Eine kurze Geschichte der Kreativität

GESPRÄCH:

HBM Juni 2004

Herr Bin­nig, wa­rum in­ter­es­sie­ren Sie sich als Phy­si­ker für Krea­ti­vi­tät?
BIN­NIG Das In­ter­es­se ent­stand bei mir eher zu­fäl­lig - im Rah­men ei­ni­ger In­ter­views vor rund 20 Jah­ren. Wir spra­chen über die Er­fin­dung der Tun­nel­mi­kro­sko­pie und dis­ku­tier­ten, ob dies ein krea­ti­ver Pro­zess war. Ich stell­te spä­ter fest, dass sich die Vor­gän­ge bei der Ent­wick­lung des Mi­kro­skops nicht mit der gän­gi­gen Vor­stel­lung von Krea­ti­vi­tät in Ein­klang brin­gen lie­ßen und ich eine grund­le­gend an­de­re Sicht­wei­se zu die­sem The­ma hat­te. Des­halb habe ich an­ge­fan­gen, mich in­ten­siv da­mit zu be­schäf­ti­gen.
Was ge­nau ver­ste­hen Sie denn un­ter Krea­ti­vi­tät?
BIN­NIG Ich be­zeich­ne mein Kon­zept als frak­talen Dar­wi­nis­mus. Dar­win hat mit sei­ner Theo­rie über die Evo­lu­ti­on des Le­bens be­reits wich­ti­ge Grund­zü­ge der Krea­ti­vi­tät be­schrie­ben, aber eben noch nicht al­les. Erst das Frak­tale bringt den Aspekt der Syn­er­gie oder Ko­ope­ra­ti­on von Le­be­we­sen be­zie­hungs­wei­se von Ge­dan­ken ins Spiel. Durch die Kom­bi­na­ti­on bei­der Theo­ri­en kön­nen wir krea­ti­ve Pro­zes­se ver­ste­hen und för­dern.
Um ge­nau zu er­klä­ren, was ich mei­ne, muss ich ein we­nig aus­ho­len. Bis vor 20 Jah­ren ha­ben Wis­sen­schaft­ler Pro­ble­me in ein­zel­ne, leicht hand­hab­ba­re Tei­le zer­legt, um sie zu ver­ein­fa­chen und dann zu ana­ly­sie­ren. Ich be­zeich­ne das als eins­ka­li­ges Den­ken. Der Phy­si­ker blieb auf der Ska­la der Ato­me, der Bio­lo­ge auf der der Zel­len - ab­ge­kürzt aus­ge­drückt. Wenn ich da­mals von mehrs­ka­lig ge­re­det habe, dann ha­ben die Leu­te mich mit großen Au­gen an­ge­schaut. Es gab sehr, sehr we­ni­ge Wis­sen­schaft­ler, die so dach­ten. Der Ma­the­ma­ti­ker Be­noit Man­del­brot und der Phy­si­ker Ken­neth Wil­son wa­ren hier Pio­nie­re.
Was mei­nen Sie mit mehrs­ka­lig?
BIN­NIG Man­del­brot zum Bei­spiel hat For­men in der Na­tur mit der Ma­the­ma­tik ver­bun­den. Er be­haup­te­te, die Na­tur sei vol­ler Geo­me­trie. Er hat Struk­tu­ren ent­deckt und ma­the­ma­tisch be­schrie­ben, bei de­nen je­der Teil geo­me­trisch im­mer wie­der dem Gan­zen äh­nelt. Das ist etwa bei ei­nem Küs­ten­ver­lauf so. Egal ob Sie ihn vom Sa­tel­li­ten aus be­trach­ten, von ei­nem Schiff oder aus der Per­spek­ti­ve ei­ner Mi­kro­be - die Mus­ter glei­chen sich auf je­der der Ska­len. Man nennt die­se Ei­gen­schaft Selb­st­ähn­lich­keit.
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