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FALLSTUDIE:

HBM Mai 2004

Ken­neth Charles und Matt­hew Phair sa­ßen am Tisch im Kon­fe­renz­raum und krit­zel­ten auf ih­ren No­tiz­blö­cken her­um. Charles war der CEO, Phair der Fi­nanz­vor­stand der Un­ter­neh­mens­be­ra­tung First Ran­ge­way. Aus dem sees­tern­för­mi­gen Kon­fe­renz­te­le­fon zwi­schen ih­nen tön­ten Stim­men. Wäh­rend Matt­hew Phair sich aus­gie­big No­ti­zen mach­te, zeich­ne­te Ken­neth Charles mit schnel­lem Strich Tie­re. Das tat er oft, wenn er al­lein oder nur mit en­gen Mit­ar­bei­tern zu­sam­men war. Beim Zeich­nen konn­te er sich ein­fach bes­ser kon­zen­trie­ren.
Sein Stift jag­te über das Pa­pier, wäh­rend er der Stim­me von Vic­to­ria Mi­chaels lausch­te. Mi­chaels war Ana­lys­tin und auf Ak­ti­en von Dienst­leis­tern wie First Ran­ge­way spe­zia­li­siert. Sie lob­te die Kos­ten­kon­trol­le und die kon­se­quen­te Ge­winn­stei­ge­rung bei Ran­ge­way. „Aber die Um­sät­ze sind im­mer noch dürf­tig“, fuhr sie in ent­schie­de­nerem Ton fort - viel fehl­te nicht, und man hät­te bei ihr von ei­nem eng­li­schen Ak­zent spre­chen kön­nen. „Wann und in wel­chem Be­reich er­war­ten Sie Um­satz­stei­ge­run­gen? Und in wel­chem Um­fang?“
„Un­se­re Kun­den­pro­jek­te sind im letz­ten Jahr auf dem glei­chen Ni­veau ge­blie­ben, das ist wahr“, ant­wor­te­te Charles. „Aber un­se­re Be­mü­hun­gen in der Ak­qui­se und die Art der Pro­jek­te, in de­nen wir be­reits en­ga­giert sind, spre­chen für einen Auf­wärts­trend im nächs­ten Quar­tal.“
„Es gibt be­reits An­zei­chen, dass wir un­se­re Vor­ga­ben pro­blem­los er­rei­chen wer­den“, füg­te Matt­hew Phair hin­zu. Er no­tier­te eine Zahl und kreis­te sie ein. „Wie be­reits ge­sagt, wir ha­ben uns eine vier­tel­jähr­li­che Stei­ge­rung von 10 Pro­zent vor­ge­nom­men, aber erst vom nächs­ten Quar­tal an.“
Die fol­gen­de Fra­ge war här­ter. „Was wird das Busi­ness Pro­cess Out­sour­cing zu­sätz­lich zu den Ein­nah­men aus der tra­di­tio­nel­len Be­ra­tungs­tä­tig­keit Ih­rer An­sicht nach brin­gen?“ frag­te Ke­vin Dan­ville von LRL In­vest­ments. Phair mal­te „BPO“ und drei Fra­ge­zei­chen auf sein Pa­pier. Ken zer­mar­ter­te sich das Hirn nach ei­ner Ant­wort, die gleich­zei­tig er­mu­ti­gend und un­ver­bind­lich war. Ihm fiel nichts Pas­sen­des ein, und so ent­schied er sich für die un­ver­bind­li­che Va­ri­an­te. „Wir eru­ie­ren zahl­rei­che po­ten­zi­el­le Ein­nah­me­quel­len“, sag­te er, „und wer­den uns für die­je­ni­gen ent­schei­den, die un­se­re Be­ra­tungs­tä­tig­keit am bes­ten ergänzen.“„Allerdings wäre es ver­früht“, füg­te er hin­zu, „jetzt schon eine ge­naue Aus­sa­ge zu tref­fen.“ Sei­ne blu­mi­ge Aus­drucks­wei­se ließ ihn selbst in­ner­lich schau­dern.
Das war na­tür­lich kei­ne Ant­wort nach dem Ge­schmack der Ana­lys­ten, und er wuss­te das. Er war be­reits seit 1997 Part­ner bei First Ran­ge­way. 1999 war das Un­ter­neh­men mit sei­nen 2800 Mit­ar­bei­tern er­folg­reich an die Bör­se ge­gan­gen. CEO war er aber erst seit we­ni­ger als ei­nem Jahr, und die vier­tel­jähr­li­chen An­ru­fe der Ana­lys­ten brach­ten ihn im­mer noch ins Schwit­zen. Als er den Chef­pos­ten über­nahm, hat­te ihm sei­ne Frau Cara ein Schild ge­schenkt. „Al­les für je­den“ war dar­auf zu le­sen. Mo­na­te­lang hat­te es einen Eh­ren­platz in sei­nem Büro ein­ge­nom­men. Seit kur­z­em schie­nen ihm die Wor­te je­doch nicht mehr so lus­tig zu sein, sie hat­ten nun eher et­was von ei­nem Be­fehl. So hat­te er das Schild schließ­lich in die hin­ters­te Ecke ei­ner Schreib­tisch­schub­la­de ver­bannt.
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