Richtig oder falsch?

FALLSTUDIE:

HBM April 2006

Als Don Rif­kin an die­sem kal­ten Ja­nu­ar­mor­gen auf­wach­te, be­gann es über Min­nea­po­lis ge­ra­de erst zu däm­mern. Mit je­der Fa­ser sei­nes Kör­pers sehn­te er sich da­nach, die De­cke über den Kopf zu zie­hen und ein­fach wei­ter­zu­schla­fen. Doch der We­cker kann­te kei­ne Gna­de. Nach ei­nem Schlag auf den Aus-Knopf warf er sich sei­nen ex­tragroßen tür­ki­schen Ba­de­man­tel über, sch­lich sich aus dem Schlaf­zim­mer und schloss die Tür lei­se hin­ter sich, um sei­ne Frau nicht zu we­cken. Don Rif­kin tapp­te in die Kü­che und schal­te­te die Kaf­fee­ma­schi­ne ein.
Ver­schla­fen ließ er sich am Kü­chen­tisch nie­der, star­te­te sei­nen Lap­top und warf als Ers­tes einen kur­z­en Blick in sei­nen Lieb­lings­bör­sen­chat. In der Lis­te der Ein­trä­ge fiel ihm ein ro­tes Aus­ru­fe­zei­chen ne­ben dem Na­men Stan und der Über­schrift „Schlech­te Nach­rich­ten!“ auf. Der Ein­trag ver­schlug ihm den Atem.
"Hat schon je­mand mit­be­kom­men, dass Wal­ly Cum­mings ge­ra­de bei Di­pen­sit zu­rück­ge­tre­ten ist? Sieht so aus, als hät­te er sei­nen Le­bens­lauf ge­fälscht.

Er hat nie einen Dok­tor­ti­tel von der Uni­ver­si­tät Ber­ke­ley er­hal­ten, wie er be­haup­tet hat­te! Wenn das pu­blik wird, geht der Ak­ti­en­kurs ra­pi­de in den Kel­ler."
Don Rif­kin hat­te plötz­lich ein leicht flau­es Ge­fühl im Ma­gen. Ein Jahr zu­vor hat­te sei­ne ei­ge­ne Fir­ma Nu­tro­rim einen klei­nen An­teil an Di­pen­sit er­wor­ben. „O Mann. Ich habe dem Kerl nie rich­tig über den Weg ge­traut“, brumm­te Rif­kin.
Ihm fiel wie­der ein, wie rei­bungs­los der gan­ze Ent­schei­dungs­pro­zess da­mals ab­ge­lau­fen war, als sich Lau­rence Wi­se­man, der ener­gi­sche Fi­nanz­chef von Nu­tro­rim, für den Kauf der Di­pen­sit-Ak­ti­en stark ge­macht hat­te. Er war fest da­von über­zeugt ge­we­sen, dass das klei­ne Un­ter­neh­men her­vor­ra­gend für eine spä­te­re Über­nah­me ge­eig­net war. Es war ein Aus­schuss ge­bil­det wor­den, der die Kauf­ent­schei­dung sorg­fäl­tig prü­fen soll­te. Rif­kin er­in­ner­te sich noch vage dar­an, dass es ein paar Be­den­ken ge­ge­ben hat­te. Je­mand hat­te so­gar die Qua­li­fi­ka­ti­on von Cum­mings, dem Chef des Start-ups, in Fra­ge ge­stellt. Doch letz­ten En­des hat­te der Aus­schuss of­fen­bar alle Be­den­ken aus­ge­räumt, und die Ge­schäfts­füh­rung stand hin­ter der Ent­schei­dung.
Don Rif­kin wi­ckel­te den Ba­de­man­tel en­ger um sich. Im ver­gan­ge­nen Jahr hat­te Nu­tro­rim un­ter ei­ner Flut von Fehl­ent­schei­dun­gen ge­lit­ten. Ge­nau dar­um soll­te es beim heu­ti­gen Tref­fen ge­hen. Ein ex­ter­ner Be­ra­ter, der die Ent­schei­dungs­pro­zes­se im Un­ter­neh­men un­ter die Lupe neh­men soll­te, wür­de an die­sem Mor­gen sei­ne Er­geb­nis­se aus den Ein­zel­ge­sprä­chen mit den Füh­rungs­kräf­ten vor­stel­len.
Eine große Fa­mi­lie
Noch im ver­gan­ge­nen Früh­jahr war für Nu­tro­rim al­les bes­tens ge­lau­fen. Das 1986 von ei­nem Bio­bau­ern und sei­ner Frau ge­grün­de­te Un­ter­neh­men hat­te sei­ne Pro­duk­te über ein Netz ein­zel­ner Ver­trie­bs­händ­ler ver­kauft, bis Don Rif­kin 1989 als CEO in das Un­ter­neh­men ge­kom­men war. Dank ei­ner Rei­he von Emp­feh­lun­gen durch Ärz­te und Fit­ness­trai­ner wa­ren Nu­tro­rims Pro­duk­te im gan­zen Land be­kannt ge­wor­den. Die Um­sät­ze wa­ren je­doch erst rich­tig in die Höhe ge­schnellt, nach­dem ein be­kann­ter Olym­pia-Ath­let das Nu­tro­rim-Pro­dukt Char­geUp an­ge­prie­sen hat­te. Char­ge-Up war ein leis­tungs­stei­gern­des Pul­ver zur Nah­rungs­er­gän­zung, das aus bio­lo­gisch an­ge­bau­ten In­haltss­tof­fen be­stand. Dar­auf­hin hat­te Nu­tro­rim hun­der­te neu­er Mit­ar­bei­ter ein­ge­stellt die Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tät er­wei­tert und zwei Vit­amin­her­stel­ler über­nom­men. Nach dem Bör­sen­gang 1997 war der Ver­trieb von Char­geUp durch ex­klu­si­ve Ver­trä­ge mit Fach­ge­schäf­ten für Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel und Sport­clubs aus­ge­dehnt wor­den, und 2002 ver­zeich­ne­te Char­geUp die bes­ten Ver­kaufs­zah­len auf dem Markt für leis­tungs­stei­gern­de Sport­prä­pa­ra­te.
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