Gute Stimmung im All

GESPRÄCH:

HBM August 2004

Als Kind träu­men vie­le Men­schen da­von, Astro­naut zu wer­den. Sie ha­ben es ge­schafft. Was un­ter­schei­det Sie von de­nen, die nur träu­men?
Rei­ter Es war in der Tat ein Kind­heits­traum von mir. Aber als ich mich ernst­haft mit der Be­rufs­wahl be­schäf­tig­te, als es Rich­tung Ab­itur ging, habe ich die Idee ver­wor­fen. Ich dach­te mir: In Eu­ro­pa sind die Chan­cen für solch eine Tä­tig­keit so un­glaub­lich ge­ring, dass es un­rea­lis­tisch wäre, dar­auf hin­zu­ar­bei­ten. Ganz an­ders als in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, wo die Nasa in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten im­mer­hin alle zwei Jah­re Astro­nau­ten re­kru­tiert hat.
Als sich mir dann tat­säch­lich die Mög­lich­keit bot, Astro­naut zu wer­den, war das mehr oder we­ni­ger Zu­fall. Im Nach­hin­ein muss ich zu­ge­ben, dass da si­cher­lich auch ein biss­chen Glück da­zu­ge­hört hat: etwa dass ich in der rich­ti­gen Al­ter­sklas­se war. Denn seit den 70er Jah­ren wur­den in West­eu­ro­pa über­haupt nur zwei­mal Astro­nau­ten ge­sucht. Glück war auch, dass ich die ent­spre­chen­den Vor­aus­set­zun­gen hat­te, um über­haupt in Fra­ge zu kom­men.
Das ist wohl eher Ih­rer Ziel­stre­big­keit als dem Glück ge­schul­det: Sie ha­ben bei der Bun­des­wehr Luft- und Raum­fahrt­tech­nik stu­diert und sind Pi­lot ge­wor­den. Das hat doch eine große Nähe zur Raum­fahrt.
Rei­ter Mein In­ter­es­se für die Flie­ge­rei, für tech­ni­sche The­men war na­tür­lich auch bei der Be­rufs­wahl aus­schlag­ge­bend. Ich bin durch mei­ne El­tern, was das Flie­gen an­geht, ziem­lich vor­be­las­tet. Mei­ne Mut­ter flog vor mei­ner Ge­burt Se­gel­flug­zeu­ge. Mein Va­ter hat Zeit sei­nes Le­bens die­ses Hob­by be­trie­ben. Ich bin als 14-Jäh­ri­ger da­zu­ge­sto­ßen und habe mei­nen Se­gel­flug­schein ge­macht. Für mich war klar, dass ich einen Be­ruf er­grei­fen wür­de, der ir­gen­det­was da­mit zu tun hat. Die Bun­des­wehr bot mir die Mög­lich­keit, erst ein In­ge­nieur­stu­di­um zu ab­sol­vie­ren und dann in die Flie­ge­rei zu ge­hen - also Theo­rie und Pra­xis zu ver­ei­nen.
Ich habe mei­ne Aus­bil­dung aber nicht nur als Sprung­brett ge­se­hen, Astro­naut zu wer­den. Schließ­lich muss je­der Sol­dat da­mit rech­nen, dass er ir­gend­wann auch an ei­nem mi­li­tä­ri­schen Ein­satz teil­neh­men muss.
Das spe­zi­el­le Trai­ning für eine Welt­raum­mis­si­on dau­ert Jah­re, und es gibt kei­ne Ga­ran­tie für den Start. Er­käl­ten Sie sich etwa kurz zu­vor, kommt ein an­de­rer zum Zug. Ist die­se Un­ge­wiss­heit nicht de­mo­ti­vie­rend?
Rei­ter Nun, zwei­ein­halb Jah­re Aus­bil­dung sind ein über­schau­ba­rer Zeit­raum. Aber Sie ha­ben schon Recht. Es gibt für eine Missi­on im­mer zwei Kan­di­da­ten. Ei­ner fliegt, der an­de­re über­nimmt die so ge­nann­te Back-up-Funk­ti­on. Ein Back-up-Astro­naut weiß nie, ob und wann er zum Zuge kommt. Das ist et­was, was ei­nem die gan­ze Zeit im Nacken sitzt.
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