Management à la russe

FALLSTUDIE:

HBM Juni 2005

Hart­mut Op­per­mann fühl­te sich er­schöpft und durs­tig, als er sich durch die Pass­kon­trol­le am Stutt­gar­ter Flug­ha­fen schob. Seit mehr als elf Stun­den war er un­ter­wegs, und ihm stand noch ein an­stren­gen­des Mee­ting mit sei­nen Chefs, den Ge­schäfts­füh­rern der Sie­ba Back­tech­nik GmbH, be­vor.
Sie­ba war eu­ro­päi­scher Markt­füh­rer für Teig­ma­schi­nen und hat­te Op­per­mann mit der Lei­tung der rus­si­schen Ver­trie­bs­ge­sell­schaft be­auf­tragt. Aber der ge­stan­de­ne Ma­na­ger kam vor al­lem mit der Aus­la­ge­rung von Tei­len der Pro­duk­ti­on von Deutsch­land nach Ost­eu­ro­pa nicht recht vor­an. Sei­ne Ge­schäfts­füh­rer wur­den all­mäh­lich un­ge­dul­dig, und auch Op­per­mann muss­te zu­ge­ben, dass er weit hin­ter sei­nen ei­ge­nen Er­war­tun­gen zu­rück­ge­blie­ben war.
Das müh­sam aus­ge­han­del­te Joint Ven­ture kam nicht aus den Start­lö­chern, die rus­si­schen Be­hör­den und ein ver­är­ger­ter Mit­be­wer­ber bo­ten alle Kräf­te auf, um sei­ne Be­mü­hun­gen zu sa­bo­tie­ren. So­gar sein an­fangs so hoch mo­ti­vier­tes Team schi­en es zu­neh­mend auf eine Kraft­pro­be an­zu­le­gen. So feilsch­te er ra­de­bre­chend mit den Be­hör­den um die noch im­mer aus­ste­hen­de Pro­duk­ti­ons­er­laub­nis, wäh­rend sei­ne wich­tigs­ten Mit­ar­bei­ter ohne Ent­schul­di­gung zu kran­ken Tan­ten und wich­ti­gen Be­sor­gun­gen ver­schwan­den. Und Op­per­mann muss­te hilf­los mit an­se­hen, wie die Be­leg­schaft des Ven­ture-Part­ners sich an­ge­sichts der ru­hen­den Pro­duk­ti­on die Zeit mit un­pro­fes­sio­nel­lem Her­um­fli­cken an den für teu­res Geld über­nom­me­nen Ma­schi­nen ver­trieb.
Ir­gend­wie schi­en dem um­trie­bi­gen Vor­zei­ge­ma­na­ger in letz­ter Zeit das glück­li­che Händ­chen ab­han­den ge­kom­men zu sein - und seit die deut­schen Un­ter­neh­mens­chefs vor drei Mo­na­ten dem rus­si­schen Stand­ort Za­jki­no einen kur­z­en Be­such ab­ge­stat­tet hat­ten, konn­te er die Wi­der­stän­de förm­lich mit Hän­den grei­fen - kei­ne all­zu gute Vor­aus­set­zung für die Er­rei­chung der hoch ge­steck­ten Zie­le des Un­ter­neh­mens.

Cha­os im Os­ten
Fir­men­chef Ro­bert Sie­ge­le sah un­ter­des­sen zum wie­der­hol­ten Male auf die Uhr. „Wie soll man ver­nünf­tig ar­bei­ten kön­nen, wenn die Ver­ant­wort­li­chen im­mer zu spät kom­men?“, bell­te er ge­reizt und schob den längst er­kal­te­ten Kaf­fee mit ei­ner et­was zu schwung­vol­len Be­we­gung von sich fort. Leon­hard Klimt, der zwei­te von drei Ge­sell­schaf­tern des Un­ter­neh­mens, hat­te aus dem Fens­ter ge­st­arrt. Er wand­te sich um und be­trach­te­te sei­nen Part­ner Sie­ge­le und den ver­schüt­te­ten Kaf­fee mit lei­ser Miss­bil­li­gung.
„Das ist jetzt wirk­lich nicht der rich­ti­ge Zeit­punkt für Schuld­zu­wei­sun­gen, Ro­bert“, sag­te er ernst. „Es war schließ­lich dei­ne Idee, nach Za­jki­no und nicht ins Mos­kau­er Stadt­ge­biet zu ge­hen. Dass das län­ge­re Wege be­deu­te­te, war uns doch al­len klar.“
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