„Schnell, sicher, richtig“

GESPRÄCH:

HBM April 2006

Pas­siert auf dem Platz ein Foul, er­tönt auch schon Ihr Pfiff. Wie tref­fen Sie Ent­schei­dun­gen in nur ei­ner Se­kun­de?
Merk Das, was Sie abends im Fern­se­hen se­hen, sind nur win­zi­ge Aus­schnit­te mei­ner Ar­beit: Ich zei­ge auf den Elf­me­ter­punkt; ich zücke die rote Kar­te. Auf dem Platz pas­sie­ren aber per­ma­nent Din­ge, die der Zu­schau­er gar nicht mit­be­kommt, und ich muss eine Sum­me vie­ler Klei­nig­kei­ten im Auge be­hal­ten. Die Ent­schei­dun­gen, die ich dann in kür­zes­ter Zeit tref­fe, sind oft das Er­geb­nis ei­ner sehr ge­nau­en Ana­ly­se.
Wie mei­nen Sie das? Im Grun­de müs­sen Sie doch nur die Ein­hal­tung der Re­geln über­wa­chen.
Merk Auf den ers­ten Blick sieht das viel­leicht so aus. Es ist aber eine völ­lig falsche, wenn auch weit ver­brei­te­te Vor­stel­lung vom Job des Schieds­rich­ters. Si­cher sind die Re­geln wich­tig. Spie­ler, Trai­ner und Zu­schau­er ken­nen sie, und sie sind ab­so­lut bin­dend. Das Re­gel­werk bil­det das Dach mei­ner Tä­tig­keit.
Es ist aber nicht mei­ne Auf­ga­be, über je­man­den zu rich­ten. Schon die Be­zeich­nung Schieds­rich­ter ist in­so­fern ir­re­füh­rend. Es geht viel­mehr dar­um, ein Spiel zu lei­ten. Ein Ma­na­ger heißt ja auch nicht Un­ter­neh­mens­rich­ter, son­dern Un­ter­neh­mens­lei­ter. Was ich da auf dem Ra­sen tue, ist mit dem Ma­na­ge­ment in Un­ter­neh­men durch­aus ver­gleich­bar. Mein ak­tu­el­les Pro­jekt ist das je­wei­li­ge Spiel. Mei­ne Sta­ke­hol­der sind die Spie­ler, die Trai­ner und das Pu­bli­kum. Die Be­zeich­nung Spiel­lei­ter wür­de mir und mei­nen Kol­le­gen da­her viel bes­ser ge­fal­len.
Was zeich­net einen gu­ten Spiel­lei­ter in Ih­rem Sin­ne aus?
Merk Er bringt vor al­len Din­gen sehr viel Er­fah­rung mit. Ich habe be­reits mit zwölf Jah­ren an­ge­fan­gen, Spie­le zu pfei­fen. Mir fällt es heu­te deut­lich leich­ter als frü­her, wahr­zu­neh­men und ein­zu­ord­nen, was auf dem Spiel­feld pas­siert. Das liegt dar­an, dass ich im Lau­fe der Jah­re eine Fül­le von Spiel­si­tua­tio­nen in mei­nem Kopf ab­ge­spei­chert habe. Und zwar zum einen die Stan­dard­si­tua­tio­nen, wie etwa Zwei­kämp­fe, aber auch Ex­trem­si­tua­tio­nen. Ich spü­re re­la­tiv schnell, ob die At­mo­sphä­re auf dem Platz ag­gres­siv oder ent­spannt ist und wie ich da­mit je­weils um­ge­hen muss. Das hat zum Bei­spiel Ein­fluss dar­auf, ob ich schon klei­ne Fouls im Mit­tel­feld pfei­fe oder ob ich das Spiel eher lau­fen las­se.
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