Wann Manager mutig sein müssen

ENTSCHEIDUNGEN:

HBM März 2007

Der Vice Pre­si­dent ei­nes Ge­schäfts­be­reichs weist den Vor­stand des Kon­zerns auf Kor­rup­ti­on in der Fir­ma hin. Eine jun­ge Ma­na­ge­rin lehnt es ab, am Lieb­lings­pro­jekt ih­res Chefs mit­zu­wir­ken, weil sie fürch­tet, es wer­de die Fir­ma in Miss­kre­dit brin­gen. Der Vor­stands­vor­sit­zen­de drängt den Auf­sichts­rat ge­gen den Wi­der­stand ei­ni­ger mäch­ti­ger Kol­le­gen zu ei­ner er­heb­li­chen In­ves­ti­ti­on in um­welt­freund­li­che Tech­nik. Fäl­le wie die­se er­eig­nen sich tag­täg­lich in Un­ter­neh­men in al­ler Welt. Was treibt Füh­rungs­kräf­te zu solch hoch­ris­kan­ten, oft mu­ti­gen Hand­lun­gen?
Der ame­ri­ka­ni­sche Se­na­tor und eins­ti­ge Kriegs­ge­fan­ge­ne John Mc­Cain hat Mut de­fi­niert als „die­sen sel­te­nen Mo­ment der Ein­heit zwi­schen Ge­wis­sen, Angst und Tat, wenn et­was, das tief in uns steckt, den Fun­ken der Lie­be, der Ehre, der Pflicht ent­zün­det, um das Feu­er un­se­rer Ent­schlos­sen­heit zu ent­fa­chen“. Die­se De­fi­ni­ti­on ruft das Bild des ein­sa­men Hel­den her­vor, der - in­stink­tiv, spon­tan und al­len Wid­rig­kei­ten trot­zend - die Din­ge in die Hand nimmt und für die Tu­gend ein­steht.
Ge­wiss, zu­wei­len ist Mut eine Fra­ge von Le­ben und Tod. Am 11. Sep­tem­ber 2001 ris­kier­ten Po­li­zei­be­am­te und Feu­er­wehr­leu­te ihr Le­ben, um Men­schen zu ret­ten; nach dem ge­wal­ti­gen Ts­un­a­mi 2004 spran­gen Men­schen in die Flu­ten, um Frem­de vor dem Er­trin­ken zu be­wah­ren.
Seit 25 Jah­ren er­for­sche ich das mensch­li­che Ver­hal­ten in Or­ga­ni­sa­tio­nen und habe da­bei fest­ge­stellt,

dass Mut im Ge­schäfts­le­ben nur sel­ten in die­ser Form auf­tritt. Ich habe In­ter­views mit mehr als 200 Top­ma­na­gern und Füh­rungs­kräf­ten der mitt­le­ren Ebe­ne ge­führt, die cou­ra­giert ge­han­delt ha­ben - ob im Sin­ne der Ge­sell­schaft, ih­rer Un­ter­neh­men, ih­rer Kol­le­gen oder ih­rer ei­ge­nen Kar­rie­re. Da­bei habe ich er­fah­ren, dass mu­ti­ges Han­deln nur sel­ten im­pul­siv ist. Der Mut die­ser Ma­na­ger kam auch nicht aus dem Nichts.
Im Ge­schäfts­le­ben ist mu­ti­ges Han­deln in Wahr­heit eine be­son­de­re Art, kal­ku­lier­te Ri­si­ken ein­zu­ge­hen. Gute Füh­rungs­kräf­te zei­gen eine über­durch­schnitt­li­che Be­reit­schaft, küh­ne Schrit­te zu tun, aber sie ver­bes­sern ihre Er­folg­schan­cen und ver­mei­den den Kar­rie­re­selbst­mord, in­dem sie sorg­fäl­tig ab­wä­gen und sich vor­be­rei­ten. Mut im Ge­schäfts­le­ben ist we­ni­ger die an­ge­bo­re­ne Cha­rak­terei­gen­schaft vi­sio­närer Füh­rungs­per­sön­lich­kei­ten als viel­mehr eine Fä­hig­keit, die sich die­se in Ent­schei­dungs­pro­zes­sen an­eig­nen und die sich durch Übung ver­bes­sert. Mit an­de­ren Wor­ten: Die meis­ten großen Lea­der ler­nen - oft über Jahr­zehn­te -, Ent­schei­dun­gen mit ho­hem Ri­si­ko zu tref­fen.
Wer die­ses Spiel in­tel­li­gent spie­len möch­te, soll­te das be­herr­schen, was ich die „Mut­kal­ku­la­ti­on“ (Cou­ra­ge Cal­cu­la­ti­on) nen­ne: eine Me­tho­de, den Er­folg wahr­schein­li­cher zu ma­chen und zu­gleich un­be­dach­tes oder un­pro­duk­ti­ves Ver­hal­ten zu ver­mei­den. Die­se Mut­kal­ku­la­ti­on um­fasst sechs Schrit­te: Als Ers­tes müs­sen Zie­le fest­ge­legt und prio­ri­siert wer­den; im zwei­ten Schritt müs­sen Ma­na­ger be­wer­ten, wie wich­tig es für sie per­sön­lich ist, die Zie­le zu er­rei­chen; sie müs­sen drit­tens ab­schät­zen, wie sie die Macht­ba­lan­ce zum ei­ge­nen Vor­teil ver­schie­ben kön­nen; vier­tens müs­sen sie Ri­si­ken und Chan­cen ab­wä­gen; fünf­tens den ge­eig­ne­ten Zeit­punkt zum Han­deln wäh­len; und sechs­tens für den Not­fall pla­nen.
Jetzt kaufen
© Harvard Business Manager
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
Inhalt

Abbildungen und Diagramme

Bilder:
0
Infografiken:
0

Textumfang

Seiten:
13
Zeichen:
29.267
Nachdrucknummer:
200703030
Nachdrucke
Nachdrucke in Medien aller Art
Seitenpreise ab 360 Euro je nach Auflage

Nutzungsrechte im PDF-Format
Ohne Fotos und Illustrationen. Für die Verwendung bei betriebsinternen Fortbildungen, Kundenbroschüren, im Intranet und firmeninternen Pressespiegel: Preisberechnung pro Exemplar beziehungsweise pro Nutzer je nach Auflage.

Sonderdrucke
Möglich ab 500 Exemplaren, Preise auf Anfrage.
Ein Beispiel finden Sie hier.

Nachdrucke von Illustrationen
© Harvard Business Manager: Preise auf Anfrage

Alle Preise verstehen sich zuzüglich Mehrwertsteuer und gegebenenfalls Versandkosten.

Für Artikel mit Copyrightvermerk "Harvard Business School Publishing" gelten besondere urheberrechtliche Bedingungen, die wir Ihnen auf Anfrage gern erläutern.
Hier können Sie nach den Lizenz-Bedingungen fragen.

Alle Themen
ANZEIGE
Nach oben