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UNTERNEHMENSFÜHRUNG:

HBM April 2006

Eine küh­ne neue Den­krich­tung hat das Esta­blis­h­ment der Me­di­zin im ver­gan­ge­nen Jahr­zehnt im Sturm er­obert: die Vor­stel­lung, dass Ent­schei­dun­gen im me­di­zi­ni­schen Be­reich auf dem neues­ten und bes­ten Wis­sen be­ru­hen soll­ten. Dr. Da­vid Sackett, der wie kaum ein an­de­rer für die „evi­denz­ba­sier­te Me­di­zin“ steht, de­fi­niert die­se als „den ge­wis­sen­haf­ten, aus­drück­li­chen und ver­nünf­ti­gen Ein­satz der der­zeit bes­ten Er­kennt­nis­se bei der Ent­schei­dung über die Be­hand­lung ei­nes Pa­ti­en­ten“. Sackett, sei­ne Kol­le­gen an der Mc­Mas­ter Uni­ver­si­ty im ka­na­di­schen On­ta­rio und die wach­sen­de Zahl von Ärz­ten, die sich die­ser Be­we­gung an­ge­schlos­sen ha­ben, en­ga­gie­ren sich da­für, For­schung zu iden­ti­fi­zie­ren, zu ver­brei­ten und vor al­lem an­zu­wen­den, die gründ­lich durch­ge­führt wur­de und kli­nisch re­le­vant ist.
Das al­les kommt Ih­nen lach­haft vor? Sie möch­ten ein­wen­den: Wo­von sonst soll­ten ärzt­li­che Ent­schei­dun­gen ge­lei­tet sein, wenn nicht von ak­tu­el­lem Wis­sen? Dann ha­ben Sie be­dau­erns­wert nai­ve Vor­stel­lun­gen da­von, wie Ärz­te ih­ren Be­ruf tra­di­tio­nell aus­üben. Si­cher, es wird ge­forscht - je­des Jahr wer­den tau­sen­de Stu­di­en zu me­di­zi­ni­schen Me­tho­den und Pro­duk­ten durch­ge­führt -, nur lei­der ma­chen die Ärz­te kaum Ge­brauch da­von. Wie neue­re Un­ter­su­chun­gen zei­gen, ba­sie­ren le­dig­lich rund 15 Pro­zent der Ent­schei­dun­gen von Ärz­ten auf wis­sen­schaft­li­chen Er­kennt­nis­sen. Statt­des­sen ver­las­sen sich die Me­di­zi­ner in den meis­ten Fäl­len auf ver­al­te­tes Wis­sen, das sie sich im Stu­di­um an­ge­eig­net

ha­ben, auf tra­di­tio­nel­le Me­tho­den, de­ren Er­folg nie be­wie­sen wur­de, auf Er­fah­rung und Glau­ben so­wie auf In­for­ma­tio­nen, die ih­nen Le­gio­nen von Ver­tre­tern ein­imp­fen.
Das glei­che Ver­hal­ten fin­det sich auch bei Ma­na­gern, die nach Heil­mit­teln ge­gen die Krank­hei­ten ih­rer Un­ter­neh­men su­chen. Doch Ma­na­ger, so un­se­re The­se, sche­ren sich noch weit we­ni­ger als Ärz­te dar­um, auf wel­che Me­tho­den Ver­lass ist - und be­mü­hen sich noch we­ni­ger dar­um, es her­aus­zu­fin­den. Wür­den Ärz­te ih­ren Be­ruf so aus­üben wie die Ma­na­ger in vie­len Un­ter­neh­men, gäbe es wei­taus mehr un­nö­tig Kran­ke oder To­des­fäl­le und noch mehr Ärz­te sä­ßen hin­ter Git­tern oder ver­büß­ten an­de­re Stra­fen für Be­hand­lungs­feh­ler.
Es ist an der Zeit, auch in den Rei­hen der Füh­rungs­kräf­te eine Be­we­gung in Gang zu set­zen, die es sich zur Pflicht macht, neues­tes Wis­sen zu be­rück­sich­ti­gen. Zu­ge­ge­ben, in man­cher Hin­sicht ist dies im Ma­na­ge­ment schwie­ri­ger als in der Me­di­zin (sie­he Kas­ten Sei­te 48/49). Die em­pi­ri­schen Be­wei­se sind schwä­cher, fast je­der kann sich als Ma­na­ge­men­t­ex­per­te be­zeich­nen (und vie­le tun es), und eine be­fremd­li­che Viel­falt an Quel­len - Sha­ke­s­pea­re, Pre­di­ger wie Bil­ly Gra­ham, Ma­na­ger­le­gen­den wie Jack Welch, Kampf­jet­pi­lo­ten, der Weih­nachts­mann oder der Hun­nen­kö­nig At­ti­la - muss da­für her­hal­ten, Ma­na­gern Rat zu er­tei­len.
Da die Un­ter­schie­de zwi­schen Un­ter­neh­men - etwa im Hin­blick auf Grö­ße, Form und Al­ter - sehr viel grö­ßer sind als die zwi­schen Men­schen, ist es in der Wirt­schaft noch wei­taus ris­kan­ter als in der Me­di­zin an­zu­neh­men, ein auf ei­nem be­stimm­ten Ge­biet ent­wi­ckel­tes und er­prob­tes „Heil­ver­fah­ren“ könn­te auch in ei­nem an­de­ren Be­reich wirk­sam sein. Den­noch leuch­tet es ein: Un­ter­neh­men, de­ren Füh­rungs­kräf­te an­hand bes­se­rer Ar­gu­men­te ent­schei­den und auf Grund bes­se­ren Wis­sens han­deln, wer­den ihre Wett­be­wer­ber aus­ste­chen. Des­halb ha­ben wir un­se­re For­schungs­be­mü­hun­gen, ins­be­son­de­re in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren, der Su­che nach dem bes­ten Wis­sen über Un­ter­neh­mens­füh­rung ge­wid­met. Wir wol­len Ma­na­gern die rich­ti­gen Denk­wei­sen und Me­tho­den ver­mit­teln, um „evi­denz­ba­sier­tes Ma­na­ge­ment“ zu prak­ti­zie­ren.
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