Was ist die Ma­na­ge­raus­bil­dung noch wert?

KARRIERE:

HBM August 2005

Die ame­ri­ka­ni­schen Busi­ness Schools ha­ben einen falschen Weg ein­ge­schla­gen. Über vie­le Jah­re ge­nos­sen die MBA-Pro­gram­me (Mas­ter of Busi­ness Ad­mi­nis­tra­ti­on) einen her­vor­ra­gen­den Ruf in der aka­de­mi­schen Welt und ein wach­sen­des Pres­ti­ge in der Wirt­schaft. Die Zu­las­sungs­pro­ze­du­ren wur­den im­mer se­lek­ti­ver, die Ein­stiegs­ge­häl­ter der Ab­sol­ven­ten klet­ter­ten in Schwin­del er­re­gen­de Hö­hen. Heu­te je­doch wer­den die MBA-Pro­gram­me har­sch kri­ti­siert, weil sie es ver­säu­men, nütz­li­che Fä­hig­kei­ten zu ver­mit­teln, Füh­rungs­kräf­te an­ge­mes­sen vor­zu­be­rei­ten und Nor­men für ethi­sches Ver­hal­ten zu ver­mit­teln - ja, sie schaf­fen es nicht ein­mal mehr, ih­ren Ab­sol­ven­ten zu gu­ten Jobs zu ver­hel­fen.
Die­se Kri­tik kommt nicht nur von Sei­ten der Stu­den­ten, Ar­beit­ge­ber und Me­di­en, son­dern so­gar aus den ei­ge­nen Rei­hen: von den De­ka­nen der re­nom­mier­tes­ten Busi­ness Schools Ame­ri­kas, ein­schließ­lich Di­pak Jain von der Kel­logg School of Ma­na­ge­ment der Nor­thwes­tern Uni­ver­si­ty, im­mer­hin eine ver­läss­li­che An­füh­re­rin der Ranglis­ten.
Ei­ner der un­ver­blüm­ten Kri­ti­ker, Pro­fes­sor Hen­ry Mintz­berg von der ka­na­di­schen Mc­Gill Uni­ver­si­ty, wirft den Busi­ness Schools vor al­lem pra­xis­fer­ne MBA-Lehr­plä­ne vor. Neh­men wir die ge­gen­wär­tig sehr zahl­rei­chen Re­form­be­mü­hun­gen als In­diz, schei­nen vie­le De­ka­ne sei­nem Vor­wurf zu­zu­stim­men. Den­noch liegt eine ech­te Re­form des MBA-Cur­ri­cu­lums in wei­ter Fer­ne, was wir dar­auf zu­rück­füh­ren, dass das Cur­ri­cu­lum das Er­geb­nis und nicht die Ur­sa­che der Pro­ble­me ist, die die Busi­ness Schools von heu­te pla­gen.
Die ei­gent­li­che Ur­sa­che der Kri­se in der Ma­na­ge­men­t­aus­bil­dung ist viel weit rei­chen­der und soll­te in der dra­ma­ti­schen

Ver­schie­bung der Hoch­schul­kul­tur ge­sucht wer­den. In den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten ha­ben vie­le Busi­ness Schools still und un­be­merkt eine un­an­ge­mes­se­ne - und letzt­lich selbst­zer­stö­re­ri­sche - aka­de­mi­sche Ex­zel­lenz zum Vor­bild er­ho­ben. Statt sich dar­an zu mes­sen, wie kom­pe­tent ihre Ab­sol­ven­ten sind oder wie gut ihre Fa­kul­tä­ten die Ur­sa­chen erst­klas­si­ger Un­ter­neh­mens­leis­tung ver­stan­den ha­ben, neh­men sie für sich selbst fast aus­schließ­lich wis­sen­schaft­li­chen For­scher­fleiß als Maß­stab.
Da­bei ha­ben sie von den Uni­ver­si­tä­ten ein For­schungs­mo­dell über­nom­men, das auf ab­strak­te sta­tis­ti­sche Me­tho­den und La­borpsy­cho­lo­gie baut. Ei­ni­ge der For­schungs­er­geb­nis­se sind ex­zel­lent, aber weil so we­ni­ge der Ar­bei­ten in der Un­ter­neh­men­spra­xis grün­den, ver­liert die MBA-Aus­bil­dung be­stän­dig an Re­le­vanz für Prak­ti­ker.
Das wis­sen­schaft­li­che Mo­dell, wie wir es nen­nen, geht von der ir­ri­gen An­nah­me aus, Ma­na­ge­ment wäre eben­so eine aka­de­mi­sche Dis­zi­plin wie Che­mie oder Geo­lo­gie. Da­bei ist Ma­na­ge­ment eine Pro­fes­si­on, ähn­lich der Me­di­zin und der Ju­ris­te­rei. Aus die­sem Grund sind die hö­he­ren Rechts- und Wirt­schafts­schu­len be­rufs­vor­be­rei­ten­de Aus­bil­dungs­stät­ten - oder soll­ten es zu­min­dest sein.
Wie vie­le an­de­re Pro­fes­sio­nen auch, be­ruht die Ma­na­ge­ment­leh­re auf meh­re­ren aka­de­mi­schen Dis­zi­pli­nen. In der Me­di­zin wä­ren das die Bio­lo­gie, die Che­mie und die Psy­cho­lo­gie; in der Ma­na­ge­ment­leh­re sind es die Ma­the­ma­tik, die Wirt­schafts­wis­sen­schaft, die Psy­cho­lo­gie, die Phi­lo­so­phie und die So­zio­lo­gie. Zwi­schen ei­ner Pro­fes­si­on und ei­ner aka­de­mi­schen Dis­zi­plin be­steht ein we­sent­li­cher Un­ter­schied. Un­se­rer An­sicht nach wer­den Re­for­men am Lehr­plan nichts ver­bes­sern, so­lan­ge das wis­sen­schaft­li­che Mo­dell nicht ge­gen ein an­ge­mes­se­ne­res aus­ge­tauscht wird. Letz­te­res wie­der­um müss­te in ho­hem Maße den be­son­de­ren An­for­de­run­gen der Ma­na­ge­ment­pro­fes­si­on an­ge­passt sein.

Zum sel­ben The­ma be­ach­ten Sie bit­te auch un­ser „Was ist ... ein MBA?“ auf Sei­te 97 und das In­ter­view mit Per­so­nal­vor­stand Ernst Bau­mann über Kar­rie­re bei BMW ab Sei­te 98.
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