist ein ty­pi­sches Bei­spiel für ein un­kla­res Warn­si­gnal. Es kann auf einen künf­ti­gen Scha­den hin­deu­ten - muss es aber nicht un­be­dingt. Ei­ni­ge ernst zu neh­men­de Be­dro­hun­gen - etwa die Ge­fahr ei­nes schwe­ren Erd­be­bens in Ka­li­for­ni­en - sind

of­fen­sicht­lich. Die Re­ak­ti­on dar­auf ist klar: Un­ter­neh­men kön­nen die Sta­bi­li­tät ih­rer Ge­bäu­de ver­bes­sern und Si­che­rungs­sys­te­me ein­rich­ten. In an­de­ren Fäl­len - etwa bei der furcht­ba­ren Ex­plo­si­on des Sau­er­stofftanks wäh­rend des Flugs der Apol­lo 13 - ist zwar die Ge­fahr of­fen­sicht­lich, nicht je­doch, wel­che Re­ak­ti­on an­ge­mes­sen wäre. Bei sol­chen Er­eig­nis­sen su­chen die Be­trof­fe­nen in der Re­gel in­ten­siv nach ei­ner Lö­sung des Pro­blems.
Die ge­fähr­lichs­ten Si­tua­tio­nen tre­ten al­ler­dings vor al­lem dann auf, wenn die Ge­fahr nicht deut­lich zu­ta­ge tritt und auf den ers­ten Blick kein er­kenn­ba­rer Zu­sam­men­hang zwi­schen Ur­sa­che und Wir­kung be­steht. In die­sem Fall nei­gen Ma­na­ger dazu, das Ri­si­ko ganz be­wusst zu igno­rie­ren oder es als ge­ring­fü­gig ein­zu­stu­fen und erst ein­mal ab­zu­war­ten, was wirk­lich ge­schieht. Eine sol­che Hal­tung kann je­doch ka­ta­stro­pha­le Fol­gen ha­ben.
Als der Iso­lier­schaum auf die Trag­flä­che prall­te, hat­ten Nasa-Mit­ar­bei­ter, die den Start be­auf­sich­tig­ten, kei­ne kla­re Vor­stel­lung da­von, wel­cher Scha­den dar­aus ent­ste­hen könn­te. Die zu­stän­di­gen Tech­ni­ker hat­ten den Ein­schlag be­merkt, als sie die Vi­deoauf­zeich­nun­gen des Starts rou­ti­ne­mä­ßig aus­wer­te­ten. Aber un­glück­li­cher­wei­se ließ sich das Aus­maß des Scha­dens nicht op­ti­mal be­ur­tei­len, weil die Ka­me­ra­per­spek­ti­ve un­glück­lich war. Die lei­ten­den Ma­na­ger spiel­ten die Ge­fahr her­un­ter und mein­ten, ab­ge­ris­se­ne Iso­lier­schaum­tei­le hät­ten zwar Schä­den, aber nie grö­ße­re Un­fäl­le ver­ur­sacht. Ei­ni­ge der In­ge­nieu­re wa­ren den­noch be­sorgt. Sie wie­sen dar­auf hin, dass es sich um den hef­tigs­ten je­mals be­ob­ach­te­ten Ein­schlag han­del­te, und ba­ten dar­um, zu­sätz­lich Sa­tel­li­ten­bil­der von der be­trof­fe­nen Stel­le zu se­hen. Die Top­ma­na­ger lehn­ten die­sen Wunsch nach wei­te­ren In­for­ma­tio­nen ab. Au­ßer­dem ent­schied das Ma­na­ge­ment, dass die Astro­nau­ten die Raum­fäh­re wäh­rend des Flug­es nicht ver­las­sen soll­ten. Das aber hät­te sie in die Lage ver­setzt, den Scha­den zu be­gut­ach­ten oder viel­leicht so­gar zu re­pa­rie­ren.
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