Bei der For­schung­nicht nur auf Rendite starren

MANAGER MÜSSEN LERNEN, DEN WAHREN WERT INDUSTRIELLER FORSCHUNG RICHTIG ZU MESSEN:

HBM 3/1981


GE­OR­GE F. ME­CH­LIN ist Vice-Pre­si­dent der Westing­hou­se Elec­tric Cor­po­ra­ti­on, zu­stän­dig für den F + E-Be­reich. Für sei­ne Ar­beit an den Ab­schuß­vor­rich­tun­gen für Po­la­ris-Ra­ke­ten wur­de er von der ame­ri­ka­ni­schen Ma­ri­ne mit dem Navy Me­ri­to­rious Pu­blic Ser­vice Award aus­ge­zeich­net. DA­NIEL BERG ist De­kan des Mel­lon Col­le­ge of Sciences und Pro­fes­sor für Na­tur­wis­sen­schaf­ten und Tech­no­lo­gie an der Car­ne­gie-Mel­lon Uni­ver­si­ty. Au­ßer­dem ist er Mit­glied der Na­tio­nal Aca­de­my of En­gi­nee­ring.

Tech­no­lo­gi­sche In­no­va­ti­on ist in der Wirt­schafts­ge­schich­te der Ver­ei­nig­ten Staa­ten stets der do­mi­nan­te Fak­tor für die öko­no­mi­sche Spit­zen­stel­lung ge­we­sen. In ei­nem Be­richt des ame­ri­ka­ni­schen Han­dels­mi­nis­te­ri­ums aus dem Jah­re 1977 heißt es zum Bei­spiel, daß „der tech­no­lo­gi­schen In­no­va­ti­on 45 Pro­zent des na­tio­na­len Wirt­schafts­wachs­tums zwi­schen 1929 und 1969 zu­zu­schrei­ben sind“.1) Seit ei­ni­gen Jah­ren meh­ren sich je­doch die Alarm­ru­fe in­for­mier­ter Be­ob­ach­ter, Ame­ri­kas En­ga­ge­ment in der wis­sen­schaft­li­chen For­schung blei­be hin­ter den Er­for­der­nis­sen zu­rück. Die Fak­ten spre­chen eine un­miß­ver­ständ­li­che Spra­che. In sei­ner 1979 ge­hal­te­nen Fes­t­an­spra­che an­läß­lich der Ent­las­sungs­fei­er an der Uni­ver­si­ty of Pitts­bur­gh zeig­te Ri­chard C. At­kin­son, da­mals Di­rek­tor der Na­tio­nal Science Foun­da­ti­on, ei­ni­ge do­mi­nie­ren­de Trends der De­ka­de 1968 bis 1978 auf: * Der An­teil der In­ves­ti­tio­nen in For­schung und Ent­wick­lung (F + E) am Brut­to­so­zi­al­pro­dukt war um ein Fünf­tel ge­sun­ken. * Der die Grund­la­gen­for­schung be­tref­fen­de An­teil der In­ves­ti­tio­nen am Brut­to­so­zi­al­pro­dukt war so­gar um ein Vier­tel zu­rück­ge­gan­gen. * Der An­teil von Wis­sen­schaft­lern und In­ge­nieu­ren mit F + E-Auf­ga­ben an den Er­wer­bs­tä­ti­gen hat­te sich um ein Ach­tel ver­rin­gert. * Die In­ves­ti­tio­nen der In­dus­trie in Grund­la­gen­for­schung, aus­ge­drückt als An­teil der Net­toum­sät­ze, wa­ren um ein Drit­tel zu­rück­ge­gan­gen. Eine Be­trach­tung der vom US-Bun­de­spa­tent­amt er­teil­ten Pa­ten­te lie­fert ein ganz ähn­li­ches Bild. Mi­cha­el Bo­rets­ky vom ame­ri­ka­ni­schen Han­dels­mi­nis­te­ri­um macht dar­auf auf­merk­sam, daß 1965 noch 80 Pro­zent al­ler in den USA er­teil­ten Pa­ten­te auch ame­ri­ka­ni­schen Ur­sprungs wa­ren. Bis 1977 war die­se Zahl be­reits auf 62 Pro­zent ge­sun­ken. Oder noch poin­tier­ter: Im Jah­re 1956 wur­den 38 Pro­zent al­ler Grund­la­gen­for­schun­gen in Ame­ri­ka von der In­dus­trie ge­leis­tet, 1976 wa­ren es nur noch 16 Prozent.2) Zu ei­nem Teil er­klärt sich die­se Ver­schie­bung aus rein kos­me­ti­schen Än­de­run­gen, weil in­dus­tri­el­le For­schung ent­we­der als „Grund­la­gen­for­schung“ oder als „an­ge­wand­te For­schung“ be­zeich­net wer­den kann. (Nach der De­fi­ni­ti­on der Na­tio­nal Science Foun­da­ti­on be­zieht sich der Be­griff Grund­la­gen­for­schung, rich­tig an­ge­wen­det, auf Un­ter­su­chun­gen, die kei­ne spe­zi­fisch kom­mer­zi­el­len Ziel­set­zun­gen ha­ben, son­dern der Wei­ter­ent­wick­lung des wis­sen­schaft­li­chen Kennt­nis­stan­des die­nen.) Weil Grund­la­gen­for­schung je­doch, un­ab­hän­gig von der De­fi­ni­ti­on des Be­griffs, für den über­wäl­ti­gen­den Teil al­ler we­sent­li­chen tech­no­lo­gi­schen Durch­brü­che im An­wen­dungs­be­reich di­rekt ver­ant­wort­lich ist, kann die­ser Rück­gang als An­laß zu tiefs­ter Be­sorg­nis an­ge­se­hen werden.3) Was hat den Rück­gang ver­ur­sacht? Wa­rum kehr­te die In­dus­trie ei­ner doch of­fen­sicht­lich er­folg­rei­chen Stra­te­gie den Rücken? Die häu­figs­ten Ant­wor­ten auf sol­che Fra­gen be­zie­hen sich auf hem­men­de Ge­set­ze, un­güns­ti­ge Steu­er- und Ab­schrei­bungs­po­li­tik und so wei­ter. Das stimmt zwar im großen und gan­zen, er­klärt aber nicht al­les. Es scheint viel­mehr so zu sein, daß die­se so fun­da­men­ta­le Ab­kehr von der Grund­la­gen­for­schung auch et­was auf die Tech­nik zu­rück­zu­füh­ren ist, mit der das Ma­na­ge­ment den Wert die­ser Grund­la­gen­for­schung mißt. Und das ist in der Tat so. Ir­gen­det­was scheint den Ma­na­gern heu­te zu sug­ge­rie­ren, daß sich Grund­la­gen­for­schung nicht mehr lohnt. Die­ses Et­was läßt sich iden­ti­fi­zie­ren.
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