Ri­si­ko­ana­ly­se­bei Investitionen

HARVARD CLASSIC: NICHT ALLEIN DIE VERFEINERUNG DER RECHENMETHODE, SONDERN EINE SORGFÄLTIGE EINSCHÄTZUNG DER ZUKÜNFTIGEN ENTWICKLUNG VERBESSERT DIE ENTSCHEIDUNGSFINDUNG:

HBM 2/1980


DA­VID B. HERTZ war, als die­ser Bei­trag erst­mals ver­öf­fent­licht wur­de, In­ha­ber der Ma­na­ge­ment­be­ra­tungs­fir­ma McKin­sey & Com­pa­ny. Dort fün­giert er heu­te als lei­ten­der Di­rek­tor; er ist au­ßer­dem Chair­man im Ver­lag der Zeit­schrift „Pri­me Time“.

Von al­len Ent­schei­dun­gen, die in den Füh­rungs­eta­gen der Un­ter­neh­men ent­ste­hen, ist kei­ner je mehr Auf­merk­sam­keit ge­schenkt wor­den, kei­ne stellt auch eine so große Her­aus­for­de­rung dar wie die Aus­wahl un­ter al­ter­na­ti­ven Mög­lich­kei­ten der Ka­pi­ta­lin­ves­ti­ti­on. Was die­se Ent­schei­dun­gen so schwie­rig macht, ist nicht das Pro­blem, den Re­turn-on-In­vest­ment (ROI) un­ter ver­schie­de­nen an­ge­nom­me­nen Vor­aus­set­zun­gen zu schät­zen. Viel­mehr liegt die Schwie­rig­keit in den Vor­aus­set­zun­gen selbst und ih­rer Trag­wei­te. Jede Vor­aus­set­zung ent­hält eine ge­wis­se Un­si­cher­heit, die oft so­gar recht groß ist. Ins­ge­samt ge­se­hen kann sich die­se Kom­bi­na­ti­on von Un­si­cher­hei­ten zu ei­ner Ge­sam­tun­si­cher­heit mul­ti­pli­zie­ren, die kri­ti­sche Pro­por­tio­nen an­nimmt. An die­sem Punkt kommt das Ele­ment des Ri­si­kos ins Spiel, aber aus­ge­rech­net im Be­reich der Ri­si­ko­be­wer­tung ist dem Spit­zen­ma­na­ger durch bis­her ver­füg­ba­re Tech­ni­ken und In­stru­men­te nur we­nig Hil­fe zu­teil ge­wor­den. Es gibt in­des eine Mög­lich­keit, der Un­ter­neh­mens­lei­tung da­bei zu hel­fen, wich­ti­ge In­ves­ti­ti­ons­fra­gen mit ver­schärf­ter Auf­merk­sam­keit an­zu­ge­hen, näm­lich durch eine rea­li­täts­na­he Mes­sung al­ler mög­li­chen Ri­si­ken. Mit ei­ner sol­chen Meß­lat­te, die eine Ein­schät­zung des Ri­si­kos auf je­dem nur denk­ba­ren ROI-Le­vel er­mög­licht, wird der ver­ant­wort­li­che Ma­na­ger in die Lage ver­setzt, die ver­schie­de­nen Mög­lich­kei­ten un­ter Be­rück­sich­ti­gung der lang­fris­ti­gen Un­ter­neh­mens­zie­le fun­dier­ter zu be­ur­tei­len.
Er­for­der­lich ist
ein neu­es Kon­zept

