Kliniken optimieren - Leben retten

KRANKENHAUSMANAGEMENT:

HBM Januar 2006

Weih­nach­ten 2004 brach­te eine glück­li­che 32-jäh­ri­ge Bel­gie­rin eine ge­sun­de Toch­ter zur Welt. Dar­an mag nichts Un­ge­wöhn­li­ches sein - au­ßer dass bei der Frau sie­ben Jah­re zu­vor ein bös­ar­ti­ger Tu­mor des Lym­ph­sys­tems (Hodg­kin-Lym­phom) fest­ge­stellt wor­den war. Weil die Ärz­te fürch­te­ten, sie kön­ne durch die Che­mo-the­ra­pie un­frucht­bar wer­den, ent­fern­ten sie ihre Ei­er­stö­cke und fro­ren sie ein. Als die Frau kei­ne Kre­bs­sym­pto­me mehr hat­te, tau­ten die Me­di­zi­ner das Ge­we­be wie­der auf und ver­pflanz­ten es zu­rück in ih­ren Un­ter­leib. Nach die­ser Ope­ra­ti­on wur­de die Frau schwan­ger und be­kam ihre Toch­ter.
Der­ar­ti­ge me­di­zi­ni­sche Wun­der - Fort­schrit­te bei der Be­hand­lung von Un­frucht­bar­keit und Herz­krank­hei­ten, bei Heil­mit­teln für Kre­bs und im Um­gang mit Aids - wer­den so all­täg­lich, dass wir sie für selbst­ver­ständ­lich hal­ten. Trotz­dem hält das ame­ri­ka­ni­sche Ge­sund­heits­sys­tem oft nicht, was die Me­di­zin ver­spricht. Vie­len Men­schen wird eine an­ge­mes­se­ne Für­sor­ge vor­ent­hal­ten, und für die­je­ni­gen, die be­han­delt wer­den, kann die Be­hand­lung schlim­me­re Fol­gen ha­ben als ihre Krank­heit.
Laut Stu­di­en, die das In­sti­tu­te of Me­di­ci­ne aus­ge­wer­tet hat, ster­ben in ame­ri­ka­ni­schen Kran­ken­häu­sern jähr­lich 98 000 Pa­ti­en­ten durch me­di­zi­ni­sche Feh­ler. Laut an­de­ren Stu­di­en stirbt etwa die glei­che Zahl Pa­ti­en­ten an In­fek­tio­nen, die sie sich im Kran­ken­haus zu­ge­zo­gen ha­ben. Die staat­li­che Be­hör­de zum Schutz der Be­völ­ke­rung vor Krank­hei­ten und Seu­chen (CDC, Cen­ters for Di­sea­se Con­trol and Pre­ven­ti­on) schätzt, dass sich pro Pa­ti­ent, der durch einen me­di­zi­ni­schen Feh­ler oder an ei­ner In­fek­ti­on stirbt, fünf bis zehn wei­te­re Pa­ti­en­ten mit ei­ner nicht töd­li­chen Krank­heit an­ste­cken. Bei un­ge­fähr 33,6 Mil­lio­nen Men­schen, die in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten pro Jahr ins Kran­ken­haus ein­ge­wie­sen wer­den, heißt das, dass 88 von 1000 Pa­ti­en­ten als Fol­ge der Be­hand­lung ver­letzt oder in­fi­ziert wer­den und sechs mög­li­cher­wei­se ster­ben. An­ders ge­sagt: In den 15 bis 20 Mi­nu­ten, die Sie brau­chen, um die­sen Ar­ti­kel zu le­sen, ster­ben in Ame­ri­ka fünf bis sie­ben Pa­ti­en­ten an Be­hand­lungs­feh­lern und In­fek­tio­nen, die sie sich im Kran­ken­haus zu­ge­zo­gen ha­ben, und 85 bis 113 Pa­ti­en­ten wer­den in die­sem Zeit­raum ver­letzt. Lu­ci­an Lea­pe, Ex­per­te für Si­cher­heit in der

Ge­sund­heits­für­sor­ge, ver­gleicht das Ri­si­ko ei­nes Auf­ent­halts in ei­nem ame­ri­ka­ni­schen Kran­ken­haus mit dem ei­nes Fall­schirm­sprungs von ei­nem Ge­bäu­de.
Wie ist das mög­lich in ei­nem Land, das me­di­zi­nisch welt­weit füh­rend ist? Am man­geln­den In­ter­es­se der Pfle­ge­kräf­te liegt es nicht. Im Ge­gen­teil: Im Ge­sund­heits­we­sen ar­bei­ten nor­ma­ler­wei­se in­tel­li­gen­te und gut aus­ge­bil­de­te Men­schen, die ih­ren Be­ruf be­wusst ge­wählt ha­ben, um zu hei­len und zu trös­ten. Viel­leicht glau­ben des­halb vie­le po­li­ti­sche Ent­schei­der und Ma­na­ge­ment­pro­fes­so­ren, dass die ame­ri­ka­ni­sche Ge­sund­heits­für­sor­ge an zu viel Re­gu­lie­rung und Markt­ver­sa­gen krankt. Das Ver­sa­gen des Mark­tes lie­ge ih­rer Mei­nung nach an In­sti­tu­tio­nen und Pro­zes­sen, die von Ge­set­zen und Ge­wohn­hei­ten be­stimmt wer­den. Folg­lich wäre die Stär­kung der Markt­me­cha­nis­men das best­mög­li­che Re­zept, um die Pro­ble­me des ame­ri­ka­ni­schen Ge­sund­heits­sys­tems zu ku­rie­ren. Zum Bei­spiel könn­ten Ärz­te ent­spre­chend ih­ren Be­hand­lungs­er­geb­nis­sen statt ih­ren Pa­ti­en­ten­zah­len ent­lohnt wer­den. Oder Ar­beit­ge­ber, Ein­zel­per­so­nen und Ver­si­che­rer könn­ten schnel­ler über die Ef­fek­ti­vi­tät von Dienst­leis­tern des Ge­sund­heits­we­sens in­for­miert wer­den.
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