Den USA droht eine Krea­ti­vi­täts­kri­se

LÄNDERWETTBEWERB:

HBM Januar 2005

Schon seit Ge­ne­ra­tio­nen sind die Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka welt­weit als das Land der un­be­grenz­ten Mög­lich­kei­ten und der In­no­va­ti­on be­kannt. Doch jetzt steht das Land kurz da­vor, sei­nen Vor­sprung im in­ter­na­tio­na­len Wett­be­werb ein­zu­bü­ßen. Es ist mit der wohl größ­ten wirt­schaft­li­chen Her­aus­for­de­rung seit der in­dus­tri­el­len Re­vo­lu­ti­on kon­fron­tiert. Da­bei geht es nicht um Ge­schäfts­kos­ten und schon gar nicht um Pro­duk­ti­ons-Know-how. Und die wich­tigs­te Be­dro­hung, der sich die USA zu stel­len hat, ist auch nicht der Auf­stieg Chinas oder In­diens.
Die Ver­ei­nig­ten Staa­ten ha­ben die Welt ins Zeit­al­ter der Hight­ech-In­dus­trie und kon­stan­ten In­no­va­ti­on ge­führt, doch des­halb ist dem Land kei­nes­wegs eine Spit­zen­po­si­ti­on auf Dau­er ga­ran­tiert. Denn die Mehr­heit der Füh­rungs­kräf­te in Wirt­schaft und Po­li­tik, der Wis­sen­schaft­ler und Wirt­schafts­ana­lys­ten er­kennt nicht den ei­gent­li­chen Grund für den ame­ri­ka­ni­schen Er­folg in den Be­rei­chen In­no­va­ti­on, Wirt­schafts­wachs­tum und Wohl­stand. Nicht die enor­men na­tür­li­chen Res­sour­cen, die Grö­ße des Mark­tes oder ir­gend­ein Yan­kee-Ge­ni­us ha­ben für die glo­ba­le Wett­be­wer­bs­stär­ke über mehr als 100 Jah­re hin­weg ge­sorgt. Ame­ri­kas Wachs­tums­wun­der hängt von ei­nem Schlüs­sel­fak­tor ab: der Of­fen­heit für neue Ide­en, die es ihm er­laubt hat, die krea­ti­ven Ide­en sei­ner Men­schen zu mo­bi­li­sie­ren und zu nut­zen.
Wie der Öko­nom Paul Ro­mer von der Uni­ver­si­tät St­an­ford im­mer wie­der be­tont, ver­dan­ken wir große Fort­schrit­te großen Ide­en. Die­se Ein­ge­bun­gen fal­len nicht vom Him­mel, son­dern sie kom­men von Men­schen. Men­schen schrei­ben Soft­wa­re. Men­schen ent­wer­fen Pro­duk­te. Men­schen grün­den neue Un­ter­neh­men. Je­des neue Ding, ob es uns ein­fach Freu­de macht, pro­duk­ti­ver wer­den lässt oder einen klei­nen Lu­xus er­laubt, sei es der iPod von Ap­p­le oder die Op­ti­mie­rung ei­ner Che­mie­fa­brik, ist das Er­geb­nis mensch­li­cher Ge­nia­li­tät.
Un­be­strit­ten sind die Ver­ei­nig­ten Staa­ten nach wie vor das Zen­trum der Ge­nia­li­tät. Sie er­wirt­schaf­ten ein Brut­to­in­land­s­pro­dukt von zehn Bil­lio­nen Dol­lar und ha­ben groß­ar­ti­ge Uni­ver­si­tä­ten so­wie das Si­li­con Val­ley. Sie be­her­ber­gen vie­le der dy­na­mischs­ten Un­ter­neh­men in den Bran­chen In­for­ma­ti­ons­tech­nik, Bio­tech­nik, Un­ter­hal­tung und zahl­rei­chen an­de­ren Be­rei­chen. Aber der glo­ba­le Ta­lent­pool und die an­spruchs­vol­len, be­son­ders ren­di­test­ar­ken krea­ti­ven Bran­chen, die einst al­lein in den USA an­säs­sig und eine ent­schei­den­de Quel­le für den Wohl­stand wa­ren, be­gin­nen sich über die gan­ze Erd­ku­gel zu ver­streu­en.
Eine Rei­he von In­dus­trie­na­tio­nen - un­ter an­de­rem Ir­land, Finn­land, Ka­na­da, Aus­tra­li­en und Neu­see­land - in­ves­tie­ren in Aus­bil­dung wie auch in die För­de­rung ih­rer Krea­ti­ven und drän­gen mit in­no­va­ti­ven Pro­duk­ten in den Markt, an­ge­fan­gen bei No­kia-Han­dys bis hin zu den „Herr der Rin­ge“-Fil­men. Vie­le die­ser Län­der ha­ben aus den Er­fol­gen der USA ge­lernt und be­mü­hen sich da­her, Ta­len­te von au­ßen an­zu­lo­cken - ein­schließ­lich ame­ri­ka­ni­scher. Soll­te auch nur eine Hand voll die­ser auf­stre­ben­den Na­tio­nen 2 bis 5 Pro­zent der krea­ti­ven Ar­bei­ter aus den USA ab­wer­ben, wer­den die wirt­schaft­li­chen Fol­gen enorm sein. Die Ver­ei­nig­ten Staa­ten mö­gen der Go­liath in der glo­ba­len Öko­no­mie des 20. Jahr­hun­derts ge­we­sen sein, doch ein hal­b­es Dut­zend Da­vids des 21. Jahr­hun­derts rei­chen aus, sie in die Knie zu zwin­gen.
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