Die Be­wer­tung ei­ner Ka­pi­ta­lin­ves­ti­ti­on be­ginnt mit dem Grund­satz, daß die Pro­duk­ti­vi­tät des ein­ge­setz­ten Ka­pi­tals nach der Höhe der Er­trags­ra­te zu mes­sen ist, die über eine ge­wis­se Zeit aus die­ser In­ves­ti­ti­on er­war­tet wird. Ein Dol­lar, der erst im nächs­ten Jahr ver­dient wird, ist we­ni­ger wert, als ein Dol­lar, den wir heu­te be­reits in der Hand ha­ben. Auf­wen­dun­gen, die erst in drei Jah­ren auf je­man­den zu­kom­men, sind we­ni­ger kost­spie­lig als gleich hohe Auf­wen­dun­gen, die er in zwei Jah­ren tä­ti­gen muß. Aus eben die­sem Grun­de kön­nen wir die Er­trags­ra­te nur dann rea­lis­tisch be­rech­nen, wenn wir so­wohl den Zeit­punkt, an dem die In­ves­ti­ti­on fäl­lig ist, ins Kal­kül ein­be­zie­hen als auch den Zeit­punkt, an dem der Er­trags­fluß ein­setzt. Ein Ver­gleich al­ter­na­ti­ver In­ves­ti­ti­ons­mög­lich­kei­ten wird des­halb noch da­durch er­schwert, daß sie sich im all­ge­mei­nen nicht nur nach ih­rer Grö­ßen­ord­nung un­ter­schei­den, son­dern auch nach dem Zeit­raum, über den Auf­wen­dun­gen er­for­der­lich wer­den und Er­trä­ge flie­ßen. Die­se Fak­ten ha­ben schon seit lan­gem die Zu­ver­läs­sig­keit von Me­tho­den über­schat­tet, bei de­nen man ein­fach von durch­schnitt­li­chen Auf­wen­dun­gen und Er­trä­gen aus­ging be­zie­hungs­wei­se bei­de pau­scha­lier­te, wie zum Bei­spiel bei der ein­fa­chen Hoch­rech­nung der Amor­ti­sa­ti­ons­dau­er. Die­se Un­zu­läng­lich­kei­ten ha­ben bei der Er­for­schung bes­se­rer Ent­schei­dungs­tech­ni­ken den An­sporn dazu ge­ge­ben, nach prä­zi­se­ren Ent­schei­dungs­me­tho­den zu su­chen, die Auf­schluß dar­über ge­ben, ob ein Un­ter­neh­men lang­fris­tig ge­se­hen mit ei­ner be­stimm­ten In­ves­ti­ti­ons­ent­schei­dung bes­ser fährt als mit ei­ner an­de­ren. Es über­rascht also nicht, daß sehr viel Mühe auf die Ent­wick­lung neu­er Me­tho­den ver­wen­det wur­de, die da­bei hel­fen sol­len, un­se­re Dif­fe­ren­zie­rungs­fä­hig­keit bei al­ter­na­ti­ven In­ves­ti­ti­ons­mög­lich­kei­ten zu ver­bes­sern. Alle die­se Un­ter­su­chun­gen ziel­ten dar­auf, den Wert kla­rer zu de­fi­nie­ren, der sich für ein Un­ter­neh­men aus ei­ner Ka­pi­ta­lin­ves­ti­ti­on er­gibt. Die Kon­tro­ver­sen und die Wo­gen der Er­re­gung, die die Fra­ge nach der an­ge­mes­sens­ten Be­rech­nungs­me­tho­de für die­se Wer­te in der Wirt­schafts­pres­se einst auf­warf, sind nun größ­ten­teils ge­glät­tet, weil sich die Cash-flow-Me­tho­de als ein so­li­des In­stru­ment be­währt hat, um die künf­tig zu er­war­ten­de Er­trags­ra­te aus ei­ner heu­te ge­tä­tig­ten In­ves­ti­ti­on zu mes­sen. So wur­den mehr oder we­ni­ger aus­ge­klü­gel­te ma­the­ma­ti­sche For­meln ent­wi­ckelt, um die Re­sul­ta­te ver­schie­de­ner In­ves­ti­tio­nen und die kom­bi­nier­ten Aus­wir­kun­gen der die­se In­ves­ti­tio­nen be­ein­flus­sen­den Va­ria­blen ver­glei­chen zu kön­nen. Mit der Fort­ent­wick­lung die­ser Tech­ni­ken sind die da­bei er­for­der­li­chen ma­the­ma­ti­schen Be­rech­nun­gen zu­neh­mend prä­zi­ser ge­wor­den, so daß wir heu­te im­stan­de sind, ab­ge­zins­te Er­trags­ra­ten auf den Bruch­teil ei­nes Pro­zents zu be­rech­nen. Der auf­ge­klär­te, wei­ter­den­ken­de Spit­zen­ma­na­ger ist sich je­doch der Tat­sa­che sehr wohl be­wußt, daß hin­ter die­sen prä­zi­sen Be­rech­nun­gen Da­ten ste­hen, die lei­der nicht ganz prä­zi­se sind. Bes­ten­falls ba­sie­ren die ihm ge­lie­fer­ten ROI-Da­ten auf ei­nem Ver­schnitt aus un­ter­schied­li­chen Mei­nun­gen, de­ren Zu­ver­läs­sig­keit und Ein­tritts­wahr­schein­lich­keit eben­falls in ho­hem Maße von­ein­an­der ab­wei­chen. Wenn die Er­trags­er­war­tun­gen zwei­er In­ves­ti­ti­ons­al­ter­na­ti­ven nahe bei­ein­an­der lie­gen, wird er sich in sei­ner Ent­schei­dung ver­mut­lich von nicht faß­ba­ren Ge­füh­len lei­ten las­sen - ge­lin­de ge­sagt, eine höchst be­denk­li­che Vor­ge­hens­wei­se. Selbst wenn die er­rech­ne­ten Er­trags­zah­len zwei­er In­ves­ti­tio­nen sehr weit aus­ein­an­der lie­gen und die Wahl ein­fach zu sein scheint, lie­gen im­mer noch Ge­fah­ren auf der Lau­er; man den­ke nur an den „Ed­sel“ von Ford oder an­de­re Pro­jek­te, die ein ähn­lich un­glück­se­li­ges Ende nah­men. Kurz ge­sagt: Der Ent­schei­dungs­trä­ger ist sich der Tat­sa­che be­wußt, daß er ei­gent­lich noch et­was mehr wis­sen soll­te, zu­sätz­lich zu der er­war­te­ten Er­trags­ra­te. Was fehlt, liegt in der Art und der Qua­li­tät der Da­ten, auf de­ren Ba­sis die Er­trags­ra­te kal­ku­liert wird, und in der Art und Wei­se, wie die­se Da­ten ver­ar­bei­tet wer­den. Die­ses „Et­was“ hat mit Un­si­cher­heit zu tun, mit Mög­lich­kei­ten und Wahr­schein­lich­kei­ten, die sich über einen wei­ten Be­reich von Ri­si­ken und Chan­cen er­stre­cken. Die in die­sem Ar­ti­kel vor­ge­schla­ge­ne, neue Me­tho­de der Ri­si­ko­ana­ly­se von Ka­pi­ta­lin­ves­ti­tio­nen ist in dem ein­ge­scho­be­nen Ab­satz zu­sam­men­fas­send dar­ge­stellt.
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