Wenn die Nach­fol­ge­pla­nung scheitert

FALLSTUDIE:

HBM September 2004

Nor­man Win­doms ge­müt­li­che Woh­nung am Ran­de des Zen­trums lag nur we­ni­ge Blocks vom „Etoi­le“ ent­fernt, ei­nem wah­ren Schmuck­stück von Thea­ter in der Nähe des Ti­mes Squa­re. Die Pre­mie­re der Show „Tho­se Sin­ging Si­na­tras“ lag schon ei­ni­ge Wo­chen zu­rück. Er hielt es nun für an der Zeit, sich das Stück ein­mal selbst an­zu­schau­en - an­ge­sichts der Be­deu­tung der Show für Ti­ver­ton Me­dia, das Fir­men­kon­glo­me­rat mit Sitz in Lon­don, des­sen In­ha­ber und Vor­stands­vor­sit­zen­der Win­dom war.
Ti­ver­ton hat­te nur sie­ben Mil­lio­nen Euro in die Show in­ves­tiert - eine In­ves­ti­ti­on, die wohl kaum einen Ge­winn in der Grö­ßen­ord­nung ab­wer­fen wür­de, die für ein Un­ter­neh­men von der Grö­ße Ti­ver­tons eine Rol­le spiel­te. Doch Win­dom hat­te sich über­zeu­gen las­sen, dass durch die Show das In­ter­es­se an den Si­na­tra-Ti­teln wie­der auf­le­ben wür­de: Die Rech­te an die­sen hat­te er im Jahr zu­vor zu ei­nem ho­hen Preis er­wor­ben.
Ge­nau ge­nom­men ver­stand der 62-Jäh­ri­ge Win­dom nicht viel von Un­ter­hal­tungs­mu­sik. Den größ­ten Teil sei­ner Lauf­bahn hat­te er bei Ti­ver­ton in den Be­rei­chen Klas­sik-La­bels, Mu­sik­ver­lag und Ma­ga­zin ver­bracht. Doch sei­ne Fä­hig­keit, Ma­na­ge­ment­kom­pe­tenz zu er­ken­nen, war sei­ner Mei­nung nach un­über­trof­fen. Sean Kin­na­ne, der vor­ge­se­he­ne Erbe des Chef­ses­sels der größ­ten und pro­fi­ta­bels­ten Plat­ten­fir­ma von Ti­ver­ton, war mit der Idee ei­ner Broad­way-Show an ihn her­an­ge­tre­ten. Sie er­zähl­te die - wie man mein­te - be­we­gen­de Ge­schich­te der Be­zie­hung zwi­schen dem le­gen­dären Sän­ger und sei­nem Sohn Frank jr., Lei­ter ei­ner Big­band, und sei­ner Toch­ter Nan­cy, die in den 60er Jah­ren mit ei­ni­gen fröh­li­chen Pop­songs in den Charts ver­tre­ten ge­we­sen war.
Nach Mei­nung von Win­dom war Kin­na­ne ei­ner der we­ni­gen Spit­zen­ma­na­ger in der Mu­sik­bran­che, die sich we­der vom In­stinkt lei­ten lie­ßen, weil sich der häu­fig als un­zu­ver­läs­sig er­wies, noch von Trends, da sich die­se oft als kurz­le­big her­aus­stell­ten. Sei­ne Spe­zia­li­tät war es, ver­bor­ge­ne Ta­len­te zu nut­zen - eine Be­ga­bung, die für ein Un­ter­neh­men wie Ti­ver­ton, das reich da­mit ge­seg­net war, zen­tra­le Be­deu­tung hat­te.
Im Thea­ter an­ge­kom­men, nahm Win­dom Platz zwi­schen Zara San­dy­ston, Lei­te­rin des Be­reichs Un­ter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on bei Ti­ver­ton, und Neil Bro­die, Vice Pre­si­dent Mar­ke­ting, die die Show be­reits am Pre­mie­ren­abend ge­se­hen hat­ten. Als Win­dom sein Pro­gramm­heft öff­ne­te, fiel ein Zet­tel her­aus. Dar­auf stand: „We­gen ei­ner Er­kran­kung wird die Rol­le von Nan­cy Si­na­tra heu­te Abend von Thea Con­boy ge­spielt. Mag­gie Schip­pers wird wie­der in der mor­gi­gen Nach­mit­tags­vor­stel­lung zu se­hen sein.“
„Wa­rum muss das aus­ge­rech­net an dem Abend pas­sie­ren, an dem ich die Show se­hen will?“, dach­te Win­dom ver­drieß­lich. Die meis­ten Kri­ti­ker hat­ten ins­be­son­de­re den mun­te­ren Char­me von Mag­gie Schip­pers ge­lobt. Die Show, so ihre Mei­nung, konn­te we­gen Len­ny Blanks recht schwer­fäl­li­ger Dar­stel­lung des Fa­mi­li­enober­haupts nicht über­zeu­gen.
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